Hausgeburt mit Hindernissen


Vier Tage ist unser kleines Wunder nun schon alt. Er erblickte am Sonntag um 14.33 Uhr das Licht der Welt und das sind seine Maße:
55 cm, 3700 Gramm und Kopfumfang von 36 cm.

Sonntag früh gegen 6 Uhr startete unsere aufregende Geburtsreise. Am Tag zuvor waren wir noch in Düsseldorf im Geburtshaus zum CTG und am Nachmittag in Mönchengladbach bei einem Waldorf Weihnachtsbasar. Und obwohl ich ein deutlich langsameres Tempo als gewohnt an den Tag legen musste, hatte ich das Gefühl mein Körper könne das so (also mit Murmel) noch eine Weile aushalten.

Am Abend telefonierte ich kurz mit einer Freundin, die mich daran erinnerte, dass sich die Geburt ja auch auf natürliche Weise in Gang bringen lässt. Thomas und ich, wir verbrachten daraufhin einen kuscheligen Abend, allerdings glaubte ich nicht an die Wirkung. Denn das Stillen soll die Wehen ebenfalls natürlich in Gang bringen, falls das Baby soweit ist. Unser Mädchen trank in den letzten Tagen wie eine Weltmeisterin, jedoch ohne Wirkung.

Als ich dann Sonntag 6 Uhr nach dem Guten-Morgen-Stillen unseres Mädchens auf ein regelmäßiges Ziehen im Unterleib (ähnlich wie wie damals beim Stillen nach der Geburt) spürte, wurde ich stutzig. Im Badezimmer stellte ich dann fest, dass sich der Schleimpfropf gelöst hatte und ich gab Thomas und unserem Mädchen wenige Minuten später Besscheid, dass der Bub sich auf den Weg macht.

Ob jetzt die Extraportion Oxytocin beim Geschlechtsverkehr und beim Stillen für diesen plötzlichen Start gesorgt hatte oder ob der Bub von sich aus bereit war, lässt sich nicht genau sagen. Fakt ist, dass sowohl er als auch die Plazenta Übertragungsanzeichen zeigten – es war also ein guter Zeitpunkt, um die Höhle zu verlassen.

Die Geburt startete ruhig und entspannt wie beim ersten Mal, doch in der Übergangsphase wollte er einfach nicht ins Becken rutschen und das Kopfkino begann. Meine Hebamme half mir souverän aus der Situation heraus, indem sie den Muttermundzipfel, der im Weg war bei der Wehe vorsichtig wegdrückte. Aber nach dieser bereits sehr kräftezehrenden Phase folgte sogleich die zweite Hürde. Die Presswehen setzten ein, aber der Bub kam nicht raus, weil er ein sogenannter Sternengucker war.

Ähnlich wie bei unserem Mädchen verzweifelte ich an den Presswehen (knapp zwei Stunden), weil ich das Köpfchen immer wieder kurz spürte, bevor es zurück flutschte. Die Geburt war also weder kurz noch angenehm. Als dann plötzlich ein Abbruch der Hausgeburt im Raum stand, weil mich meine Kräfte allmählich verließen und die Herztöne des Buben sanken, mobilisierte ich meine letzten Reserven und kämpfte, was das Zeug hielt. Mit Erfolg!

Ich war so erleichtert und dankbar, dass ich zu Hause entbinden durfte und wir – Thomas, die beiden Hebammen Lisa und Berrit und ich – dieses “Problem” so sanft und so ruhig wie möglich lösen konnten.Trotz aller Anstrengungen fühlte ich mich im Anschluss wesentlich besser als nach der Geburt unseres Mädchens – sowohl körperlich (bin nur ein bisschen verletzt) als auch mental. Und das war schließlich das, was ich mir so sehr wünschte: Ein gutes, inneres Gefühl, auch wenn es Umstände gibt, die die Geburt erschweren und sie nicht bilderbuchmäßig verlaufen lassen.

Entgegen meiner Überzeugung hätte ich unseren Sohn nicht alleine zur Welt bringen können. Ich weiß nicht, was ohne die Unterstützung, Hilfestellungen und konkreten Anweisungen der Hebammen passiert wäre. Ich glaube, ich wäre ziemlich aufgeschmissen gewesen. Ich glaube allerdings nach wie vor, dass es eine gute Entscheidung war, zu Hause zu gebären. Dass man uns in der Klinik schon viel eher unter Stress und (Zeit-)Druck gesetzt hätte (siehe “Warum eine Hausgeburt“).

Obwohl die Geburt ihre kleinen Spuren hinterließ, ich sehr platt bin und definitiv keine Lust auf eine dritte Runde habe (laut Thomas habe ich so etwas in der Art wohl schon nach der ersten Geburt geäußert), bin ich sehr glücklich nun endlich unseren Sohn in den Armen zu halten. Er hat dunkle Haare wie sein Papa und ich bin sehr verliebt!

Jetzt genieße ich das Rumlümmeln im Wochenbett und bin gespannt, wie sich das Leben als vierköpfige Familie nun gestaltet. Die Nächte sind wie erwartet, sehr turbulent, aber ich bin sicher, da wartet noch viel mehr auf uns…

 

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4 Kommentare zu “Hausgeburt mit Hindernissen

  1. Liebe Kathrin,
    herzlichen Glückwunsch zur Geburt Deines Sohnes!!! Ihr habt es geschafft und es geht allen gut, das finde ich immer am Wichtigsten nach so einem Marathon ;-)
    Natürlich auch herzliche Glückwünsche an den Papa und die Schwester!
    Ich wünsche euch vier ein schönes und möglichst entspanntes Wochenbett zum Kennenlernen.
    Viele Grüße,
    Anne

  2. Liebe Kathrin,
    ich schließe mich Annes Glückwünschen an. Alles, alles Gute und eine entspannte, erste Zeit zu Viert!
    Liebe Grüße
    Julia
    PS: Hoffe, Du findest auch nach der Geburt Deines Kleinen noch Zeit zum Bloggen – ich lese immer gern mit :-)

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