baby kein Zucker im 1. lebensjahr

Warum ich meinem Baby keinen Zucker gebe


Ich habe meinem Sohn im ersten Lebensjahr kaum Lebensmittel gegeben, die zusätzlichen Industriezucker oder alternative Süßungsmittel enthalten. Auch keinen Agavendicksaft, Honig oder Reissirup, denn das halte ich für keine bessere Alternative zu raffiniertem Zucker. Auch heute, mit 2,5 Jahren, bekommt mein Kind sehr wenig Zucker und richtige Süßigkeiten stellen die absolute Ausnahme dar. Und mit absoluter Ausnahme meine ich, dass ich die Fälle, in denen er Schokolade oder Gummibärchen gegessen hat, an einer Hand abzählen kann. Warum ich das Thema Zucker für Babys so streng handhabe? Das erkläre ich Dir hier.

Warum kein Zucker für mein Baby?

Warum ich das so handhabe? Nicht, weil ich denke, dass ein paar Brösel Zucker ihm nachhaltig schaden. Sondern weil ich viel zum Thema Baby-Ernährung gelesen habe und denke, dass Zucker in dem Ausmaß, wie er in unserer Kultur verzehrt wird, meinem Kind schadet. Für mich ist es einfacher, Zucker möglichst ganz zu meiden, als ständig zu verbieten und zu entscheiden, wie viel Zucker zu viel Zucker ist. Das bedeutet: Wenn möglich, existiert bei uns einfach keine zuckerhaltige Nahrung, sodass wir gar nicht in die falschen Gewohnheiten rutschen. Und, egal was irgendwelche moderaten Trendsetter-Mütter sagen: Ich halte Zucker für schädlich. Aber was genau spricht eigentlich gegen Zucker im ersten Lebensjahr?

➔ Zucker schadet der Darmflora

Wer sich, wie ich, eingehend mit den neueren Erkenntnissen der Darmflora-Forschung beschäftigt, der stellt eines schnell fest: Zucker und Fast-Food haben verheerende Effekte auf die richtige Entwicklung der Darmflora. Zucker fördert das Wachstum von Pilzen und Bakterien (z.B. Candida-Infektionen) und liefert andererseits keinerlei Nährstoffe für gesundheitsfördernde Darmbakterien im Dickdarm. Denn bis der Nahrungsbrei dort ankommt, sind kurzkettige Kohlenhydrate wie Zucker längst abgebaut.

➔ Zucker führt zu Diabetes und Übergewicht

Den Hunger stillen zuckerhaltige Lebensmittel dagegen schon — allerdings nur kurzfristig. Zunächst steigt der Blutzuckerspiegel sprunghaft an, der Körper muss eine große Menge Insulin ausschütten, um den Zucker im Blut abzubauen. Gleichzeitig werden im Gehirn Endorphine ausgeschüttet und erzeugen Glücksgefühle — derselbe Belohnungsmechanismus wie beim Drogenkonsum! Kurze Zeit später fällt der Blutzuckerspiegel rasant ab, was zu Heißhunger auf Süßes führt. Ein Teufelskreis, der über die Jahre die Bauchspeicheldrüse erschöpft und zu Diabetes Typ II führen kann.

➔ Zucker enthält wenig Nährstoffe und Ballaststoffe

Zucker hat neben Kalorien keinerlei Nährstoffe oder gar Ballaststoffe. Deshalb bezeichnet man Zucker oder Kohlenhydrate aus Weißmehl oder weißem Reis oft auch als “leere Kalorien”. “Leere Kalorien” erzeugen zwar ein Sättigungsgefühl, versorgen den Körper aber nicht mit lebensnotwendigen Vitaminen und Ballaststoffen.

