Warum Langzeitstillen nicht die Ausnahme sein sollte

Warum Langzeitstillen nicht die Ausnahme sein sollte


Viele der Mütter in meinem direkten Umfeld stillen oder haben gestillt. Allerdings erwarten dann die meisten von ihren Babys, dass sie ab einem Alter von 6-12 Monaten statt Muttermilch auf Brei und / oder Fläschchen umsteigen. Warum ich das nicht möchte und warum “Langzeitstillen” meiner Meinung nach eine gute Sache ist.

Stillen in Deutschland

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfiehlt, dass Mütter 6 Monate voll, also ausschließlich, stillen und danach neben der Beikost noch mindestens bis zum zweiten Lebensjahr des Kindes. So ist eine gesunde Entwicklung und ausreichende Versorgung mit allen nötigen Nährstoffen gewährleistet. Die Realität in Deutschland spricht leider eine andere Sprache: Etwa 30% der Mütter stillen weniger als die empfohlenen 6 Monate voll, d.h. sie führen die Beikost bereits früher ein. Weniger als 8% stillen überhaupt länger als ein Jahr (vgl. Homepage des AFS) und nur ca. 1% länger als zwei Jahre.

Was spricht gegen langes Stillen?

Stillen, und vor allem Langzeitstillen, scheint in Deutschland also ziemlich unbeliebt. Das mag unter anderem an den vielen Gerüchten liegen, die sich zum Thema Stillen hartnäckig in unseren Köpfen festgesetzt haben. Dass das Kind z.B. nach 6 Monaten von der Milch nicht mehr satt werde; dass es durchschlafen würde, wenn es einen Abendbrei bekäme; oder dass ein Eisenmangel drohe, wenn nicht zusätzlich Brei gefüttert werde. Tatsächlich ist es so, dass die Muttermilch um ein Vielfaches nahrhafter ist als jeder Brei, den wir kochen oder kaufen. Wer sich also Sorgen macht um Baby’s Gewichtszunahme, ob es satt wird und ob es alle Nährstoffe hat, die es braucht, der sollte erst recht länger stillen.

Das einzige wirkliche “Gegenargument” ist unter’m Strich unsere Gesellschaft. Denn welche stillende Mutter hat nicht nach kürzester Zeit schon diese Frage gehört: “Stillst du noch?” Noch. Schon alleine dieses Wort suggeriert, dass dieser Zustand wohl länger als gewöhnlich wäre bzw. ein Abstillen zu jedem Zeitpunkt denkbar und normal. Tatsächlich braucht man als Langzeit-Still-Mama also ein richtig dickes Fell gegen doofe Fragen, Kommentare und Blicke.

Was spricht für langes Stillen?

Doch wenn man sich einmal die Vorteile vor Augen hält, lohnt sich dieses dicke Fell vielleicht. Denn offensichtlich entspricht es der Natur des Säuglings, mehrere Jahre gestillt zu werden. Nach antropologischen Erkenntnissen liegt das natürliche Abstillalter, je nach Kind, zwischen 2,5 und 7 Jahren. Das erkennt man auch daran, dass das Saugbedürfnis nicht nach ein paar Monaten, sondern erst nach einigen Lebensjahren nachlässt. Ein Abstillen nach 6 Monaten ist also unnatürlich.

Die Muttermilch bietet nicht nur in den ersten Monaten eine gute Unterstützung für das Immunsystem, vor allem im zweiten Lebensjahr ist die Konzentration an Antikörpern in der Muttermilch extrem hoch. Das kann z.B. KiTa-Kindern vor lästigen Infektionen schützen.

Der Faktor, der für mich am meisten zählt: es tut meinem Baby gut. Immerhin ist Stillen nicht nur Nahrungsaufnahme, sondern auch und vor allem eine Form von Nähe und Geborgenheit, die ich ihm anders schwer geben kann. Durch diese Nähe kann mein Kleiner eine sichere Bindung aufbauen und genug Selbstbewusstsein entwickeln, um später alleine die Welt zu erkunden. Und wenn ihm doch mal etwas zu viel wird, wenn er sich verletzt hat oder krank ist, oder einfach nur zu lange von mir getrennt war, habe ich mit dem Stillen sozusagen ein Allheilmittel, das ich ihm gerne länger als ein paar Monate seines Lebens bieten möchte. Es wird noch früh genug der Moment kommen, an dem die Nähe zu seiner Mama ihm, vor allem in der Öffentlichkeit, unangenehm ist und er mich einfach nicht mehr so sehr braucht. Bis dahin möchte ich die Zeit noch genießen.

Nicht zuletzt hat das lange Stillen dann auch für mich zwei unschlagbare Vorteile: ich brauche mir nie Sorgen um meine Figur machen, zumindest nicht, dass ich in die Breite gehe. Vielmehr kann ich Tag für Tag so richtig “reinhaun” und einen Teil der Kalorien gebe ich ohnehin wieder an ihn ab. Zum anderen scheint es so, dass meine Histaminintoleranz genau so lange ‘Pause’ macht, wie ich häufig stille. Ein Traum.

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2 Kommentare zu “Warum Langzeitstillen nicht die Ausnahme sein sollte

  1. Ich habe auch 1,5 Jahre gestillt, was ok ist. Ich weiß aber nicht, ob ich es nochmal machen würde.Denn irgendwann ist die Mama wirklich ausgelaugt und starken Eisenmangel hatte mein Kleiner auch.Beim nächsten Kind werde ich nicht länger als 6 bis 9 Monate stillen.

    1. Hallo liebe Ela,

      ja, richtige Ernährung ist sehr, sehr wichtig beim Langzeitstillen. Das ist in meinem Artikel vielleicht etwas zu kurz gekommen. Ich bin mir sicher, deinem Sohn hat die Nähe trotzdem sehr gut getan!

      Liebe Grüße,
      Hanna

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