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Doppeltes Glück? Das solltest Du bei einer Zwillingsschwangerschaft wissen

In den ersten Wochen meiner Schwangerschaft hatte ich mit sehr starker Übelkeit zu kämpfen. Mein Mann neckte mich in dieser Zeit häufig damit, dass ich bestimmt Zwillinge bekäme und deshalb besonders viel vom Schwangerschaftshormon HCG hätte, das angeblich die Übelkeit verursacht. Für mich war das eine Horrorvorstellung, eine Zwillingsschwangerschaft. Aber es gibt auch Menschen, die sich das wünschen. Denn Zwillinge haben eine ganz besondere Verbindung, die bereits im gemeinsamen Mutterleib beginnt. Doch auch die für die Mutter ist eine Zwillingsschwangerschaft eine ganz außergewöhnliche Situation.

Wie entsteht eine Zwillingsschwangerschaft?

Durchschnittlich liegt die Häufigkeit einer Zwillingsschwangerschaft bei 3,5%, d.h. 35 von 1.000 Schwangerschaften sind keine Einlingsschwangerschaften. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zwillingsschwangerschaft nicht für jede Schwangere gleich hoch: Folgende Faktoren begünstigen eine Zwillingsschwangerschaft:

  • Schwangere ist älter als 35
  • Hormonbehandlung zur Fertilitätssteigerung
  • künstliche Befruchtung
  • Schwangere hat bereits Kinder geboren
  • genetische Disposition zu Mehrlingsschwangerschaften

Biologisch gesehen gibt es zwei Arten von Zwillingen: Eineiige und zweieiige Zwillinge. Wenn sich die bereits befruchtete Eizelle vor der Einnistung in die Gebärmutter teilt, können daraus eineiige Zwillinge entstehen. Beide Zellen enthalten dann die exakt gleiche DNA und beide nisten sich – in der Regel in eigenen Fruchthöhlen – in der Gebärmutter ein. Sie haben immer beide das gleiche Geschlecht und sehen auch fast identisch aus, weil sie aus derselben Zelle entstanden sind.

Zweieiige Zwillinge enstehen, wenn nicht nur eine, sondern zwei Eizellen beim Eisprung reifen und befruchtet werden. Beide haben eine eigene DNA, nisten sich getrennt voneinander in der Gebärmutter ein. Die Kinder können dasselbe oder verschiedene Geschlechter haben und sehen sich nicht ähnlicher, als normale Geschwisterkinder.

Wie verläuft eine Zwillingsschwangerschaft?

Der Gynäkologe kann eine Zwillingsschwangerschaft etwa ab der 6. Schwangerschaftswoche auf dem Ultraschall sehen. Weil in einem so frühen Stadium der Schwangerschaft selten beide Embryonen auf den ersten Blick erkennbar sind, sucht der Arzt bei den ersten Ultraschalluntersuchungen gezielt nach einer Mehrlingsschwangerschaft. Bei einer früh festgestellten Zwillingsschwangerschaft kann es allerdings jederzeit zum Vanishing Twin Syndrom kommen: Im frühen Stadium entwickelt sich oft ein Zwilling nicht weiter und als Mutter fühlt man sich dann, als hätte man etwas verloren.

Die Entwicklung der beiden Embryonen verläuft in denselben Schritten wie bei einer Einlingsschwangerschaft – nur eben doppelt. Der Körper der Mutter muss jetzt zwei heranwachsende Föten mit Nährstoffen, Sauerstoff und Platz versorgen. Das hat auch Auswirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft. Eine Zwillingsschwangerschaft dauert in der Regel maximal 37 Wochen, wobei eine Frühgeburt wahrscheinlicher ist, als bei einer Schwangerschaft mit nur einem Kind. Während das Ende einer regulären Schwangerschaft medizinisch nach 40 Wochen angedacht ist, sollte eine Zwillingsschwangerschaft also nur bis zur 37. SSW dauern. Danach ist die Gefahr einer Unterversorgung der Babys zu groß. Wenn bis zur 38. SSW keine Geburtswehen eingesetzt haben, wird die Geburt einer Zwillingsschwangerschaft in der Regel eingeleitet.

