Kindstod

Plötzlicher Kindstod – Wie kann ich vorbeugen?


Plötzlicher Kindstod: die größte Angst aller Eltern. Laut Statistik steht der plötzliche Kindstod (auch SIDS genannt) in Deutschland als Todesursache im Säuglingsalter an erster Stelle (etwa 1.000 Fälle pro Jahr).

Vielleicht hast auch Du Angst davor und möchtest Dein Baby unter allen Umständen davor schützen. Eines vorweg: laut den neuesten Erkenntnissen muss man sich die Zahlen mal etwas genauer anschauen, um festzustellen, dass man gar nicht so viel Angst vor diesem “Plötzlichen Kindstod” haben muss.

Plötzlicher Kindstod: was ist das?

Als plötzlicher Kindstod (SIDS = sudden Infant death Syndrome) wird das Versterben eines Säuglings bezeichnet, ohne eine Todesursache gefunden zu haben. Das ist ein Paradoxon, da es keine wirkliche Todesursache ist, sondern ein Ausschlusskriterium.

Info
Fälle, in denen die Todesursache plötzlicher Kindstod lautet, sind seit vielen Jahren stetig zurückgegangen, das liegt auch den besseren Präventivmaßnahmen.

80% der Kinder, die am Säuglingstod sterben, sind jünger als 6 Monate. Am häufigsten versterben die Kinder zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat.

Plötzlicher Kindstod: Gibt es das überhaupt?

In einer Studie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Dissertation von Bettina Michaela Zinka) wurden in den Jahren 1999-2001 Kinder, bei denen plötzlicher Kindstod vermutet wurde, gründlicher obduziert. Bei dieser Obduktion wurde festgestellt, dass nur wirklich fünf Prozent (2012: wären das 7 Fälle) der Kinder wirklich ganz ohne Todesursache starben, bzw. hatte man keine Möglichkeit, um eine Ursache zu finden. Bei den anderen wurden eindeutige Todesursachen gefunden oder es gab körperliche Auffälligkeiten, die zum Tode führen konnten.

Plötzlicher Kindstod: die Auslöser

Forscher suchen stetig die Ursachen für den plötzlichen Kindstod, allerdings sind die Studien hierzu aktuell noch nicht ausgereift. Es wird allerdings angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenkommen.

Die Forscher vermuten, dass die Ursache eine “körperliche Abweichung” ist, die ihren Ursprung im Gehirn hat. Dies hat zur Folge, dass das Baby nicht mehr richtig atmen kann und der Blutdruck außer Kontrolle gerät. Eine weitere Ursache könnte sein, dass das Baby an einer Entwicklungsstörung leidet.

Ursachenforschung

Auslöser im GehirnBlutdruck

In einer Studie haben Forscher herausgefunden, dass einige Babys, deren Todesursache plötzlicher Kindstod lautet, einen Defekt im Stammhirn hatten. Im Gehirn der Babys war der Teil des Hirnstamms defekt, der die Empfindung für Kohlendioxid kontrolliert.

Liegt das Baby auf dem Bauch, also mit dem Gesicht auf der Matratze, bildet sich durch das Ausatmen giftiges Kohlendioxid, dass vom Baby eingeatmet wird. Ein gesunder Mensch, egal ob Baby oder Erwachsener, wird wach, sobald im Blut der CO2-Gehalt zu hoch wird. Ein Baby, das einen solchen Defekt im Stammhirn hat, wird nicht wach und erstickt am tödlichen Gas.

Weitere Forschungen sehen den plötzlichen Abfall des Blutdrucks als Ursache für den plötzlichen Kindstod. Zwar ist es völlig normal, dass während des Schlafes der Blutdruck fällt, aber einige Babys können diesen Absturz des Blutdrucks nicht verkraften.

Die Forscher vermuten, dass auch hier die Ursache wieder im Stammhirn liegt. Das Gehirn ist nicht im Stande, die wichtige Zufuhr von Blut zu den Organen aufrecht zu erhalten. Auf die Atmung hat das aber keine Auswirkung.

