Die Rolle der Väter in der Stillzeit


Dass ich meine Kinder stille, bzw. dass ich sie weit über den 6. Lebensmonat hinaus und mit aller Selbstverständlichkeit stille, haben sie nicht nur mir, sondern auch Thomas’ Unterstützung und Hilfe zu verdanken.

Aller Anfang ist schwer

Thomas war kurz nach der Geburt unserer Großen (2011) ziemlich durcheinander und verunsichert. Er kniete sich mehr in seine selbstständige Arbeit hinein, schließlich wollt er gut für uns sorgen. Gleichzeitig fragte er sich, wie er sich mit dem Baby beschäftigen bzw. wie er mir den (Still-)Alltag erleichtern kann. Wir brauchten ein paar Tage und Überlegungen, bis wir uns neu sortiert und einen für alle Familienmitglieder vernünftigen Kompromiss fanden. Dabei stand die gemeinsame Zeit im Vordergrund, zu Gunsten dieser schnallten wir den Gürtel recht eng.

Hilfe im Haushalt

Da ich mich aufgrund der schlimmen Verletzungen (Risse 3. Grades) kaum bewegen konnte, half es mir ungemein, dass Thomas sich ums Kochen, die Wäsche und um die Einkäufe kümmerte. Ich lag währenddessen nur im Bett und ließ mich bedienen. Für ihn und mich eine ungewohnte Umstellung, aber nur so konnte ich ausreichend Kraft und Energie tanken. Nur durch diese Bettruhe gelang es mir, mich voll und ganz auf das neue Leben und das Stillen zu konzentrieren.

Bindung zum Baby aufbauen

Doch ich ließ den armen Kerl natürlich nicht nur den Haushalt machen, während ich mich mit dem Mädchen ins Wochenbett kuschelte. Nein, nein. Thomas war ganz verliebt in sie und uns beiden war es wichtig, dass auch er eine warmherzige Beziehung zu ihr aufbaut, was ihm auf verschiedenen Wegen gelang.

Manchmal lagen wir zu dritt im Familienbett. Dann wiederrum übernahm er das Wickeln und Waschen und schmuste in dieser Zeit intensiv mit seiner Kleinen. Er ging mit ihr zur Babymassage, wo sie viele Streicheleinheiten von ihm erhielt. Am meisten aber genoss Thomas es, sie im Tragetuch zu tragen. Glücklicherweise war er vom ersten Augenblick offen dafür und so war auch er in der Lage, ihr jeden Tag ein paar Stunden warmen, ausgiebigen Körperkontakt zu ermöglichen.

Bejahende Einstellung

Dass ich das Mädchen in regelmäßigen, kurzen Abständen stillte (in den ersten Wochen trinken Neugeborene etwa 8-12 Mal innerhalb von 24 Stunden), machte ihm nichts aus. Im Gegenteil war er immer darauf bedacht, dass es ihr gut geht und wir so schnell und so gut (natürlich) wie möglich auf ihre Bedürfnisse reagieren.

Für mich war seine Einstellung zum Stillen selbstverständlich, doch bei meiner Arbeit als Stilberaterin merkte ich, dass viele Partner eifersüchtig auf das neue Baby reagieren oder gar Besitzansprüche an die Brüste ihrer Frau stellen. Eine negative, verurteilende oder fordernde Haltung führt allerdings häufig dazu, dass Mütter vorzeitig abstillen. Väter sind sich in der Regel dieser Auswirkung ihrer Äußerung nicht bewusst. Doch ihr Verhalten hat großen Einfluss darauf, ob und wie lange eine Frau stillt.

Mut zusprechen

Thomas befürwortete nicht nur das Stillen, er baute mich sogar wieder auf, wenn ich zu viel Gegenwind von außen erhielt. Wenn ich in Situationen geriet, in denen ich mich wegen des langen Stillens (nach dem 1. Lebensjahr), beispielweise vor den Schwiegereltern, rechtfertigen musste. Dann erinnerte er mich daran, warum das Stillen immer noch von Wichtigkeit für das Mädchen ist. Dann gab er mir genug mentale Unterstützung, um weiterzumachen und nicht an unserem Stillweg zu zweifeln.

Informationen für Mütter UND Väter

Wer gut informiert ist, stillt in der Regel besser und auch länger. Doch leider kursieren über das Stillen mehr Ammenmärchen und Halbwahrheiten, als fundiertes Wissen. Mittlerweile gibt es viele Angebote und Informationen für Mütter, aber gerade weil der Einfluss der Partner so bedeutend ist, ist Stillen eben nicht nur Frauensache.

Bei uns reichte es, dass ich mir Lektüre zum Stillen durchlas und Thomas mit den wichtigsten Fakten versorgte. Anderen Vätern ist es vielleicht lieber, wenn sie von Stillberaterinnen, Hebammen oder anderen erfahrenen Vätern hören, was es über das Stillen zu wissen gilt. Aber ganz davon abgesehen ist entscheidend, dass beide Partner gemeinsam über ihre Gefühle bzw. Gedanken reden, egal wie komisch sie ihnen vorkommen!

Stillen? Selbstverständlich!

Bei der Geburt des Buben im November 2014 war uns klar, dass auch er sich nach Herzenslust den Bauch mit Muttermilch vollschlagen darf. Thomas war zwar manches Mal frustriert, wenn der Knabe bei ihm weinte und dann an meiner Brust schnell Beruhigung fand. Jedoch genießt er die Tragezeit mit dem Kleinen in vollen Zügen, wohl auch, weil er sich bewusst ist wie schnell diese kostbaren Kuschel-Momente vergehen.

Schlussgedanke

Thomas kann unseren Kindern zwar nicht die Brust geben, aber er versorgt sie mit Liebe und hilft mir, wenn ich ihn brauche. Ich wünschte, dass alle Frauen, die stillen möchten solch liebevolle und fürsorgliche Hilfe von ihrem Partner erhalten. Denn “auch Väter können […] stillen – vielleicht nicht Babys Hunger auf Muttermilch, dafür aber den Hunger nach väterlicher Liebe und Zuwendung und den Hunger der Partnerin nach Anerkennung und Unterstützung” (Arbeitsgemeinschaft freier Stillgruppen).

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