SSW-Update: Hausgeburt und Beleghebamme (10. SSW)


25. April 2014

Heute sind wir mit Lisa, unserer neuen Beleghebamme, verabredet – unser allererstes „Schnupper-Treffen“ (siehe „Was ist eine Beleghebamme?“). Bereits wenige Tage nach dem positiven Schwangerschaftstest (Woche 5), überlegte ich mir, wer als Hebamme in Frage kommen könnte, denn verläuft die Schwangerschaft so unkompliziert wie beim ersten Mal, wünsche ich mir eine Hausgeburt.

Ich kontaktierte Julia, die Hebamme, die uns half unser Mädchen auf die Welt zu bringen. Aufgrund der hohen Haftpflichtversicherung begleitet sie selbst leider keine Geburten mehr, aber sie konnte zwei Empfehlungen aussprechen. Außerdem hatte ich noch ein Visitenkärtchen von einer Hebamme, die einer guten Bekannten bei mehreren Hausgeburten geholfen hatte.

Da die Krankenkasse nur ein „Kennenlern-Gespräch“ finanziert und ich nicht aus eigener Tasche dazu zahlen wollte, legte ich mich vorher fest. Lisa vom Visitenkärtchen gewann das Rennen, ganz einfach, weil sie in unserer Nähe wohnt (10 Km von uns) und auch von Julia als gute Hebamme bestätigt worden ist. Eine Doppelempfehlung sozusagen :)

Es ist 15. 30 Uhr und Lisa ist da. Sie schaut sich zunächst meinen Mutterpass an und wir besprechen meine Krankheitsgeschichte. Sie ist erstaunt, dass ich weder Allergien noch sonst irgendwelche Erkrankungen oder gesundheitliche Probleme habe: „Es passiert echt selten, dass ich gar nichts zu einer Mutter aufschreiben muss“, bemerkt sie. Dann darf ich Fragen stellen, allerdings gibt es nur eine Kleinigkeit, die mich beschäftigt. Ich spüre seit zwei Tagen wieder ein intensives Ziehen im Bauch und wundere mich darüber. Lisa erklärt, dass das die Bänder seien, die sich dehnen. Also nichts Besorgnis erregendes.

Lisa bittet mich dann die erste Geburt zu beschreiben und während ich die Geschehnisse widergebe, spüre ich diesen dicken Kloß im Hals. Mit meinen Erinnerungen an die Wehen und die unfassbaren Schmerzen in meinem Rücken, schießen mir die Tränen in die Augen. Unser Mädchen schaut mich intensiv an: „Mami traurig?“ „Ja, mein Mädchen. Ich bin ganz traurig!“

Meine Emotionen verwirren mich, denn ich hatte die Geburt unserer Tochter vor wenigen Monaten bereits mit zwei Hebammen aufgearbeitet (siehe „ Geburtsbericht unserer Tochter“). Ich brachte sie spontan und ohne Schmerzmittel zur Welt, was mich erfreute. Dennoch gab es einige Situationen, die ich als traumatisch und übergriffig empfand. Die Nachbesprechung dieser Erlebnisse mit etwas Abstand half mir ungemein und ich hatte geglaubt dadurch darüber hinweg zu sein.

Doch offensichtlich entstehen im Moment ganz neue Ängste. Lisa bestätigt das: „In der ersten Schwangerschaft gehen Frauen in die Geburt rein und sind überzeugt, dass sie es schaffen. Sie wissen ja nicht, wie es sich anfühlt/ was auf sie zukommt. Bei der zweiten Geburt sieht das ganz anders aus, weil bereits Erfahrungen vorhanden sind. Jedoch ist die erste Geburt die schlimmste. Bei der zweiten ist der Körper schon vorbereitet – da ist schon mal ein Kind durch und bei dir vor nicht all zu langer Zeit. Die meisten Frauen wundern sich, dass es bei der zweiten Geburt so „einfach und schnell“ geht.“

Obwohl mich Lisas Worte beruhigen und mir Hoffnung geben, freue ich mich nicht auf die Geburt. Ich habe Angst, dass es noch einmal so schmerzhaft wird und frage sie, ob es Möglichkeiten gibt, mich auf die Geburt vorzubereiten. Mental, damit ich wieder mit dem Gedanken hineingehen kann „Ich schaffe das“. Und körperlich, damit die Schmerzen nicht wieder so stark werden.

