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Genderneutrale Erziehung: Rollenklischees und der Umgang mit Geschlechterstereotypen


Mein 4-jähriger Sohn liebt Pink, Glitzer und verkleidet sich gerne als Einhorn oder Pippi Langstrumpf. Er liebt seine langen Haare mindestens genau so wie Spiderman und Dinos. Vor allem seine Kleidungswahl wird oft belächelt und kommentiert. Sätze wie; “Du siehst ja aus wie ein Mädchen” gehören schon sein ganzes Leben zu seinem Alltag. Daher möchte ich heute mit Euch über eine genderneutrale Erziehung sprechen.

Immer noch beeinflussen veraltete Rollenklischees unser Denken, Handeln und die Erziehung unserer Kinder. Da wir selbst mit diesen Rollenbildern aufgewachsen sind, haben wir oft unterbewusst schon bestimmte Erwartungen an unsere Kinder, die mit ihrem Geschlecht zu tun haben – seien sie nun positiv oder negativ. Wie viel Sinn machen diese Klischees und warum sollte es das Ziel sein, diese zu durchbrechen?

Was ist eine genderneutrale Erziehung?

  • Dem Kind werden so wenig wie möglich Geschlechterklischees vorgelebt und beigebracht
  • Das Kind kann sich unabhängig von gesellschaftlichen Stereotypen entwickeln
  • Das Kind wird in keine Geschlechterrolle hineingezwängt
  • Es geht um Chancengleichheit, Toleranz und Respekt im Umgang mit Geschlechterrollen

Biologisches und soziales Geschlecht

Spricht man über das Geschlecht wird zwischen dem biologischen Geschlecht und dem sozialen Geschlecht, auch Gender genannt, unterschieden. Mittlerweile weiß man, dass die Erziehung ein Kind mindestens genau so stark prägt wie genetische Eigenschaften. Das soziale Geschlecht wird also durch äußere Einflüsse und Erfahrungen geprägt, die wiederum oft sehr stark von gesellschaftlichen Normen beeinflusst werden. Und hier setzt die geschlechtsneutrale Erziehung an, durch das Ausblenden von bestehenden Rollenklischees, können Kinder sich in ihrer Entwicklung frei entfalten, ohne durch gesellschaftliche Vorstellungen beeinflusst zu werden.

Rollenklischees schon im Babyalter

Schon in der Schwangerschaft scheint die Frage nach dem Geschlecht eine sehr wichtige Rolle zu spielen, denn kaum jemand kann sich die Frage danach verkneifen.

Als ich mit meinem Sohn hier in Indien schwanger war, habe ich gelernt, dass es in Indien eine Straftat ist, den Arzt nach dem Geschlecht des Kindes zu fragen. Aus dem traurigen Grund, dass weibliche Babys wegen der noch immer existierenden Mitgift, sehr oft mit allen Mitteln abgetrieben werden. An den Gedanken, das Geschlecht meines Kindes vor der Geburt nicht zu kennen, musste ich mich erst einmal gewöhnen und war ein bisschen traurig. Heute frage ich mich selbst, warum es mir damals so wichtig war.

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Nach der Geburt geht es weiter, denn meistens werden nicht nur das Zimmer und die Kleidung, sondern auch schon die Spielsachen der Babys farblich “passend” gewählt.

Und auf der anderen Seite sind auch die Rollen der Eltern direkt nach der Geburt leider immer noch sehr häufig klar verteilt. Auch wenn sich dies in den letzten Jahren langsam ändert, ist es immer noch zu oft die Mutter, die sich vorrangig um das Baby kümmert.

Der Umgang mit meinem Kind

Im Juni 2016 wurde mein Sohn geboren und das, obwohl ich immer mit einem Mädchen geplant habe. Trotzdem war ich natürlich sehr froh, aber aus einem reinen Frauenhaushalt kommend, dachte ich nur, dass ich doch gar nichts über Jungs weiß. Außerdem hatte ich, als alleinerziehende Mutter, Angst, dass vor allem einem Sohn die männliche Bezugsperson fehlen wird. Wer wird ihm denn nun Fußball spielen beibringen?

