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Beckenschmerzen in der Schwangerschaft: Wann Du zum Arzt gehen solltest


Beckenschmerzen in der Schwangerschaft sind nichts Ungewöhnliches. In sehr vielen Fällen steckt dahinter eine Lockerung der Gelenke, insbesondere eine Symphysenlockerung. Obwohl das meist das Erste ist, das Ärzte untersuchen, können Schmerzen im Hüft- und Beckenbereich in der Schwangerschaft auch noch ganz andere Ursachen haben – manche davon mehr, manche weniger gefährlich.

Wann Du bei Beckenschmerzen in der Schwangerschaft lieber umgehend Deinen Arzt kontaktieren solltest, erfährst Du in diesem Artikel.

Beckenschmerzen in der Schwangerschaft – diese Gelenke können betroffen sein

Das “Problem” mit Schmerzen im Beckenbereich und Unterleib ist, dass der genaue Ausgangspunkt oft schwer zu lokalisieren ist. Häufig strahlen die Schmerzen aus oder werden ganz wo anders wahrgenommen. Deshalb solltest Du bei Beckenschmerzen in der Schwangerschaft auch an andere Ursachen im unteren Bauchraum denken, die nicht direkt mit den Gelenken in der Hüfte zu tun haben.

Grundsätzlich besteht das Becken aus zwei knöchernen Teilen und drei Gelenken: Der Symphyse, die die beiden Beckenhälften vorne zusammen hält, dem Hüftgelenk, und dem Iliosakralgelenk, das Hüfte und Wirbelsäule miteinander verbindet.

Durch den erhöhten Progesteron– und Relaxinspiegel in der Schwangerschaft kommt es zu einer Lockerung der Bänder und Sehnen und die Gelenke halten weniger fest zusammen – das kann unter Umständen zu Schmerzen führen.

Symphysenlockerung als häufigste Ursache

Die häufigste Ursache für Beckenschmerzen in der Schwangerschaft ist eine Lockerung der Symphyse. Die Symphyse ist ein knorpeliges Gelenk, auch Schambein genannt, das die beiden Beckenhälften vorne verbindet. Normalerweise hält dieses Gelenk fest zusammen, doch in der Schwangerschaft lockert es sich bei vielen Frauen – im schlimmsten Fall so sehr, dass es bei vielen Bewegungen zu Schmerzen kommt. Eine zu lockere Symphyse führt zu einem instabilen Becken und schränkt die Mobilität stark ein.

Meistens tritt eine Symphysenlockerung ab der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf und verschwindet erst nach der Geburt wieder. Warum sie bei manchen Frauen auftritt und bei anderen nicht, ist nicht geklärt. Ein Beckengurt kann helfen, das Gelenk zusammen zu halten.

Schmerzen im Iliosakralgelenk

Ich selbst habe seit meiner Jugend immer wieder Probleme mit dem Iliosakralgelenk, das die untere Wirbelsäule und das Becken miteinander verbindet. Wenn sich die Gelenkflächen dieses recht immobilen Gelenks verkanten, entsteht das sogenannte ISG-Syndrom.

Das passiert bei Schwangeren häufiger als sonst und ist ebenfalls eine Ursache für Beckenschmerzen in der Schwangerschaft – vor allem, wenn man wie ich vorbelastet ist.

Hüftgelenk wird stark belastet

Auch das Hüftgelenk, das Oberschenkel und Becken miteinander verbindet, leidet manchmal unter der Lockerung der Bänder durch die Hormone. Doch auch Gewichtszunahme, seitliches Schlafen und Muskelverspannungen können zu Schmerzen im Hüftgelenk führen.

Denn Schwangere sollten in der zweiten Schwangerschaftshälfte nach Möglichkeit auf der linken Seite schlafen. Das führt bei vielen zu einer ungewohnten Belastung des Körpers und damit zu Verspannungen und Schmerzen. Abhilfe schaffen können ein Bauchgurt oder Schwangerschaftskissen zum Schlafen sowie ein Kissen zwischen den Knien. Viele Frauen schlafen auch gerne mit einem Stillkissen.

Sind Beckenschmerzen in der Schwangerschaft gefährlich?

