Mutter hält weinendes Kleinkind im Arm

Mein Kind möchte nicht in den Kindergarten!


So gut wie jedes Kind durchlebt irgendwann die Phase einfach nicht in den Kindergarten gehen zu wollen. Viele Eltern sind verzweifelt und wissen einfach nicht, was sie tun sollen, denn sie wollen ihr weinendes Kind nicht so ohne Weiteres zurück lassen. Heute möchte ich euch ein paar hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben, beruhend auf meinen Erfahrungen als Erzieherin im Kindergarten.

Morgens mehr Zeit einplanen

Kinder, die morgens liebevoll von ihren Eltern geweckt werden und noch gemeinsam mit ihnen frühstücken, kommen einfach ruhiger und entspannter am Kindergarten an und können sich leichter lösen. Sie hatten bereits ein paar Momente gemeinsam mit Mama oder Papa, wohingegen es Kindern, die morgens schnell fertig gemacht und schnurstracks in den Kindergarten gebracht werden, es sehr viel schwieriger haben. Natürlich ist das abhängig von der beruflichen Situation der Eltern, in vielen Familien ist es einfach nicht möglich. Wenn ihr aber die Möglichkeit habt, morgens eine halbe Stunde mehr einzuplanen, nutzt die Zeit, es lohnt sich!

Habt kein schlechtes Gewissen!

Viele Eltern plagt ein schlechtes Gewissen, wenn sie morgens den Kindergarten erreichen. Sie sind aufgewühlt, weil sie genau wissen, was ihnen gleich bevor steht: Sie müssen ihr weinendes Kind „zurücklassen“. Diese mütterlichen oder väterlichen Gefühle sind ganz normal und ja eigentlich auch gut so. Allerdings spüren die Kinder sofort, wie Mama und Papa sich fühlen und umso schwerer fällt es ihnen. Dass sich die Unsicherheit von Mama oder Papa auf das Kind übertragen, ist evolutionär angelegt und lässt sich leider nicht verhindern. Aber liebe Eltern, lasst euch gesagt sein: in den meisten Fällen hören die Kinder auf zu weinen, sobald Mama oder Papa außer Sichtweite sind und finden ins Spiel mit den anderen Kindern. Deshalb ist es sinnvoll, sich als Mama oder Papa positiv auf den Kindergarten einzustellen, denn den Kindern geht es gut dort und sie werden Spaß haben und tolle Dinge erleben. Mit dieser Einstellung kann sich das Kind gleich viel besser lösen.

Alles eine Phase

Wie vieles in der kindlichen Entwicklung ist auch dieser Trennungsschmerz oft nur eine Phase. Die wenigsten Kinder weinen ihre ganze Kindergartenzeit über. Oft sind dies Phasen, in denen die Eltern vielleicht selbst viel Stress oder Sorgen haben und sich einfach nicht so intensiv auf das Kind einlassen können, wie sie es sonst getan haben. Wenn es also mal ganz schlimm sein sollte, immer dran denken, dass auch das einmal vorüber geht.

Erzieher informieren und Absprachen treffen

Ein ganz wichtiger Punkt: Eltern und Erzieher müssen in diesen Situationen an einem Strang ziehen. Das Kind muss merken, dass es sich auf die Erzieher verlassen kann, denn Mama oder Papa tun das auch. Sinnvoll ist es das Gespräch mit der/dem Lieblingserzieher/in zu suchen, damit sie/er über mögliche Ursachen informiert ist und so ganz gezielt auf das Kind eingehen kann.

Vor allem aber sollte eine Absprache getroffen werden, die von beiden Seiten eingehalten wird, wenn das Kind morgens weint. Oft ist es nützlich einfach nur den Blickkontakt zu halten, sodass die Erzieher so schnell wie möglich eingreifen und das Kind übernehmen können. Der Abschied sollte immer so kurz wie möglich gehalten werden. Redet ruhig mit den Erziehern über eure Sorgen, ihr werdet nicht auf Unverständnis stoßen.

Rituale einführen

Täglich wiederkehrende Rituale helfen den Kindern ungemein, sich von den Eltern zu lösen: Vom klassischen Winken am Fenster bis hin zum Mama und Papa „Rausschmeißen“ darf alles dabei sein.

Ganz wichtig und ich meine wirklich wichtig ist die Regel: Unter keinen Umständen zurückkommen. Oft können Eltern – verständlicherweise – den Anblick ihres weinenden Kindes am Fenster nicht ertragen und kommen zurück, um noch einen letzten Kuss zu geben. Das Ganze kann aber sehr schnell alles noch verschlimmern. Die Kinder spüren in diesen Situationen nochmal deutlich, dass Mama oder Papa gar nicht wirklich wollen, dass sie im Kindergarten bleiben und werden unsicher. Hier heißt es: stark bleiben, die Zähne zusammen beißen und zur Arbeit fahren. Solltet ihr euch wirklich den ganzen Tag lang mit einem schlechten Gewissen plagen, ruft doch lieber mal im Kindergarten an und fragt, wie es eurem Kind geht. In den meisten Fällen werdet ihr hören: „Es ist alles in Ordnung, er/sie spielt in der Puppenecke.“

Nicht ohne mein Kuscheltier!

Kuscheltiere bewirken Wunder. Die kleinen plüschigen Freunde sind ein Stück Zuhause für unterwegs und können so gut trösten. Kleine Fotobücher, die vielleicht sogar mit Mama und Papa zu Hause gebastelt und gestaltet wurden, sind ebenfalls ganz tolle Dinge, aus denen die Kinder Kraft schöpfen und nicht mehr ganz so traurig sind. So können sie sich Mama, Papa und vielleicht auch Oma und das Geschwisterchen jederzeit anschauen. Viele Kinder zeigen es ganz stolz den anderen und finden so ins Spiel.

Zeit beim Abholen lassen 

Der Kindergarten ist vorbei und Mama ist endlich wieder da! Aber lasst euch Zeit beim Abholen. Fragt, was eure Kinder tolles erlebt haben und lasst euch ihre tollen Kunstwerke oder die Lieblingssandburg zeigen. Vermittelt eurem Kind, dass ihr stolz seid, dass sie so tolle Dinge im Kindergarten gemacht haben. Ihr werdet staunen, wie gern sie dann am nächsten Tag wiederkommen.

Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen Tipps ein wenig weiterhelfen. Ich wünsche euch viel Kraft und starke Nerven.

Ganz liebe Grüße!

Nina

 

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