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ADHS bei Kindern

Dein Kind hat einen hohen Bewegungsdrang, ist sehr laut und kann sich schlecht konzentrieren? Keine Sorge, in einem gewissen Maß ist das ein völlig normales Verhalten für ein Kind. Trotzdem wird ADHS bei Kindern immer häufiger diagnostiziert – nicht, weil es sich um eine Modeerscheinung handelt, sondern weil unsere Gesellschaft immer mehr über diese Krankheit weiß und wir immer sensibler auf die ersten Anzeichen reagieren.

Woran Du erkennst, ob Dein Kind unter ADHS leiden könnte und wie Du im Fall einer ADHS-Diagnose richtig handelst, erfährst Du hier.

Was ist ADHS bei Kindern?

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) gilt als angeborene, also genetisch veranlagte Verhaltensstörung. Ursache ist nach derzeitigem Stand der Forschung eine veränderte Informationsübertragung im Gehirn. Diese wird, soweit man weiß, nicht durch Erziehung oder das Verhalten der Eltern hervorgerufen und zeigt sich sehr früh im Leben. Negativ beeinflusst bzw. verschlimmert kann das Krankheitsbild aber durch ungünstige äußere Einflüsse werden, wie ungesunde Ernährung, hohen Medienkonsum oder emotionalen Stress.

Bekannt ist ADHS schon seit über 100 Jahren, trotzdem kennt bis heute niemand die genauen Zusammenhänge.

Dass ADHS bei Kindern nicht, wie es oft heißt, eine “Modeerscheinung” ist, zeigt sich unter anderem daran, dass ADHS bei Kindern weltweit in derselben Häufigkeit vorkommt. In der westlichen Welt besteht mittlerweile eine Sensibilität für die Problematik.

ADHS erkennen: ADHS Symptome bei Kindern

Die Psychologie kenne drei Hauptsymptome für ADHS, die in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit auftreten:

  • Hyperaktivität
  • Unaufmerksamkeit
  • Impulsivität

Allerdings kann die Erkrankung auch ohne eines der ADHS Symptome auftreten, nämlich ohne Hyperaktivität. Dann spricht man vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADS). Während ADHS bei Jungs häufiger vorkommt als bei Mädchen, kommt ADS bei Kindern jeden Geschlechts etwa gleich häufig vor. Das bedeutet, Jungs sind einfach nur häufiger “hyperaktiv”, als Mädchen. Je nach Auswertung sind bis zu 10% der Kinder einer Altersstufe von dieser Konzentrationsstörung betroffen.

ADHS SymptomBeschreibungDetails
HyperaktivitätKinder haben Schwierigkeiten, still zu halten und still zu sein. Das heißt, sie zappeln viel herum, müssen sich ständig bewegen, unterbrechen oft Gespräche und sind laut.klettert und rennt viel

kann nicht ruhig sitzen, zappelt mit Händen oder Füßen

kann nicht ruhig und leise spielen

wirkt wie ferngesteuert, "getrieben"

spricht und schreit viel
Unaufmerk-
samkeit
Kinder haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und zuzuhören, Aufgaben zu strukturieren und bis zum Ende durchzuführen.hört nicht zu

kann nicht bei einer Sache bleiben

kann eine Aufgabe nicht zu Ende erledigen

kann sich nicht selbst organisieren

ist leicht abzulenken
ImpulsivitätKinder sind ungeduldig, sprunghaft und unzuverlässig.unterbricht Gespräche

platzt mit Antworten heraus

kann nicht warten, bis er / sie an der Reihe ist

Die Symptome bei ADHS treten bereits im Vorschlualter erstmals auf. Allerdings ist es in diesem Alter auch ganz normal, dass Kinder eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben und viel Bewegung brauchen. Damit man sicher von einer ADHS Erkrankung ausgehen kann, müssen sie über einen längeren Zeitraum, d.h. mindestens 6 Monate auftreten. Denn ansonsten kann es sich auch einfach um eine Entwicklungsphase handeln.

Erste Anzeichen für ADHS treten oft schon im Säuglingsalter auf, wenn auch eine Diagnose erst später erfolgen kann. Spätere ADHS Kinder haben im Babyalter oft eine Regulationsstörung, d.h. sie sind sehr unruhig, schreien viel und schlafen schlecht. Manchmal lehnen sie Körperkontakt ab. Natürlich bedeutet das nicht, dass alle Babys mit Regulationsstörung später ADHS bekommen.

