Was Babys wirklich brauchen


Zum zweiten Mal Mutter zu sein, birgt viele Vorteile: Ich fühle mich wesentlich sicherer im Umgang mit dem kleinen Menschlein, obwohl es sich wieder sehr neu anfühlt, so ein zerbrechliches, hilfloses Geschöpf in den Händen zu halten. Ich bin ruhiger und gelassener. Und vor allem frei von Ängsten und Zweifeln, die besagen, zu viel Nähe und Aufmerksamkeit verwöhne ein Baby.

Denn während ich bei unserer Tochter noch großen Wert auf eine perfekte Erstausstattung, inklusive Kinderwagen, Kinderbett und Schnuller legte, weiß ich heute, dass dieses Equipment bei manchen Kindern zwar eine hilfreiche Unterstützung sein kann,  die meisten Babys aber gut ohne all diese Dinge auskommen. Denn was unsere Kinder wirklich brauchen, ist nicht materieller Natur. Babys fühlen sich dann geborgen, versorgt und sicher, wenn sie ausreichend Körperkontakt und Nahrung erhalten. Am besten rund um die Uhr so wie es aus dem Mutterleib kennen.

Unwissend wie ich war, versuchte ich meine Tochter (heute 3,5 Jahre) in den ersten Wochen immer wieder in ihr Bettchen oder tagsüber in den Kinderwagen zu stecken, statt sie auf den Arm zu nehmen. Ich versuchte sie mit dem Schnuller und wippend auf einem Petzi-Ball zu beruhigen, anstatt sie einfach an der Brust einschlafen zu lassen. Ich machte ihr und mir das Leben unnötig schwer, weil ich mich damals von all den Ammenmärchen über das Verwöhnen beirren ließ. Weil ich fremden Leuten mehr glaubte, als meinem Herzen!

Es flossen damals viele, viele Tränen bei ihr und bei mir, bis ich endlich aufhörte mich durch die viele Kommentare verrückt machen zu lassen. Als ich begriff, dass es ok ist, unser Mädchen im Tragetuch zu tragen, sie nach Bedarf zu stillen und sie neben mir im Bett schlafen zu lassen, kehrte endlich Ruhe ein. Unser Mädchen beruhigte sich so viel schneller und ich fand inneren Frieden, weil ich tat, was sich gut für mich und mein Kind anfühlte.

 

Wenn ich unseren zufriedenen Buben heute betrachte, während er friedlich an meiner Brust schläft oder auf Papas Bauch, werde ich ein bisschen traurig, weil unser Mädchen nicht so einen sanften Start ins Leben hatte. Sie musste lautstark für ihre Bedürfnisse kämpfen und mir mit großem Protest zeigen, dass sie diejenige ist, auf die ich schauen und hören muss. Nicht mein Umfeld.

Glücklicherweise lernte ich sie zu verstehen und ich begriff (unter anderem mithilfe von Büchern), was sie braucht. Sie machte mich zu der Mutter, die ich heute bin und ihr Bruder darf das in vollen Zügen auskosten. Er darf Muttermilch trinken, wann er will und so viel er möchte. Ich nehme ihn auf in den Arm, wenn es ihm nicht gut geht. Ich trage, stille oder streichle ihn in den Schlaf und seine Schläfchen hält er vorzugsweise auf oder neben mir.

Unsere Tochter leistete gute Vorarbeit und jemand sagte zu mir, das erste Kind sei immer mutig zu kommen, denn es bringe seiner Mama das Muttersein erst bei! Es sei deshalb wichtig, sanft mit sich selbst zu sein, denn auch beim ersten Kind, versuche man ja schließlich sein Bestes zu geben. Wie wahr!

Und so zerbreche ich mir nicht weiter den Kopf über die Vergangenheit, denn sehr wahrscheinlich gäbe es auch bei dem dritten, vierten, fünften Kind verschiedene Dinge, die ich anders machen würde. Ganz einfach, weil man mit jedem Kind wächst und lernt und neue Erfahrungen sammelt….

Newsletter abonnieren

Jederzeit abbestellbar | Datenschutzerklärung

Das könnte Dir gefallen

 

Weitere Artikel von uns:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.