Schnell merkte ich, dass diese Ängste Quatsch sind, denn wir haben Sachen einfach zusammen gelernt und auch ich bin jetzt eine richtige Dinoexpertin.

Die genderneutrale Erziehung hat ihren Ansatz hierbei darin, dass Kinder ganz unabhängig von ihrem Geschlecht eigene Erfahrungen machen können und somit eigenständig Interessen entwickeln können.

Hier müssen wir als Eltern aktiv werden und Angebote für unsere Kinder schaffen, aus den sie selbst auswählen können. Dabei sollten wir vor allem auch darauf achten, dass den Kindern nichts aufgezwungen wird, sowohl “geschlechtstypische” Aktivitäten, Spielzeuge etc., aber eben auch nicht das Gegenteil. Es gibt eben nun mal Mädchen, die Pink einfach lieben und nur Kleider tragen möchten und mit Puppen spielen, und auch das ist natürlich völlig in Ordnung. Es ist nur wichtig, dass auch dieses Mädchen Zugang zu anderen Spielsachen, Kleidung etc. hat und sich eigenständig dafür entscheidet.

Eltern als Vorbilder

Neben der Aufgabe dem eigenen Kind alle Möglichkeiten geschlechtsneutral und aktiv zu präsentieren, sollten wir eben auch als Vorbilder agieren, damit Rollenklischees weiter aufgebrochen werden können. Es ist wichtig, dass das Kind sieht und versteht, dass nicht nur Mütter den Haushalt und die Kinderbetreuung übernehmen, oder nur der Papa immer Auto fährt und handwerkliche Tätigkeiten im Haus erledigt. Vor allem kleinere Kinder möchten in alle Aktivitäten mit einbezogen werden, und dabei sollte es egal sein, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist. Es sollte einfach normal werden, zusammen zu kochen, den Tisch zu decken, die Wäsche zu bügeln, ein Regal anzubringen und so weiter. Denn nur so lernen alle Kinder Eigenständigkeit. Es geht also darum, dass man den Kindern vorlebt, dass Geschlechterklischees sein können, aber nicht müssen und sich ständig verändern können.

Junge? Mädchen? Oder einfach nur Kind!

In der genderneutralen Erziehung geht man davon aus, dass es besonders wichtig ist, dass Kinder in ihrer Entwicklung nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden und  Erfahrungen unabhängig von ihrem Geschlecht machen können. Der Vorteil der genderneutralen Erziehung liegt dabei besonders darin, dass die Kinder sich frei, ihrer Persönlichkeit entsprechend, entfalten können. Wir fördern damit nicht nur ihre Eigenständigkeit, sondern auch ihr Selbstbewusstsein und die Fähigkeit eigene Entscheidungen zu treffen. Wir als Eltern haben die Aufgabe unseren Kindern zu erklären, dass es „typisch Mädchen“ oder „typisch Junge“ nicht gibt und müssen dies gleichzeitig vorleben.

Die genderneutrale Erziehung möchte, dass Offenheit, Toleranz und Gleichberechtigung im Vordergrund stehen und nicht die geschlechtsspezifischen Erwartungen der Gesellschaft.

Kinder für das Leben stärken

Leider ist es für so freie Kinder oft nicht leicht auch außerhalb der Familie so akzeptiert zu werden, vor allem dann, wenn die Interessen des Kindes nicht den Rollenklischees entsprechen. Die genderneutrale Erziehung kann zu Hause sehr gut funktionieren, aber verlässt das Kind diesen geschützten Raum, stoßen sie leider noch zu oft auf gefestigte Rollenmuster.

Wenn mein Sohn zum Beispiel mal wieder darauf besteht seine Einhornmütze und Glitzergummistiefel in den Kindergarten anzuziehen, kann das für ihn bedeuten, dass er von den Kindern als anders wahrgenommen, belächelt oder sogar ausgegrenzt wird. Die Jungs wollen dann manchmal nicht mit ihm spielen, weil er “Mädchenkram” mag und die Mädels wollen nicht mit ihm spielen, weil er ein Junge ist.