Ich muss dazu sagen, dass ich bei der Geburt unseres Mädchens die Eröffnungsphase bewusst, ganz alleine zu Hause verbrachte. Vier Stunden lang veratmete ich meine Wehen und als Julia und Thomas eintrafen, war der Muttermund bereits acht cm geöffnet. Die 20 minütige Fahrt ins Krankenhaus, die blöde Ärztin, die auf einen Ultraschall bestand, obwohl ich ernsthafte Probleme hatte auf dem Rücken zu liegen und die Kreißsaal-Uhr, deren Zeiger scheinbar still standen, haben sich bis heute negativ in mein Gehirn gebrannt. Ich erhoffe mir eine angenehmere Geburt, wenn ich auch „den Rest“ zu Hause in meiner gewohnten Umgebung erledigen darf.

Wenige Sekunden nach ihrer Geburt.

Lisa nickt zustimmend. Was meinen Kopf anbelangt, kann eine Hausgeburt tatsächlich helfen zu entspannen, denn unter der Geburt schüttet der Körper Oxytocin – ein körpereigenes und sehr wirkungsvolles Schmerzmittel – aus. Allerdings nur, wenn wir uns wohlfühlen und uns fallen lassen können. Im Klinik-Kreissaal mit fremden Menschen gelang mir das nur schlecht. Vielleicht klappt das in unseren vertrauten vier Wänden besser.

Lisa schlägt außerdem vor, mich kurz vor der Geburt in eine ostheopathische Behandlung zu begeben. Sie vermutet, dass der Kopf unseres Mädchens in der Übergangsphase die Schmerzen verursachte und ist sich sicher, dass ein Ostheopath mir diesbezüglich helfen könne. Ich bin gespannt.

3 Kommentare zu “SSW-Update: Hausgeburt und Beleghebamme (10. SSW)

  1. Liebe Kathrin
    Hin und wieder lande ich auf deiner Website und hab schon viel tolles gelesen. Ich möchte dich beim Thema Hausgeburt bestärken! Bin selber zweifach-Mami (beides geplante Hausgeburten),Stille langzeit,praktiziere familienbett,beide Kinder leben impffrei etc etc
    Die Hausgeburt ist für mich die absolut schönste und natürlichste Form ein Kind zu bekommen.zudem brauchte ich zu Hause keine Angst vor “provozierten”Komplikationen zu haben (PDA,Einleitung etc ) ich würde jeder (!)Frau die eine unkomplizierte SS hat auf jeden fall die hausgeburt wärmstens empfehlen!denn jede Frau bringt alles mit was es für eine Geburt braucht.vertrau dir selbst!es ist ein wundervolles Zusammenspiel zwischen dir und dem Baby-wenn man es zulässt.(dafür müssen weder irgendwelche Wehen “gemessen”werden noch sonst was,solche Sachen sind einerseits total unnötig andererseits stören sie den geburtsablauf enorm!)
    Trau dich,ich wünsch es dir!
    Herzlich

  2. Liebe Kathrin,

    ich will dir auch Mut machen und dich bestärken.
    Vor 4 Monaten habe ich unser zweites Kind bekommen, geplant zu Hause. Noch immer denke ich oft an dieses wundervolle Ereignis zurück und kriege immer wieder Gänsehaut, vor Glück!

    Leider hatte ich vorher immer das Gefühl, mich bei anderen Menschen dafür zu rechtfertigen, eine Hausgeburt zu wollen. Das hat mich manchmal etwas gestresst. Gerade von der eigenen Familie hätte ich mir mehr Zuspruch erwartet (und ich dachte, das wenigstens meine Großeltern noch ihre Kinder zu Hause bekommen hätten, was aber nicht so war).

    Ich bin so froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. An meiner Seite hatte ich meinen Mann und meine Hebamme, die mich bei dem Vorhaben unterstützten. Erstaunlicherweise häbe ich unter der Geburt auch nie dran gedacht, ins KH zu fahren. Davon abgesehen hätte ich nicht gewusst, wann wir hätten losfahren sollen, es ging auf einmal alles so schnell :-)

    Wir hatten noch soviel Spaß mit den Hebammen, als er da war, es war einach alles perfekt und mega entspannt. Ich kriege schon wieder Tränen in den Augen…

    Ich wünsche jeder Frau, solch eine Erfahrung zu machen. Man geht soooo gestärkt aus dieser Situation heraus, einfach unglaublich! Unser Körper ist doch einfach etwas Wunderbares, wenn er solch kleine Wunder so friedlich auf der Welt willkommen heißt.

    Alles Liebe für Euch, vertrau auf dich und deinen Körper!
    Kristin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.