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Scheidenpilz in der Schwangerschaft – nur lästig oder eine echte Gefahr?


Dass der Sommer nicht nur schöne Seiten hat, wissen schwangere Frauen, die in der Schwangerschaft Scheidenpilze bekommen. In der heißen Jahreszeit haben die unangenehmen Begleiter Hochkonjunktur.

Ein Scheidenpilz in der Schwangerschaft ist ein Thema, über das die meisten nicht gerne sprechen. Dabei ist das nichts Schlimmes und es kann jede schwangere Frau treffen. Ich erkläre Dir hier, wie Du ihn erkennst, was er für Dich und Dein Baby bedeutet und wie Du ihn in Deiner Schwangerschaft richtig behandelst:

Wie entsteht ein Scheidenpilz in der Schwangerschaft?

Wir alle tragen den Erreger auf der Haut, der eine Pilzinfektion auslösen kann: Der sogenannte Hefepilz Candida albicans kommt bei jeder gesunden Frau in der Scheide vor. Normalerweise sorgt dort das saure Milieu dafür, dass die Pilzsporen sich nicht so stark vermehren. Der Körper verhindert so von selbst eine Pilzinfektion.

Bei Schwangeren kann die neue Hormonlage das Scheidenmilieu verändern. Das macht es Hefepilzen leichter, sich auszubreiten.

Was begünstigt eine Pilzinfektion in der Schwangerschaft?

  • Synthetische Textilien/Duftstoffe

Meinen schwangeren Patientinnen rate ich zu Unterwäsche aus Baumwolle, die heiß gewaschen werden kann. Vermeiden solltest Du Slipeinlagen mit Folien oder Duftstoffe, besonders bei einer generellen Neigung zu Scheidenpilzen.

  • Falsche Intimhygiene

Eine Pilzinfektion in der Schwangerschaft hat meist nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Häufig sind stark parfümierte, alkalische Seifen sowie zu intensives Spülen der Scheide der Auslöser.

  • Zu lange ein feuchtwarmes Milieu

Im Sommer sorgen oft Schwitzen oder das lange Sitzen in feuchten Badedeklamotten dafür, dass Pilzinfektionen entstehen – allerdings nicht nur in der Schwangerschaft. Deshalb sollte man immer eine zweite Unterhose und beim Schwimmen mehrere Badeanzüge dabeihaben.

  • Bestimmte Medikamente

Manche Frauen müssen am Anfang ihrer Schwangerschaft ein Hormonpräparat einnehmen, das ihre Scheidenflora verändern kann. Ist die Einnahme von Antibiotika nötig, kann dies Pilze ebenfalls begünstigen.

Woran erkennst Du eine Pilzinfektion?

  • Jucken und/oder Brennen im Vaginalbereich
  • Gerötete und eventuell geschwollene Schamlippen
  • Weißer, krümeliger Ausfluß

Ist ein Scheidenpilz in der Schwangerschaft riskant fürs Baby?

Nein. Eine Pilzinfektion ist für Euch beide nicht bedrohlich. Allerdings kann es durch die Veränderung des Scheidenmilieus manchmal zu schwerwiegenderen Infektionen kommen. Dazu gehört eine Entzündung am Gebärmutterhals. Sie löst im schlimmsten Fall vorzeitige Wehen aus. Deshalb solltest Du einen Scheidenpilz in der Schwangerschaft nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Tritt um Deinen Geburtstermin herum eine Pilzinfektion auf, kann das Baby sich auf dem Weg durch die Vagina anstecken. Dies ist aber kein Grund, Dein Kind nicht auf normalem Wege zu bekommen. Nach der Geburt achten die Geburtsschwestern und Ärzte deshalb verstärkt darauf, ob es Symptome eines Soors im Mund oder im Windelbereich zeigt. Bei einem positiven Ergebnis wird schnell eine Therapie begonnen. Die Medikamente sind normalerweise gut verträglich. Ein Pilz ist für Dein Baby unangenehm, aber absolut nicht bedrohlich.

Wann solltest Du zum Arzt gehen?