Genau für solche SItuationen müssen wir vor allem das Selbstbewusstsein unserer Kinder stärken und ihnen den vollen Rückhalt in der Familie geben. Ich muss meinen Sohn für solche Situationen stärken und ihn wissen lassen, dass er genau so perfekt ist.

Ich glaube mein Sohn hat dadurch schon mehr als einmal einen wichtigen Beitrag in seiner Kindergruppe geleistet, auch andere Kinder davon zu überzeugen, dass Mädchen und Jungen spielen sollten, was sie wirklich mögen. Und mittlerweile finden auch andere Jungs Einhörner “ganz cool”.

Aber auch Eltern stoßen bei der genderneutralen Erziehung leider immer noch viel zu oft auf Unverständnis. Sätze wie: “Ein Junge darf doch nicht mit Puppen spielen.” oder “Weißt du eigentlich, was Du Deinem Kind damit antust?” sind nicht selten. Wir müssen darauf vorbereitet sein, in solchen Diskussionen nicht den Mut zu verlieren.

Kritiker der genderneutralen Erziehung merken immer wieder an, dass das Geschlecht in unserer Gesellschaft ein Merkmal ist, durch welches Kinder sich identifizieren. Denn dadurch fällt es ihnen leichter sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen und eben nicht anders, als Außenseiter betrachtet zu werden, was für die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes durchaus wichtig ist.

Außerdem meinen Kritiker auch immer wieder, dass es wichtig sei, Kinder vor Spott und Ausgrenzung zu schützen, um ihre psychische Gesundheit nicht zu gefährden.

Fazit zur genderneutralen Erziehung

Als mein Sohn wegen seinen zwei Zöpfen immer wieder von einem befreundeten Vater, der übrigens eine Tochter hat, als „Mädchen“ betitelt wurde und mein Sohn daraufhin seine geliebten Zöpfe nicht mehr tragen wollte, fragte ich ihn, ob es denn schlimm wäre, ein Mädchen zu sein. Seine Antwort war, dass es eigentlich völlig egal ist, weil alle cool sind. Und den Vater fragte ich, warum er das Mädchen-Sein eigentlich als so negativ empfindet? Damit war jegliche Diskussion beendet.

Ich merke, wie mein Sohn und ich täglich an unseren Herausforderungen wachsen und selbstbewusster werden und ich hoffe, dass mein Kind nie das Gefühl haben wird, dass es sich verstellen oder verändern müsste.

Wie handhabt Ihr das: Versucht Ihr Euer Kind genderneutral zu erziehen, vielleicht auch nur teilweise? Wie sind Eure Erfahrungen damit? Wir freuen uns über Eure Kommentare zur geschlechtsneutralen Erziehung in den Kommentaren.

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3 Kommentare zu “Genderneutrale Erziehung: Rollenklischees und der Umgang mit Geschlechterstereotypen

  1. Ich zitiere die Verfasserin des Artikels:“Im Juni 2016 wurde mein Sohn geboren und das, obwohl ich immer mit einem Mädchen geplant habe.“

    Auf Grund dieser Tatsache kann ich nicht glauben, dass ihr eure Kinder nicht in irgendein Geschlecht „reinpressen“ wollt. Alleinerziehend, den Wunsch eines Mädchens und dann noch behaupten, dass ihr „geschlechtsneutral“ erzieht obwohl dein Junge zumeist als „Mädchen wahrgenommen wird“.

    Mir persönlich ist es egal wie ihr eure Kinder erzieht, aber ihr widersprecht euch doch komplett selbst. Es gibt eine Arte Dokumentation über einen Jungen der ein Mädchen sein will, selbes Muster wie das hier besprochene – nach ein paar Fehlgeburten „endlich“ ein Kind gekriegt „leider“ ein Junge… Da frage ich mich welchen Teil von „Konditionierung“ hier nicht verstanden wurde.

