Mama von zwei Kindern


Es ist unfassbar, wie sehr so ein kleines, neugeborenes Baby ein bestehendes Familiengefüge auf den Kopf stellen kann – auch wenn es nicht das erste Kind ist.

Rein theoretisch ahnte ich, was auf mich zukommt. Ich wusste, dass die Nächte wieder kürzer werden und das Chaos zunächst größer. Ich rechnete auch damit, dass unser großes Mädchen mit gemischten Gefühlen auf ihr Brüderchen reagiert und dass wir etwas Zeit benötigen würden, um uns neu zu sortieren. Aber dass unser komplettes Leben Kopf steht und wir tagelang weinen, darauf war ich nicht vorbereitet.

Nach der Geburt fühlte ich mich zunächst so schlapp, dass ich mir wünschte eine Woche ohne Kinder zu sein. Mich ordentlich auszuschlafen und zu Kräften zu kommen. Denn meine Muskeln brannten von den Anstrengungen der zweistündigen Presswehenphase und meine Geburtswunden schmerzten so sehr, dass ich eine Woche lang nicht vernünftig sitzen und kaum alleine aufstehen konnte.

Aber statt mich ausschließlich um mich zu kümmern,  galt es nun den Bedürfnissen von zwei Kindern gerecht zu werden. Der Bub forderte ab dem zweiten Tag regelmäßig seine Milchmahlzeiten ein und die Große meine Aufmerksamkeit mehr denn je. Am liebsten hätte ich mich natürlich intensiv um beide gekümmert – den Kleinen ausgiebig beschmust und die Tochter sanft ins Schwesterndasein begleitet. Doch das war leider nicht möglich.

Für mich galt es herauszufinden, welche Bedürfnisse oberste Priorität haben und wer gerade besser warten/ zurückstecken kann. Zum Glück arbeitet Thomas von zu Hause aus und so lassen sich leichter Kompromisse finden. Der Kleine schmust beispielsweise mit Papa, während ich das Mädchen ins Bett bringe und die Große wird von ihm bespaßt, während ich den Buben versorge. Allerdings gibt es oft Situationen, in denen Thomas nicht helfen kann, weil die beiden explizit nach mir verlangen. Das ist ziemlich frustrierend für uns alle…

Am traurigsten ist jedoch, dass die exklusive Mama-Tochter-Zeit, die ich vor der Geburt mit unserem Mädchen in vollen Zügen auskosten konnte, so abrupt vorbei ist. Ja schlimmer noch, die letzten zwei Wochen sahen wir uns kaum. Denn damit ich das Wochenbett hüten konnte, ließ ich sie an den Nachmittagen von Freunden und Familienmitgliedern betreuen (vormittags ist sie im Kindergarten) und nachts schliefen wir nicht wie gewohnt im Familienbett, sondern sie bei Papa im Schlafzimmer und ich mit dem Kleinen im Wohnzimmer. Denn der Bub grunzt so laut, dass seine Schwester davon wach wird.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag der Geburt als die Geburtswehen einsetzen und unser Mädchen noch mit mir tanzen und meinen Bauch bemalen wollte. Ich ließ sie, aber verdrückte zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Tränen, weil ich wusste, dass in wenigen Stunden nichts mehr wie vorher ist. Und so war es dann auch.

Unser Mädchen reagierte mit leisem Weinen auf ihren kleinen Bruder und sie sagte mir, dass sie keinen Bruder braucht. Ihn nicht will. Oder dass wir ihn verhungern lassen sollen. Das tat mir so weh und doch konnte ich sie gut verstehen. Wir beide haben so eine innige Beziehung, wie schmerzhaft musste diese große Veränderung für sie sein! Und die Tatsache, dass ich in diesem Chaos so weit weg bin von ihr, wie noch nie in ihrem kleinen Leben.

Ich versuchte die wenige Zeit, die wir hatten, intensiv mit ihr zu gestalten. Der Bub machte es uns recht einfach, weil er viel schlief. Aber meiner Tochter konnte ich kaum etwas Recht machen. Sie motzte viel, war unzufrieden und schlug Thomas und mich. Außerdem fand sie die Spiele (Puzzle, Perlen, Knete usw.), die ich für sie besorgt hatte, langweilig und doof. Im Vergleich zu dem Tobe-Spaß an der frischen Luft und den ungestörten Kitzel-Kuscheleinheiten, die wir früher hatten, mag das stimmen. Aber mehr konnte ich ihr aufgrund meiner körperlichen Verfassung leider nicht bieten und das machte mich wieder traurig.

Für unser Mädchen war es offensichtlich schwer zu begreifen, wo dieses Baby plötzlich herkommt und warum es soviel Raum einnimmt. Und so sprach ich immer wieder mit ihr über diese Situation und ich versicherte ihr, dass ich ihr so viel Liebe und Nähe schenken werde wie ich kann. Dass sie immer mein großes Mädchen bleiben wird, auch wenn es im Augenblick etwas drüber und drunter geht. Dass wir diese turbulente Zeit gemeinsam meistern werden und dass Papa und ich versuchen für sie da zu sein, wann immer sie uns braucht.

Dass ich im Moment nicht im Familienbett schlafe, scheint sie gut zu akzeptieren, vielleicht auch weil wir wie gewohnt beim Einschlafen und morgens nach dem Aufwachen zusammen kuscheln. Weil sie dann wie immer von mir gestillt wird.

Das Stillen scheint eh eine versöhnende Wirkung zu haben, denn wenn beide zeitgleich an meiner Brust trinken, sind sie ruhig und zufrieden. Dann liebkost die Große ihren kleinen Bruder und deckt ihn fürsorglich zu. Damit bringt sie mein weiches Mama-Herz zum Schmelzen :)

Das einzige, was ich ihr nehmen muss, ist das Stillen in der Nacht, weil ich nicht zur Ruhe komme, wenn ich beide Kinder oder beide im Wechsel an die Brust nehme. Dafür besorgte ich ihr eine kleine Schildkröte von Cloud-B und eine „Lichtuhr“, die ihr zeigt (durch grünes Licht) wann sie wieder stillen darf. In der ersten Nacht protestierte sie heftig, aber bereits gestern und vorgestern schlief sie durch. Jetzt hoffe ich inständig, dass das weiterhin so bleibt.

Mutter von zwei Kindern zu sein, ist eine sehr anstrengende, aber auch wundervolle Erfahrung. In den letzten zwei Wochen habe ich so viel geweint, gestaunt und geschmust wie schon lange nicht mehr. Ich liebe diese beiden kleinen Menschlein mehr als mein Leben und ich bin sicher, dass wir viele, tolle gemeinsame Momente erleben werden, wenn die Anfangshürde einmal überwunden ist!

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Ein Kommentar zu Mama von zwei Kindern

  1. Dein Eintrag rührt mich zu hemmungslosen Tränen. Ich bin in der 15. Woche mit unserem zweiten Baby, meine große Tochter wird Heiligabend 2. Ich kann dir leider keine Ratschläge erteilen, hoffe aber, dass sich euer Alltag bald wieder regelt. Und für uns hoffe ich das ab nächstem Juni auch. ♡

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