Die z.B. in verschiedenen Gemüsesorten, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten enthaltenen Ballaststoffe braucht der Darm, um die “guten”, d.h. gesundheitsfördernden Darmbakterien im Dickdarm zu füttern. Erhält der Darm über längere Zeit nur “leere Kohlenhydrate”, verschwinden diese Bakterienkolonien oder greifen die Darmschleimhaut an. Entzündliche Darmerkrankungen oder “Leaky Gut” nennt man das im Erwachsenenalter. Aktuelle Studien zeigen, dass sich die Darmflora unter anderem auf die Intelligenz, das Lebensgefühl und grundlegende Charaktereigenschaften auswirkt.

➔ Zucker beeinträchtigt Konzentration und Immunsystem

Kinder, die viel Zucker essen, sind anfälliger für Infekte und können sich schlechter konzentrieren.

➔ Zucker fördert Karies

Anders als oft angenommen ist nicht der Zucker selbst, sondern Kariesbakterien für die Entstehung von Löchern in den Zähnen verantwortlich. Und ja, es gibt neben Zucker auch andere Lebensmittel, die den dafür nötigen Plaque-Belag auf den Zähnen bilden. Zucker ist aber in jedem Fall an der Entstehung von Karies beteiligt, weil er die Vermehrung der Kariesbakterien begünstigt.

➔ Zucker prägt den Geschmackssinn

In den ersten Lebensjahren wird unser Geschmackssinn geprägt. Die Vorliebe für Süßes ist sinnvollerweise angeboren, denn süße Lebensmittel sind in der Regel nicht giftig und auch Muttermilch schmeckt süß. Nach der Babyphase sind Kinder aber bereit, andere Geschmacksrichtungen auszuprobieren und sich an diverse Lebensmittel zu gewöhnen. Essen sie in dieser Zeit vor allem Süßes, sind sie vermutlich auch später auf eine zuckerreiche Ernährung geprägt.

Zucker für Babys: Was spricht dafür?

Aus gesundheitlicher Sicht gibt es keinen einzigen, auch noch so klitzekleinen Grund der dafür spricht, dass irgendein Mensch Lebensmittel mit Zuckerzusätzen essen sollte. Auch Babys brauchen in keiner Weise (Industrie-) Zucker und er hat keinerlei positive Auswirkungen auf den Organismus.

Kann ein Kind etwas vermissen, das es nicht kennt?

Das Argument, das immer wieder hervorgeholt wird, wenn ein Baby absolut keinen Zucker bekommt, ist folgendes: Wenn man Zucker bei Kindern stark reguliert bzw. komplett verbietet, könnten sie keinen gesunden Umgang mit Süßem lernen. Später würde das zu Zucker-Binge-Eating und “Erbrechensarien” auf Kindergeburtstagen führen. Im Bezug auf Babys halte ich dieses Szenario schlichtweg für absoluten Quatsch. Es gibt so vieles, das Babys nicht dürfen, weil ihre Eltern sie einfach nicht lassen. Auf die Straße laufen oder andere Kinder hauen zum Beispiel. Auf welcher Basis sollte das Eine zu nachhaltigen traumatischen Reaktionen führen, das Andere aber später verstanden werden? Ich kenne keine Kinder, die auf Kindergeburtstagen andere verdreschen, nur weil ihnen im Babyalter verboten wurde, zu hauen, kratzen oder beißen.

Für Kleinkinder und Vorschulkinder macht dieses Argument mehr Sinn. Restriktionen machen viele Dinge natürlich interessanter. Allerdings gibt es da für mich auch einen feinen Unterschied. Wenn ich meinem Kind etwas verbiete, was es direkt vor der Nase hat, dann wird es das zu Recht frustrieren. Wenn andere Kinder es essen dürfen, in doppeltem Maße. Das fühlt sich ungerecht an, für jeden Menschen. Wenn dagegen etwas in der Welt meines Kleinkindes gar nicht existiert, dann muss ich es auch nicht verbieten.