    Man fördert doch „intuitiv“ die Impulse der Kinder, sofern man bewusst erzieht – aber wenn der Junge mal kurz Ballett tanzen will und man ihm dann direkt ein rosa Röckchen kauft und beim Ballett Unterricht anmeldet, was soll dann passieren? In wie fern wird dann nicht das „mädchensein“ gefördert? Was ist daran dann genderneutrale Erziehung – ich verstehe es nicht. ( Also ich verstehe nicht was ihr daran nicht versteht, dass ihr nur EURE eigenen Interessen verfolgt. )

    Mein Sohn ist gerade 22 Monate, er liebt Bagger, er liebt Motorräder, er liebt Stöcke und Steine, Tiere und Bücher, seine Mama, seinen Papa seine Schwester und seine Familie – ich gehe mit ihm in den Wald, wir gehen spazieren, er wird noch gestillt, wir brauchen manchmal 2 Stunden um zum Spielplatz zu laufen der 200 Meter weit entfernt ist, er wird bedürfnisorientiert erzogen – von Mutter und Vater. Er ist ein Kind, Geschlecht männlich – er ist mein Sohn, ich nenne ihn Kumpel oder Freund, er erfährt von uns permanent die Zuneigung die ein Kind einfordert und er ist das Beste was mir bzw. uns passiert ist… Wir machen uns keine Gedanken um sein Geschlecht, er ist einfach ein Junge und fertig.

    Ich will niemandem zu nahe treten, aber ich denke, dass ihr einem Narrativ folgt und denkt, dass es nötig ist sein Kind „genderneutral“ zu erziehen, aber ist es das wirklich?! Ihr habt Vorurteile gegen eine, für euch „vermeintliche Normalität“ – ihr redet euch ein, dass „Normal“ nicht der neutrale Maßstab ist, ihr überfordert eure Kinder mit einer „Normalität in der es OK ist als Junge ein Mädchen zu sein oder als Mädchen ein Junge zu sein“ die sich bisher aber nicht bewährt hat.

    Ich will euch nicht beleidigen, aber ihr seid ja offensichtlich als alleinerziehende Mütter nicht in der Lage eine Beziehung zu führen in der es auf einem Geben und Nehmen beruht, in der Kompromisse eingegangen werden müssen um monogam zu leben – Vater Mutter Kind, was ist daran falsch. Vater und Mutter – was ist daran nicht OK? Mein Sohn, meine Tochter – was ist daran falsch?

    Egal, ich wünsche allen Beteiligten alles erdenklich Gute. Passt auf eure Kinder auf und behandelt sie gut, sie sind das größte Geschenk des menschlichen Daseins.

