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Babyblues: Was kann ich dagegen tun?


Etwa drei bis vier Tage nach der Geburt setzt er meist ein, der sogenannte Babyblues. Aber was genau ist das denn eigentlich und wie unterscheidet sich ein harmloser Babyblues von einer beginnenden Wochenbettdepression?

Was ist die Ursache des Babyblues?

Hinter dem neudeutschen Begriff Babyblues steckt nichts anderes als der gute alte “Heultag”, den auch  unsere Mütter und Großmütter schon kannten. Einige Tage nach der Geburt findet im Körper der Frau ein massiver hormoneller Umbruch statt. Die Endorphine, die nach der Geburt in Mengen ausgeschüttet wurden und für Glücksgefühle und Dauerlächeln sorgten, sind langsam abgebaut, die Stillhormone übernehmen und bringen oft große Gefühle und auch das eine oder andere Tränchen mit.

Hinzu kommt, dass der Körper nach dem Abbau der Glückshormone Erschöpfung und Schmerzen wieder deutlicher erlebt, unruhige Nächte und wunde Brustwarzen werden nicht mehr so einfach weggesteckt, viele Frauen fühlen sich ausgelaugt, leer und am Rande ihrer Kräfte. Oft wird in diesen Tagen auch die Geburt noch einmal sehr präsent und es ist wichtig, mit dem Partner oder auch dem geburtshilflichen Team zu besprechen, was eventuell an negativen Gefühlen wie Angst, Unsicherheit,  Hilflosigkeit oder auch an Fragen übrig geblieben ist. Vielleicht tut das Sprechen darüber noch einmal weh, danach wird es aber mit Sicherheit besser sein.

Für gewöhnlich sind die ersten zwei Wochen nach der Geburt die tränenreichsten, was nicht immer unbedingt mit Trauer oder Unglücklichsein gleichzusetzen ist. Vielmehr ist es eine emotionale, “weiche” Zeit, wo sämtliche Gefühle intensiver erlebt und oft eben auch intensiver nach außen getragen werden. So weinen viele Frauen auch, wenn sie ihr schlafendes Kind betrachten – aus Rührung, Dankbarkeit, Glück, Angst, Stolz…. In dieser Phase gibt es tausend Gründe und das ist völlig normal.

Was kann der Partner tun?

Der Partner kann das gleiche tun wie bei der Geburt – im Grunde gar nichts und doch ganz viel. Ihr könnt nichts tun, damit es aufhört, das müsst Ihr aber auch gar nicht, denn der Babyblues hört von alleine auf. Rationale Argumente wie “Es gibt doch keinen Grund zu heulen, wir haben ein gesundes Kind und alles ist gut” sind in der Regel eher kontraproduktiv, denn das weiß die Frau selbst. Sie kann ihre Gefühle nur eben nicht abstellen.

Das Wichtigste ist, dass Ihr in dieser Zeit für Eure Frau da seid. Sie verwöhnt und ihr zeigt, dass ihr sie liebt und stolz auf sie seid (was meistens mit Tränen der Rührung und Dankbarkeit quittiert wird). Ihr könnt mit ihr über die Geburt reden, Eure Gefühle dabei und wie ihr es erlebt habt. Und ihr könnt ganz praktisch dafür sorgen, dass sie sich auf sich und ihre neue Rolle konzentrieren kann, indem ihr Besucher abwimmelt, das Baby mal übernehmt, damit sie in Ruhe duschen oder schlafen kann und dafür sorgt, dass genug Essen im Haus ist.

Wann ist es mehr als nur Babyblues?

Eine wirkliche Wochenbettdepression ist Gott sei Dank etwas Seltenes. Hellhörig werde ich als Hebamme, wenn ich den Eindruck habe, dass die Frau sich oder ihr Kind vernachlässigt und die Tränen wirklich Traurigkeit ausdrücken, gepaart ist mit einer Antriebslosigkeit und Lethargie.  Manche erleben selbst Kleinigkeiten wie die eigene tägliche Körperpflege als unendlich anstrengend, zur Versorgung des Kindes fühlen sie sich zunehmend weniger in der Lage und selbst das Aufstehen aus dem Bett fällt schwer.

Auch irrationale Ängste oder Agressionen dem Kind oder auch Partner gegenüber können ein Anhaltspunkt sein. Häufig hat man als Hebamme Schwierigkeiten, eine Wochenbettsdepression frühzeitig zu erkennen, weil die Frau sich während des Besuches “zusammenreißt” und die Familie eventuelle Defizite aus falsch verstandener Loyalität oder falscher Scham deckt.

Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn man feststellt, dass man ein Problem hat, es ist nur schlimm, wenn man damit alleine bleibt, denn dann kann einem keiner helfen. Eine Wochenbettdepression ist gut behandelbar und je eher man die Diagnose stellen kann, desto schneller wird sich die Situation für alle verbessern. Also scheut Euch nicht, Eure Hebamme, Eure Frauenärztin oder auch Mitglieder Eurer Familie anzusprechen und um Hilfe zu bitten.

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