Meine Lösung: Zucker nicht anbieten statt zu verbieten

Und genau so handhaben wir das, seit unser Sohn etwa 1,5 Jahre alt ist. Er hat in seinem kurzen Leben schon Eis probiert, weiß, was Schokolade ist und durfte auch schon Kuchen naschen. Allerdings nur in Situationen, in denen es sich nicht vermeiden ließ — und er es direkt wahrnahm. Denn manchmal sieht er die süßen Lebensmittel bei Verwandten oder im Restaurant überhaupt nicht, weil er so beschäftigt ist mit Spielen. Warum sollte ich ihm dann explizit etwas anbieten, was für ihn nicht gesund ist?

Was mich an der Zucker-Diskussion wirklich ärgert

Vielleicht kennen einige die wundervollen Artikel von Danielle auf dem Blog “Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn”. Meistens halte ich ihre Tipps und Sichtweisen für sehr ausgewogen und hilfreich. Doch über ihren Beitrag zum Thema Zucker habe ich mich wirklich geärgert. Ihre Intention, eine übertriebene und erzwungene Zuckerfreiheit im ersten Lebensjahr anzuprangern, verstehe ich. Trotzdem finde ich die Art und Weise, wie er geschrieben ist, unfair. Weil er sich im Zwischenton lustig macht über die Nicht-Zucker-Mütter und (wahrscheinlich ungewollt) eine Rechtfertigung bietet, dem Baby eben doch Zucker zu geben. Ohne sich mit Argumenten darüber unterhalten zu müssen, sondern einfach, weil es okay ist, sich über die Anti-Zucker-Verfechter lustig zu machen. Weil niemand gerne offen zu den Müttern gehört, die sogar in den Augen einer erfolgreichen und anerkannten Kinder-Ratgeber-Autorin wie Danielle übertreibt. Eine Angabe darüber, wie viel Zucker zu viel ist, enthält der Artikel natürlich nicht. Denn das weiß tatsächlich niemand.

Bin ich eine uncoole Helikopter-Mutter, wenn ich meinem Baby keinen Zucker gebe?

Viele Jahrzehnte wurde mit der Ernährung von Kindern sorglos umgegangen — weil man es nicht besser wusste. Heute gibt es viele wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien darüber, was schlechte Ernährung für kurzfristige und langfristige Folgen für Kinder haben kann. Wenn man diese Forschungsergebnisse liest, kann man regelrecht Panik vor Zucker, Fast-Food und Co. bekommen und vergessen, dass das meiste immer noch eine Frage der Menge ist.

Deshalb verteufeln viele Mütter Zucker. Und verzichten lieber komplett darauf, als ein Risiko einzugehen. In meinen Augen ein völlig nachvollziehbares Verhalten fürsorglicher Eltern! Viel besser, als seinem Kind bedenkenlos Zucker zu geben. Weil dieses Verhalten aber in manchen Gesellschaftsschichten und auch in anderen Bereichen überhand genommen hat, scheint es gerechtfertigt zu sein, sich darüber zu mockieren. Ähnlich ist es ja mit Umweltbewusstsein, veganer Ernährung oder plastikfreiem Leben. Das alles wird ein wenig in ein übertriebenes und damit lächerliches Licht gezogen.

Deshalb geht es bei der Zucker-Diskussion heute eher darum, welche Art von Mutter Du sein willst — und weniger um rationale Argumente. Bist Du bereit, Dich für Deine Überzeugungen in die Ecke der völlig übertreibenden Helikopter-Eltern stellen zu lassen? Oder willst Du lieber eine Cool-Mum sein, die die Dinge nicht so eng sieht und ihrem Kind in Sachen Selbstregulation vertraut?

Wie hältst Du es mit dem Thema Zucker für Dein Baby? Wir freuen uns über Deinen Kommentar!