  2. Vielen Dank für die Einladung, hier mitdiskutieren zu dürfen!
    Gender Mainstreaming, das ist eine Bewegung, die sich der Diskriminierung von Gruppen bedient (Diskriminierung von Frauen in der Ausübung der Mutterrolle, von Jungen und der „traditionellen“ Familie mit überwiegend klassischen Rollenverteilungen, die eigentlich auch einen Platz in der Gesellschaft finden dürfen sollten). Da ich der Meinung bin, dass man nie über Diskriminierung zu Toleranz und Wertschätzung in der Gesellschaft gelangen kann, lehne ich alles was mit Gender zu tun hat, konsequent ab und versuche als Alleinerziehende einer jetzt 10 jährigen Tochter mein Kind vor solchen Manipulationen, ganz besonders in der Schule zu schützen. Fakt ist nämlich, dass es dem Kind heute in keiner Weise erlaubt ist, sich auch geschlechtsstereotypisch zu identifizieren und als Erzieherin habe ich den Auftrag, die Geschlechtsidentität eines Kindes aufzubrechen, sodass es eine Formbare bekommt. Das empfinde ich als Gewalttat und die Kinder, die ich betreue, können bei mir die Sicherheit erfahren, dass sie zu keiner Zeit auf irgendeine Weise in der Findung ihrer ganz persönlichen Identität gestört werden. Ich orientiere mich an den Interessen des Kindes, hinterfrage allerdings nicht, wie „von oben“ erwartet, meine Weiblichkeit, sondern lebe sie gerne und bin stolz. In der Aussage „Kinder sollten nicht auf ihr Geschlecht reduziert werden“ steckt auch gleich die Abwertung, dass ein Geschlecht negativ zu bewerten ist. Die Aussage vermittelt also, dass es keine Gleichwertigkeit der Geschlechter gibt. Ich persönlich finde toll, dass es den Mann gibt, der Dinge gern und gut macht, die ich nicht gern mache oder kann und ich würde nicht glücklich, wenn ich in VZ arbeite, während mein Mann die Babyjahre genießen kann (oder soll?). Meine Vorstellung von Familie wird hier gleich auch mal abgewertet, na toll! Ich meine, ich bin ja alleinerziehend, aber für mich funktioniert das System „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ dann ohnehin nicht. Nicht ohne Burn-out, Migräne und zum Nachteil meiner Tochter, der ich als Mama nur mit Mühe gerecht werden kann. Wer hat das für mich/für mein Kind entschieden? Ich nicht!
    Jedenfalls: Während meiner Ausbildung zur Erzieherin gab es zu der Thematik massenhaft diskriminierende Texte, was natürlich rechtswidrig war und der Lehrer/die Schule versuchte, die teilweise sehr jungen Schüler zu beeinflussen. An keiner Stelle wurde das Thema kritisch hinterfragt und jeder Ansatz wurde mit psychischer Gewalt niedergemacht. Dabei gab es sonst zu jedem Thema eine kritische Würdigung, merkwürdig! Ich benenne das ganz klar als Indoktrination und das lehne ich für mich (und mein Kind) entschieden ab und mach da einem Lehrer auch echt die Hölle heiß! Eltern sollten in so einem Fall andere Eltern aufmerksam machen, wenn das eigene Bauchgefühl wie verrückt Alarm schlägt. Aufmerksamkeit erregen ist immer eine tolle Sache, kann dann ja jede Familie für sich im Anschluss prüfen, wie sie mit dem Thema umgehen möchte.
    Ganz besonders schlimm fand ich übrigens, dass es eine besondere geschlechts- und geschlechterbewusste Jungenpädagogik gibt, mit der Erzieher arbeiten sollen, die dem Jungen klarmachen soll, dass er schon immer ein Problem für das weibliche Geschlecht darstellte und deswegen in Zukunft ein neues Bild von der Männlichkeit benötigt, welches jenseits des tradionellen Bildes liegt (schon wieder diskriminierend). Und auch in ihrem Text wird deutlich, dass Sie mit der Methode etwas erreichen wollen: Hier wäre es sinnvoll gewesen, dem Vater Grenzen zu setzen, indem Sie ihm DEUTLICH zu verstehen geben, dass Sie sein Verhalten ablehnen und nicht wünschen, dass Ihr Sohn von ihm nochmal diskriminiert wird. Es ist gut, dass ihr Kind merkt, dass jemand Schutz bietet. Ich bin mir zu 100 % sicher, dass der Vater das verstanden und berücksichtigt hätte. Stattdessen bedienen Sie sich selbst der Diskriminierung…. Diese Bewegung ist meiner Meinung nach ganz stark gesellschaftsgefährdend! Möchten wir eine tolerante, empathische, rücksichtsvolle und wertschätzende, zuverlässige Gesellschaft, dann sollten wir dem kleinen Kind das geben, was es in den ersten 3 Jahren wirklich braucht. Dies ist eine konstante, zuverlässige Bezugsperson, die den Bedürfnissen des Kleinkindes so oft wie möglich unmittelbar gerecht wird, sodass es eine Wirksamkeit und Sicherheit erfahren kann und warum soll diese Bezugsperson nicht die Mutter sein dürfen, zumindest dann, wenn sie es will. Dies ist absolut wichtig für die gesunde psychische Entwicklung des Kindes. (Aus Sicht der Erzieherin kann ich sagen, dass dies in Einrichtungen überhaupt nicht zu realisieren ist.) In dieser Zeit ist das oft befürchtete „Verwöhnen oder auch Verziehen“ des Kindes nicht möglich. Es lernt anschließend schrittweise mit Frustrationen umzugehen, sofern die Eltern dann Frustrationstoleranz üben.

