Schwanger sein

“Juhu, Hilfe! Ich bin schwanger!” – Zehn Monate Gefühlschaos


Schon immer war ich mir sicher: Eine eigene Familie und eigene Kinder, das ist es, was ich mir in meinem Leben wünsche. Der richtige Mann war an meiner Seite, wir zogen in die erste gemeinsame Wohnung und nach einigen Monaten war uns klar: Zu unserem vollkommenen Glück fehlt uns nur noch ein gemeinsames Kind.

Wie alles begann

Juli 2016. Familiär für mich kein einfaches Jahr. Ein lauer Sommerabend, an dem ich viele Tränen vergießen musste und der mir dennoch sehr in Erinnerung bleibt. Mein Freund und ich lagen im Bett, er nahm mich in den Arm, tröstete mich und sagte zu mir: “Wenn ich Dir so schon nicht helfen kann, dann möchte ich dir gern dabei helfen, eine eigene Familie zu gründen!” Auch er war also dazu bereit ein Kind zu bekommen.

August 2016. Nachdem wir viel über das Thema gesprochen haben, vor allem was das Finanzielle betraf, habe ich die Pille abgesetzt, die ich seit über 10 Jahren genommen hatte. Man sagt ja, wenn man lange die Pille nimmt, dauert es eine Weile, bis man schwanger wird. Natürlich war mir bewusst, dass diese Aussage nur ein Mythos ist, aber trotzdem hatte ich diese Aussage immer im Hinterkopf.

September 2016. Seit einem Zyklus nahm ich nun die Pille nicht mehr. Anfang September sind wir in den Urlaub in die Türkei geflogen und wie das so ist, braucht man vorher noch einige Sachen aus dem Drogerie- Markt. Mir war klar, dass ich im Urlaub theoretisch meine Regel bekommen müsste, hoffte aber natürlich, dass diese ausblieb. Aber wer wird schon direkt beim ersten Mal schwanger!? Zur Sicherheit kaufte ich im Drogerie-Markt einen Schwangerschaftstest, denn man weiß ja nie.

Wir flogen also in den Urlaub und tatsächlich blieb meine Regel aus. Eine Woche nach Ausbleiben der Regel, machten mein Freund und ich am frühen Morgen den Test. Ich nahm mir einen Becher, mit dem ich etwas Urin aufgefangen habe und tauchte den Schwangerschaftstest ein. Laut Packungsanleitung sollten wir nach drei Minuten das Ergebnis ablesen können. Ich sag Dir eins, diese drei Minuten waren die längsten in meinem Leben. Nach exakt zwei Minuten und 59 Sekunden schauten wir auf den Test, er zeigte nur eine Linie, negativ. Wir nahmen uns in die Arme und es war für uns beide okay. Ich ging wieder ins Bad zurück, machte mich für den Tag zurecht und schaute einige Minuten später nochmal auf den Test. Plötzlich war eine ganz schwache zweite Linie zu erkennen. Ich rief meinen Freund ins Bad, zeigte ihm den Test und wir mussten beide lachen. Die Situation war so verrückt, dass wir uns noch den ganzen Tag kopfschüttelnd und bis über beide Ohren grinsend anschauten und unser Glück nicht fassen konnten.

Eine weitere Woche später, zurück in Deutschland, hatte ich endlich einen Termin bei meiner Frauenärztin, die mir die Schwangerschaft bestätigte. Ich war also tatsächlich in der 5. Woche schwanger. Auf dem Ultraschallbild war eine kleine Fruchthöhle zu sehen, was mir die Tränen in die Augen steigen ließ. Juhu- Ich bin schwanger!

Das 1. Trimester – Zwischen Angst und Freude

Direkt an dem Tag, als die Schwangerschaft vom Arzt bestätigt wurde, erzählten wir unseren Eltern und Geschwistern davon. Wir waren so aufgeregt und voller Freude, dass wir es nicht für uns behalten konnten. Auch unsere Familien haben sich so sehr gefreut und waren stolz, endlich Großeltern, Tante und Onkel zu werden.