Im Kleinkindalter zeigen betroffene Kinder wenig Ausdauer beim Spielen, d.h. sie spielen nicht lange und konzentriert mit derselben Sache. Nicht zuletzt dadurch haben sie möglicherweise Probleme, Spielkameraden zu finden. Auch haben sie einen hohen Bewegungsdrang, führen die Bewegungen aber häufig nicht korrekt aus und verletzen sich dadurch schnell.

ADHS bei Schulkindern zeigt sich besonders deutlich, denn jetzt wird von ihnen verlangt, dass sie sich konzentrieren und länger bei einer Sache bleiben. Dass sie Aufgaben zuverlässig und in einer angemessenen Zeit erledigen. ADHS Kinder fallen so schnell als Problemkinder auf, die den Unterricht stören, unter Lernstörungen leiden und eine niedrige Frustrationstoleranz haben.

ADHS Diagnose

Es gibt keinen Labortest, nur vielschichtige psychologische Tests und Fragebögen. Die Diagnostik erfolgt durch einen Kinderpsychologen, Kinderpsychiater oder einen erfahrenen Kinderarzt. Diverse Online Selbsttests können zwar Hinweise liefern, aber niemals eine zuverlässige Diagnose.

ADHS Behandlung

Eine ADHS Therapie kann an verschiedenen Punkten ansetzten: Medikamentöse Behandlung mit Hilfe eines Psychiaters, eine Therapie mit einem Kinderpsychologen oder eine natürliche Behandlung von ADHS mit homöopathischen Mitteln.

ADHS Medikamente

Weil nach neuestem Forschungsstand die Ursache für ADHS eine neurologische ist, können entsprechende Medikamente weiter helfen, die die Neurotransmitter beeinflussen.

ADHS Medikamente machen, entgegen gängiger Vorurteile, nicht süchtig. Das am häufigsten verschriebene Medikament Methylphenidat (MPH) ist seit über 60 Jahren am Markt und entsprechend erprobt. Wie auch das andere Medikament gegen ADHS, Atomoxetin, reguliert es den Bewegungsdrang und die Unruhe des Kindes.

ADHS natürlich behandeln

Wer nicht gleich die “schweren Geschütze” auffahren möchte, kann zunächst versuchen, ADHS mit Homöopathie zu lindern. Während manche Kinder sehr stark auf homöopathische Mittel reagieren, sind sie bei anderen nahezu wirkungslos. Ein erfahrener Heilpraktiker oder speziell geschulter Arzt kann da weiterhelfen.

Der richtige Umgang mit ADHS Kindern

Diese Kinder benötigen mehr Unterstützung und Struktur in ihrem Alltag als manch anderes Kind. ADHS bedeutet nicht, dass aus einem Kind kein glücklicher Erwachsener werden kann. Es bedeutet lediglich, dass die Familie mit größeren Herausforderungen zu kämpfen hat. Für das Kind ist es wichtig, dass es nicht nur reglementiert wird, sondern in definierten Bereichen auch Verantwortung und Freiheiten übertragen bekommt. Für Eltern bedeutet das einen Spagat zwischen Fürsorglichkeit und Nachsicht auf der einen, Konsequenz und Struktur auf der anderen Seite. Denn damit sich ein Kind im Alltag zurechtfinden und eines Tages eigene Strukturen entwickeln kann, braucht es zunächst einen engen Rahmen an Vorgaben, Vorbildern und Regeln.

Auch Übungen zur Förderung der Konzentration bei Kindern sind sehr hilfreich. So erlernen Kinder eigene Strategien, um fokussiert zu bleiben.

Das Kind selbst muss lernen, mit seiner Besonderheit umzugehen und sie zu steuern. Hilfreich ist dazu ein gesundes Selbstbewusstsein und das Gefühl, geliebt zu werden. Negativ-Zuschreibungen und Bloßstellen vor anderen helfen dagegen wenig weiter. Stattdessen sollte man viel mit Lob und positiver Bestärkung arbeiten.

Die ganze Familie und das Umfeld müssen sich auf die neue Situation einstellen und lernen, bestmöglich damit umzugehen. Vor allem der Elternteil, der die meiste Zeit mit dem Kind verbringt, braucht deshalb regelmäßig Pausen, auch mal über mehrere Tage.

Wichtig ist, die Problematik nicht zu ignorieren. Sie kann Kinder in ihren Zukunftschancen und ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Ob allerdings eine ärztliche Behandlung sinnvoll und notwendig ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Denn die Krankheit kann verschiedene Ausprägungen haben — bei einer sehr milden Ausprägung kombiniert mit hoher Intelligenz des Kindes ist eine positive und altersgerechte Entwicklung nicht ausgeschlossen.

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