Plötzlicher Kindstod: Vorbeugen

Einige Forscher glauben, dass das sogenannte bedsharing, also das Schlafen im Familienbett ein Baby vor dem Kindstod bewahren kann. Eine Studie besagt, dass es in bei bedsharing zu weniger Fällen von plötzlichem Kindstod kommt.

Info
Das Schlafen im Familienbett kann sogar gefährlich sein, wenn Dein Baby noch keine sechs Monate alt ist.

Laut dieser Studie schlafen Babys im Familienbett leichter und Mütter können schneller auf das Baby reagieren. Dennoch gibt es keine Studie, die eine Senkung des Risikos belegen kann.

Was sind Risikofaktoren für SIDS?

  • Rauchen/Passivrauchen während der Schwangerschaft bzw. nach der Geburt: Laut einer Studie zu den Fallzahlen des SIDS verstarben z.B. 1980 weniger Kinder mit der Diagnose SIDS, obwohl damals wesentlich mehr Eltern geraucht haben. Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen dem Rauchen und SIDS. Ich möchte hier das Rauchen keinesfalls propagieren!! Aus vielen anderen Gründen stellt Rauchen eine sehr große Gefährdung für die Gesundheit dar. Aber mit SIDS hat es mit großer Wahrscheinlichkeit nur einen kleinen Zusammenhang.
  • Schafen in Bauchlage: Das Schlafen in Rückenlage wird seit einigen Jahren bevorzugt. Auch hier weiß man nicht, ob es einen direkten Zusammenhang mit SIDS gibt. Die Rückenlage wird erst seit 2004 in ganz Deutschland propagiert und bereits seit 1990 sinken die SIDS-Zahlen deutlich, obwohl da noch die meisten Kinder auf dem Bauch geschlafen haben. Außerdem schlafen viele Kinder in Bauchlage wesentlich ruhiger. Und wenn ein Kind nur auf dem Rücken liegt, kommt es in vielen Fällen zu Verformungen des Kopfes mit Folgen für die Entwicklung Eures Babys.
  • Verzicht aufs Stillen: Auch hier muss man sich die Zahlen von 1980 ansehen. In den 80er Jahren wurden sehr viel weniger Kinder gestillt und trotzdem waren die Fälle von SIDS deutlich weniger als in den 1990er Jahren, in denen wieder wesentlich mehr gestillt wurde. Stillen ist auf jeden Fall das beste für Euer Kind!! Aber auch hier gibt es keinen direkten Zusammenhang zum Plötzlichen Kindstod.
  • Frühgeburt vor der 33. SSW oder ein sehr niedriges Geburtsgewicht: Wenn ein Kind zu früh oder zu klein auf die Welt kommt und dann verstirbt, dann hat das meist eine Ursache – und zählt somit nicht zum plötzlichen Kindstod.
  • Drogenkonsum der Mutter: Auch hier ist es so, dass das Versterben meist eine körperliche Ursache hat.
  • Überwärmung, Zudecken des Kopfes oder ungenügende Luftzirkulation: In Deutschland wird geraten, dass die Säuglinge einen Schlafsack tragen sollen, dass es um das Bettchen keinen Himmel und kein Nestchen geben soll, damit die Luft besser zirkulieren kann und sich das Baby nicht die Decke über den Kopf zieht. Wenn ein Kind aufgrund dieser Ursache verstirbt, dann handelt es sich auch hier wieder nicht um den plötzlichen Kindstod, sondern um einen Erstickungstod. In Deutschland ersticken nur etwa ein bis max. 6 Kinder pro Jahr. Also hat der Schlafsack und das Nestchen wohl auch nichts mit dem Plötzlichen Kindstod zu tun.

Ganz schlecht sind die o.g. Präventivmaßnahmen bestimmt nicht. Es gibt aber auch Kinder, die einfach viel lieber und ruhiger auf dem Bauch schlafen. Und da solltest Du nicht ganz so viel Angst davor haben. In diesem Fall muss man sich vielleicht zusammen mit der Hebamme mal die Gesamtsituation ansehen und dann ganz individuell entscheiden.

Genaue Zahlen und Tabellen zum SIDS findest Du unter www.gbe-bund.de.

 

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