Nachdem die ersten Wochen vergangen waren, wurde mir immer bewusster, was sich für mich als Frau alles verändern wird. Auf der Arbeit musste ich von meiner Schwangerschaft erzählen, denn bald war es damit für die nächsten zwei Jahre, in denen ich in Elternzeit gehen würde, vorbei. Auch meinem Hobby, dem Handball spielen, konnte ich nicht mehr nachgehen. Diese beiden Veränderungen waren in der Zeit der Hormonumstellungen ziemlich belastend für mich. Hinzu kam die Angst, das Kind in den ersten 12 Wochen zu verlieren, denn diese Zeit gilt als riskanteste Zeit. Dies alles war geistig so anstrengend, dass sie mich einige Tränen gekostet hat. Dennoch fieberte ich jedem Arzttermin mit riesen Freude entgegen und jeden Tag schaute ich auf meinem Handy in einer Schwangerschafts-App, wie sich ein Embryo in dieser Phase entwickelt.

Das 2. Trimester – Schaut alle her, ich bin schwanger!

Inzwischen war die riskante Zeit überstanden. Alle Vorsorgeuntersuchungen waren sehr gut und auch mit Übelkeit o.ä. hatte ich keine Probleme. Am schönsten in dieser Zeit fand ich meinen immer größer werdenden Bauch. Ich machte Bilder und freute mich über jede noch so kleine Veränderung an meinem Körper, denn es zeigte mir, dass ein Mensch in mir heran wuchs. Auch die Gewichtszunahme machte mir nichts aus, ich fühlte mich rundum wohl. Bis mir bewusst wurde, dass mein Freund und ich im März heiraten. Im Januar 2017 ging es zur Anprobe des Hochzeitskleides. Ein wundervolles Schwangerschaftskleid habe ich mir ausgesucht, in dem mein Bauch toll zur Geltung kam und den ich schließlich stolz präsentieren wollte. Von da an nahm ich mir vor, auf meine Ernährung zu achten, damit ich zur Hochzeit in der 32.Woche noch in das Kleid passte.

Das 3. Trimester – Endlich ein Ende in Sicht!

Inzwischen waren es 17 Kg mehr auf der Waage, dennoch passte das Hochzeitskleid perfekt und es war der Erste Schritt zur eigenen kleinen Familie. Was das Thema Gewicht anging, machte ich mir von nun an keine Gedanken mehr. Ich hatte andere Sorgen. Der Geburtsvorbereitungskurs, der einem eigentlich die Angst vor der Geburt nehmen soll, begann. Dies ging bei mir nur deutlich nach hinten los. Zum ersten Mal erfuhr ich, wie die Geburt ablaufen könnte und welche Schmerzen auf mich zukommen.

Die Wochen vergingen und ich kämpfte immer häufiger mit Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen in den Fingern, Beinen und Füßen und nicht zuletzt dem immer größer werdenden Bauch. Nicht einmal mehr meine Socken und Schuhe konnte ich mir alleine anziehen. Nächtliche Toilettengänge sowie Schmerzen in der Hüfte ließen mich in den letzten Wochen der Schwangerschaft kaum schlafen. Ich zählte die Tage bis zum errechneten Geburtstermin, denn es wurde alles so beschwerlich, dass selbst die Angst vor der Geburt in den Hintergrund rückte. Hinzu kam die Spannung und Vorfreude auf dieses kleine Wunder in mir. Ich wünschte mir nichts mehr als endlich unser kleines Mädchen in den Armen zu halten.

Einen Tag nach dem errechneten Geburtstermin machte sich die Kleine auf den Weg und so sitze ich nun hier – mein kleines Mädchen, heute zwei Wochen alt, liegt neben mir auf dem Sofa, hat die Augen zu und schläft friedlich.

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