    Gender, das ist eine Thematik, die Diskrimierung erzeugt, aber diese zeitgleich abschaffen will. Ich erkenne da keine Logik! Zudem kann ich die Kinder, die tatsächlich eine Geschlechtsidentitätsstörung entwickeln in keiner Weise dabei unterstützen, sich zu finden, wenn ich Dank Manipulationen der Spielecken und aller Kinder in der Gruppe nicht erkennen kann, welches Kind wirklich auf meine Unterstützung angewiesen ist. Leider geht an den meisten Eltern unbemerkt vorbei, was man mit der geschlechtsneutralen Erziehung wirklich erreichen möchte. Wer das Hintergrundwissen hat, weiß genau, dass es hierbei nur um striktes Aufbrechen von Geschlechterrollen geht, die Gesundheit der Kinder ist dabei unbedeutend. Ich würde hier allen Eltern raten, sich kundig zu machen und die Familie bestmöglich vor Manipulationsversuchen in Einrichtungen zu schützen. Hierzu kann man sich gerne mal staatlich finanzierte Handreichungen für Erzieher aus Netz als PDF runterladen. „Ene, mene, mu und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik“ ist so eine. Achtet auf das Bauchgefühl und darauf, dass in den Fallbeispielen nie deutlich wird, ob es sich um real Stattgefundene oder Konstruierte handelt. Tatsächlich wird man aber schnell als rassistisch, homophob oder undemokratisch abgestempelt, wenn man die Bewegung kritisiert und auch ich habe meine Vorgaben, wie ich mit kritischen Eltern umgehen soll. Somit lässt sich Druck aufbauen! Diese Manipulationstechnik nennt sich übrigens auch Gaslighting!
    Ich wirke dagegen: Ich bespreche mit meiner Tochter, die mittlerweile ein gutes Gespür für Manipulationen in TV und Schule entwickelt hat, sehr häufig was sie sich wirklich wünscht und im welcher Rolle sie sich wahrnehmen möchte und bestärke sie dann darin. Gerne hätte ich sie einfach Kind sein lassen, aber das war mir in Anbetracht der Umstände zu gefährlich! Ich habe überdies festgestellt, dass man schnell unreflektiert eine Haltung annehmen kann, die nicht in einem selbst entsprungen ist und bin froh, dies ich mir das rechtzeitig bewusst machen konnte, bevor ich etwas getan hätte, was meiner Tochter in ihrer Entwicklung Schaden zugefügt hätte. Ich hatte einfach Glück, dass es mir bewusst wurde! Ich finde, Familienarbeit ist kostbarer als Erwerbstätigkeit und bereue nicht, dass ich mir die Zeit genommen habe, meine Tochter bis zum Alter von 3 Jahren selbst zu betreuen.
    Die Eltern der heutigen Zeit müssen reflektiert und mutig sein, und ihren Kindern Zeit für Gespräche und Zuwendung bieten, um ein gutes Vorbild zu sein! Sie müssen lernen, sich abzugrenzen, damit die eigenen Kinder es auch lernen können!

    1. Liebe Sylvana,
      Du hast sehr deutlich gemacht, wie wichtig Dir dieses Thema bei der Erziehung Deiner Tochter und in Deinem Beruf als Erzieherin ist. Vielen Dank für Deinen engagierten Kommentar!
      Unsere Autorin erzieht ihren Sohn bewusst „genderneutral“. Diese Entscheidung bleibt letztlich jeder Mutter und jedem Vater selbst überlassen. Es ist schön, wenn der Beitrag unserer Autorin und auch Dein Kommentar zum Nachdenken anregen. Denn ein sachlicher Austausch kann unsere Leserschaft dabei unterstützen, ihren eigenen Erziehungsweg zu finden und ganz bewusst zu gestalten.
      Viele Grüße
      Jennifer vom Babyartikel.de Team

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