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5 Kommentare zu “Warum ich meinem Baby keinen Zucker gebe

  1. Liebe Hanna,

    vielen Dank für Deine Kritik. Mein Artikel ist schon etwas älter – ich nehme Deinen Beitrag gerade zum Anlass, ihn noch mal zu überarbeiten. Denn mein Ziel war es wirklich nicht, Zuckervermeidung lächerlich zu machen. Tatsächlich halte ich die Überzuckerung der Lebensmittel für ein großes Problem unserer Gesellschaft. Es ging mir nur um die Legitimierung auch mal nur eines Stücks Schokolade oder doch mal drei Gummibärchen :-).

    Herzliche Grüße
    Danielle

    1. Liebe Danielle,

      vielen Dank für dieses professionelle Feedback und Deinen tollen Umgang mit Kritik. Ich kenne Deinen Blog gut genug, um zu wissen, dass das vermutlich nicht Deine Absicht war. Ich hoffe, dass jede Mutter weiß, dass ein Kind von einem Eckchen Schokolade nicht zu Staub zerfallen wird ;). Dein Artikel ist auch nur ein Beispiel für etwas, was mir im Leben als Mutter immer häufiger auffällt. Weil es immer mehr Mütter gibt, die sich großem Druck aussetzen, alles richtig zu machen, geht es schnell mehr darum, ob dieses Verhalten gut ist als um die Sache an sich. Ansonsten ist Dein Artikel wie immer super recherchiert und war eine tolle Inspiration.
      Viele liebe Grüße,
      Hanna

  2. Ich finde deine beitrag ganz toll auch ich habe bei meinem Sohn so lange wie es ging aif Zucker versucht zu verzichten
    Jetzt mit 2 1/2 Jahren wird es etwas schwieriger durch eis essen im Sommer oder diversen Kinder Geburtstagen bei denen die Eltern den Kindern fast einen zuckerschock versetzen
    Ich versuche aber immer noch mit dem Thema Zucker bewusst im zu gehen und es meistens zu vermeiden den vermissen tut er es sicher nicht

    Lieben Gruß Andrea

  3. Toller Blog, auch ich versuche weitestgehend meiner bald 2 jährigen keinen extra Zucker zu geben. Oft wird man als zu Extrem gesehen und es klappt beim 2. eh nicht mehr. Aber meine Tochter wacht auf und verlangt kein Keks sondern Apfel, Mandarine und Co. Auch am Tag wenn Sie Mädchen will, ist es Obst oder Dinkelkräcker. Es ist leider nicht immer zu vermeiden, da in so vielen Produkten Zucker drin ist und das ist die Schuld der Industrie. Zucker ist tatsächlich eine Art Droge und fördert den mehr Konsum. Warum muss in eine Tomatensauce Zucker???Ich koche eigentlich alles selber, ab und an muss ich mal zu etwas anderem greifen (echt selten) und da muss man genau lesen was drin ist. Ich hoffe es gibt immer mehr Mamis, die den Mut haben etwas gegen den Strom zu schwimmen und vielleicht kommen solche Eltern auch mal an die Politik um ein bisschen Einfluss zu geben.

    Liebe Grüße Phoebe83 mit Tochter 23 Monate und Bauchzwerg 28SSW

  4. In Tomatensauce ist Zucker, weil dieser die Säure der Tomaten etwas ausgleicht, schmeckt leider sofort viel leckerer ;).
    Ich halte soweit alles zuckerfrei, habe aber schon dringliche Bedenken über die gutgemeinten Angebote von Oma und Uroma und die eventuellen Heimlichtuereien mit Süßem. Als ob dem Kind was abbricht, weil es keine Kinderschokolade bekommt, steht doch schließlich KINDER drauf…. Ich habe das auch durch und habe irgendwann heimlich gegessen.
    Aber Muttis vergesst nicht: die Industrie ist nicht schuld, sie bedient nur das Verlangen und Zucker ist extrem billig. Kauft halt keine Kekse sondern legt einen Backtag im Monat ein, es gibt doch unendliche Rezeptsammlungen.
    Wir müssen den Unterschied machen, dafür wurden uns Kinder anvertraut und die machen dann mit uns zusammen den doppelten Unterschied. :)

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