Als Schwangere selbst festzustellen, dass man zwei Babys erwartet, ist schwierig. Denn die Symptome einer Zwillingsschwangerschaft sind nicht verschieden von Beschwerden in einer “normalen” Schwangerschaft – nur eben wahrscheinlicher und unter Umständen heftiger. Der Bauch wächst etwas früher, als bei nur einem Baby und oft nimmt die Mutter mehr Gewicht zu – schon alleine, weil alles doppelt vorliegt: zwei Kinder, zweimal zusätzliches Blut, zweimal Plazenta. In den ersten Wochen der Schwangerschaft kann verstärkte Übelkeit auftreten. Auch Bluthochdruck, Blutungen oder Schwangerschaftsdiabetes sind nicht unüblich.

Deshalb wird eine Zwillingsschwangerschaft auch immer als Risikoschwangerschaft eingestuft. Auch die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen oder eine Frühgeburt ist leicht erhöht. Natürlich heißt das nicht, dass Zwillingseltern die Schwangerschaft nicht auch ohne jegliche Komplikationen durchleben können. Trotzdem werden alle Zwillingsschwangerschaften durch häufigere Vorsorge beim Arzt überwacht, auch die Ultraschalluntersuchungen sind häufiger. Eine Geburt sollte aus Sicherheitsgründen immer in einer Klinik stattfinden. Häufig benötigen Frauen für eine natürliche Geburt von Zwillingen wehenfördernde Mittel, da die Gebärmuttermuskulatur stark gedehnt und daher möglicherweise erschöpft ist. In bestimmten Fällen raten die Ärzte auch zu einem geplanten Kaiserschnitt in der 38. SSW.

Was ist anders an einer Zwillingsschwangerschaft?

Wenn bei Dir eine Zwillingsschwangerschaft festgestellt wurde, ist das kein Grund zur Panik. Natürlich sind zwei Kinder anstrengender als eins. Allerdings gilt das häufig nur im Säuglingsalter. Später beschäftigen sich die beiden möglicherweise wunderbar gegenseitig – mehr als Geschwisterkinder, die nicht im selben Alter sind. Sobald die beiden also krabbeln können, sollte es wieder einfacher werden. In der Zwischenzeit helfen vielleicht Verwandte und Freunde gerne mal aus, um Dich zu entlasten. Auch vom Staat gibt es viele Angebote und Hilfestellungen – es lohnt sich, sich noch vor der Geburt schlau zu machen.

Ansonsten solltest Du Dir klar machen, dass Dein Körper stärker beansprucht wird, weil er für zwei wachsende Babys sorgen und sie unterbringen muss. D.h. das Bindegewebe und Beckenboden werden stärker beansprucht, Nährstoffreserven schneller aufgebraucht. Auch Muskeln, Gelenke und Skelett müssen einer stärkeren Beanspruchung standhalten. Es ist also ganz normal, dass Du noch schneller müde bist, als in einer normalen Schwangerschaft und mehr Ruhe und Unterstützung brauchst. Achte darauf, genug zu trinken und Dich ausgewogen zu ernähren.

Auch wenn kleinere Wehwehchen in jeder Schwangerschaft ganz normal sind, solltest Du im Zweifel lieber einen Arzt aufsuchen. Denn das Risiko ernsthafter Komplikationen ist mit Zwillingen höher.

Auch im Bezug auf die gesetzlichen Regelungen zum Mutterschutz gibt es Besonderheiten. Wie bei allen Schwangeren beginnt der Mutterschutz sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin. Der Entbindungstermin einer Zwillingsschwangerschaft wird aber drei Wochen früher angesetzt, als bei einer Einlingsschwangerschaft. Nach der Geburt hat die Mutter nicht nur acht, sondern zwölf Wochen gesetzliche Mutterschutzfrist. Denn eine Zwillingsschwangerschaft und -geburt ist für den Körper viel anstrengender. Auch die ersten Wochen und der Alltag mit zwei Neugeborenen stellt eine größere Herausforderung dar.

Einen Anspruch auf ein berufliches Beschäftigungsverbot ergibt sich aus einer Zwillingsschwangerschaft nicht. Es gelten dieselben Richtlinien wie für andere Schwangere. Wenn allerdings der Stress durch den Arbeitsalltag so groß wird, dass sich gesundheitliche Risiken für die beiden Ungeborenen ergeben, solltest Du dringend bei deinem Arzt nach einem individuellen Beschäftigungsverbot fragen. Das muss übrigens nicht bedeuten, dass Du gleich komplett zu Hause bleibst – es gibt auch ein Teilzeit-Beschäftigungsverbot.

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