Hast Du den Verdacht, dass Du Dir einen Scheidenpilz eingefangen hast, und die beschriebenen Symptome wie Jucken und Brennen, solltest Du zu Deinem Gynäkologen gehen. Er wird mit einem Abstrich feststellen, welche Erreger für Deine Beschwerden verantwortlich sind und welches Medikament das richtige ist.

Helfen bei einem Scheidenpilz in der Schwangerschaft Hausmittel wie Joghurt?

Meine ehrliche Meinung? Wenn Du schwanger bist, ist es besser, die Finger davon zu lassen. Bestimmte Hausmittel wie Teebaumöl oder Joghurt reizen die empfindliche Haut zusätzlich und verschlechtern den Zustand nur. Bevor Du Dich in der Schwangerschaft selbst behandelst, muss außerdem gesichert sein, dass es sich wirklich um einen Scheidenpilz handelt.

Bemerkst Du zum Beispiel einen ungewöhnlichen Ausfluss, solltest Du bei Deinem Gynäkologen abklären, was er bedeuten kann und welche Maßnahme die Sinnvollste ist. Die Ausnahme: Gehörst Du zu den Frauen, die immer wieder von einem Scheidenpilz in der Schwangerschaft betroffen sind, erkennst Du das Problem anhand der Symptome relativ schnell. Hast Du die entsprechenden Medikamente bereits daheim, darfst Du im Alleingang mit der Therapie anfangen.

Was kann ich vorbeugend gegen einen Scheidenpilz tun?

Vielleicht kämpfst Du immer wieder mit Pilzinfektionen oder sie treten in Deiner Schwangerschaft zum ersten Mal auf. In beiden Fällen können diese Maßnahmen hilfreich sein:

  • Den Intimbereich mit ph-hautneutraler Seife oder klarem Wasser reinigen. Nicht übertrieben “schrubben” oder spülen.
  • Nach dem Duschen oder Baden die Haut gut abtrocknen. Feuchte Badesachen nach dem Schwimmen sofort wechseln. Während der Pilzinfektion auf das Schwimmen und Baden (Badewanne, Meer, Pool, See) verzichten.
  • Bei Unterwäsche und Slipeinlagen auf Luftdurchlässigkeit achten.
  • Unterwäsche und Handtücher bei 60 Grad waschen. Auf Weichspüler wegen der Duftstoffe verzichten.
  • Nach dem Toilettengang immer von vorne (Scheide) nach hinten (Po) wischen. Pilze kommen vermehrt im Darm vor. Manchmal erfolgt die Übertragung auf diesem Wege.
  • Während einer Pilzinfektion auf Sex verzichten. Bei wiederkehrenden Infektionen sollte Dein Mann ebenfalls behandelt werden.
  • Hefepilze lieben Zucker. Deshalb wird eine zuckerarme Ernährung empfohlen. In der Praxis habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass diese Maßnahme allein kaum etwas bringt. Ein bewußterer Umgang mit Deiner Ernährung und mit Süßigkeiten schadet sicher nicht.
  • Manchen Frauen helfen sogenannte Milchsäurebakterien bei den ersten Symptomen oder aber nach einer Pilzinfektion. Auch hier würde ich die Mittel aus der Apotheke den Hausmitteln (Joghurt, Quark, Teebaumöl) vorziehen.

Mein Fazit: zum Arzt gehen und nicht stressen lassen

Eine Pilzinfektion in der Schwangerschaft ist in erster Linie unangenehm. Sie bringt weder Dein Baby noch Dich in Gefahr. Doch gerade wenn sie im Sommer auftritt, kann sie mit Einschränkungen verbunden sein.

Ein Scheidenpilz ist auf keinen Fall etwas, woran Du Schuld hast und wofür Du Dich schämen musst.

Man ist anfällig dafür oder eben nicht. Meine Tipps können eine Hilfestellung sein. Wirklich anfällige Frauen befolgen sie meist schon und haben trotzdem immer wieder mit Pilzinfektionen zu tun.

Mach Dir nicht zu viel Streß und gehe zum Arzt, wenn Du unsicher bist. Ansonsten: Genieße die Sommerzeit.

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