All diese Gelenksbeschwerden in der Schwangerschaft sind an sich völlig ungefährlich, können aber sehr schmerzhaft werden. Wenn Du Dir sicher bist, dass es sich um Schmerzen in einem bestimmten Gelenk handelt, ist es darum ganz Deiner Einschätzung überlassen, ob und wann Du einen Arzt dazu aufsuchst. Einfach Schmerzmittel einzunehmen, sollte nicht die Lösung sein.

Wenn die Sehnen und Bänder in den Gelenken schwächer werden, kann die umliegende Muskulatur in vielen Fällen das Defizit ausgleichen. Du kannst also Beckenschmerzen in der Schwangerschaft vorbeugen und auch lindern, indem Du regelmäßige Kräftigungsübungen im entsprechenden Bereich durchführst. Auf diese Weise halte ich auch meine Schmerzen im Iliosakralgelenk in Zaum.

Weitere Ursachen für Beckenschmerzen in der Schwangerschaft

Nun gibt es, wie gesagt, auch weitere Ursachen für Schmerzen im Unterbauch, die dann unter Umständen in der Schwangerschaft als Beckenschmerzen wahrgenommen werden.

Dazu gehören unter anderem:

  • Dehnung der Mutterbänder in der Frühschwangerschaft: Dieser Schmerz fühlt sich ähnlich an, wie Regelschmerzen und ist völlig ungefährlich und normal.
  • Eileiter- oder Bauchraumschwangerschaft (ektope Schwangerschaft): Wenn sich das befruchtete Ei außerhalb der Gebärmutter einnistet, führt das in der Frühschwangerschaft zu sehr starken, stechenden Schmerzen. Eine solche Schwangerschaft kann nicht aufrecht erhalten werden und Du solltest schnell einen Arzt aufsuchen. Im schlimmsten Fall kann Dein Leben in Gefahr sein.
  • Spontanter oder drohender Abort: Eine Fehlgeburt zeichnet sich oft durch plötzliche und heftige Schmerzen im Unterleib ab. Meist sind sie mit leichten oder stärkeren Blutungen verbunden. Auch in diesem Fall solltest Du einen Arzt aufsuchen.
  • Gynäkologische Erkrankungen: Erkrankungen an den Geschlechtsorganen, z.B. eine Zyste oder Verdrehung des Eierstocks, haben mit der Schwangerschaft zunächst nichts zu tun, müssen aber trotzdem behandelt werden. Manche treten bei Schwangeren häufig auf und führen zu starken Beckenschmerzen.
  • Erkrankungen des Darms: Ein Magen-Darm-Virus oder ein durch die hormonelle Veränderung auftretendes Reizdarmsyndrom können zu starken Schmerzen im Enddarm führen. Diese werden vielleicht als Beckenschmerzen wahrgenommen.
  • Harnwegserkrankungen: Eine Blasenentzündung oder Nierensteine können ebenfalls ins Becken ausstrahlen und sollten ärztlich behandelt werden.
  • Blinddarmentzündung: Wenn diese unbehandelt bleibt, droht ein Blinddarmduchbruch und der kann lebensgefährlich sein.

Wann muss ich bei Unterleibs- und Beckenschmerzen in der Schwangerschaft zum Arzt?

Grundsätzlich gilt in der Schwangerschaft: Lieber einmal zu häufig einen Arzt aufsuchen, als einmal zu wenig. Wenn Dich etwas beunruhigt oder Du Schmerzen hast, scheue Dich daher nicht, Deinen Gynäkologen anzurufen. Glaub mir, die Sprechstundenhilfe weiß sehr wohl, wie schnell schwangere Frauen beunruhigt sind und hat dafür Verständnis. Und sei Dir sicher, Du bist nicht die einzige Schwangere, die so reagiert – immerhin geht es hier um Dein ungeborenes Baby.

Unverzüglich einen Arzt aufsuchen solltest Du bei folgenden Symptomen:

  • in der Stärke zunehmenden, kaum auszuhaltenden Schmerzen im Unterleib und Becken
  • vaginale Blutungen
  • starkes Fieber
  • Ohnmacht, Benommenheit, Sehstörungen, sehr niedriger Blutdruck

Hattest Du auch mit Beckenschmerzen in der Schwangerschaft zu kämpfen? Was hat Dir geholfen? Wir freuen uns über Deinen Kommentar!

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