Ängste in der Schwangerschaft

Ängste in der Schwangerschaft


Ängste in der Schwangerschaft sind völlig normal. Ein Kind zur Welt bringen und schwanger sein ist heute sicherer als jemals zuvor, trotzdem belegen Studien immer wieder, dass Frauen heute mit deutlich mehr Ängsten in und durch eine Schwangerschaft gehen als in jeder früheren Generation. Aber woher kommen diese Ängste in der Schwangerschaft? Welche Arten der Angst gibt es und wie entstehen sie?

Ängste in der Schwangerschaft haben eine Geschichte

In den nahezu 15 Jahren, in denen ich jetzt schon mit Schwangeren und Gebärenden in engem Kontakt bin, ist mir bereits eine deutliche Veränderung aufgefallen, was Ängste in der Schwangerschaft angeht. Neben einem generellen gesteigerten Sicherheitsbedürfnis hat die Geburt und die Zeit der Schwangerschaft viel von ihrer Selbstverständlichkeit eingebüßt. Allerorts ist vom “Risiko” die Rede und so ist es nur nachvollziehbar, dass das Vertrauen in die Natur und die eigenen Fähigkeiten langsam aber stetig immer weiter sinkt. Ständige Kontrollen, die eigentlich Sicherheit geben sollen, vermitteln unbewusst vielen Frauen eher den Eindruck, dass es anders gar nicht mehr machbar ist und permanenter Überwachung von Außen bedarf, um am Ende ein gesundes Kind im Arm halten zu können.

Helfen regelmäßige Kontrollen gegen Ängste in der Schwangerschaft?

Prinzipiell habe ich mit engmaschigen Kontrollen in Form von Ultraschalluntersuchungen, Abstrichen oder Blutentnahmen kein Problem, oftmals wird uns Hebammen ja unterstellt, wir lehnten jegliche Form der (ärztlichen) Kontrolle ab, das erlebe ich auch bei meinen Kolleginnen in der Regel überhaupt nicht so. Was mir persönlich manchmal Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass von Außen erzeugte Sicherheit eine sehr kurze Halbwertszeit hat. Ein Arzt, der alle drei Tage einen Ultraschall “zur Beruhigung” macht, es aber nicht schafft, der Frau die Sicherheit zu vermitteln und die Ängste in der Schwangerschaft zu nehmen, dass alles gut gehen kann (und vermutlich auch wird!) und es seine Kontrollen eigentlich nicht braucht, macht in meinen Augen eben einfach keinen besonders guten Job. Denn wenn anfangs diese drei Tage vielleicht noch entspannt und friedlich abliefen, kommt die Frau irgendwann vielleicht doch zu der Überzeugung, dass ein täglicher Ultraschall eine noch größere Sicherheit bieten würde. Und eines Tages erscheinen dann auch 24 Stunden zwischen zwei Kontrollen endlos lang, weil Angst und Unsicherheit einfach zu übermächtig sind. Wichtig ist mir an dieser Stelle zu betonen, dass es um “normale”Schwangerschaften ohne besondere wirkliche Risikofaktoren geht.

Ich denke, viele Ängste in der Schwangerschaft, mit denen Frauen heute konfrontiert sind, entstehen auf diese Weise.

 

Das Vertrauen in den eigenen Körper tritt in den Hintergrund, in erster Linie herrscht Vertrauen in Technik und medizinische Versorgung. Im Grunde nichts Schlechtes, denn der Fortschritt der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass die Müttersterblichkeit heute niedriger ist als jemals zuvor. Doch es hat eben alles im Leben einen Preis und den zahlen nicht selten Mütter und Schwangere, die eine eigentlich wunderbare Zeit damit verbringen, sich Sorgen zu machen…..

Unterschiedliche Arten der Angst

Man muss in erster Linie ganz grob zwischen konkreten Ängste in der Schwangerschaft, die eventuell sogar aufgrund eigener Erfahrungen begründet sind (wie der Angst vor einer Fehlgeburt oder der Angst vor einem Notkaiserschnitt) und diffusen Ängsten unterscheiden.

Bei der diffusen Angst fällt es häufig sehr schwer, klar zu benennen, was genau die größte Befürchtung ist. Es fallen eher Sätze wie “Ich habe Angst, dass was schief geht” oder “Ich hab kein gutes Gefühl”, was eine wirkliche Hilfestellung sehr schwer macht, da sich Gefühle eben nicht rational wegdiskutieren lassen.`

Gut ist es in jedem Fall, über Deine Ängste zu reden, mit einer vertrauten Person, Deinem Partner, der eigenen Mama oder auch einer Hebamme, die Du bereits früh in der Schwangerschaft kontaktiert.

Ängste in der Schwangerschaft – Das sagt die Hebamme

Hebammen blicken häufig aus einem anderen Winkel auf die Geschehnisse rund um Schwangerschaft und Geburt – obwohl oder gerade weil sie nicht selten einen größeren Erfahrungsschatz in diesem Bereich aufweisen als ein junger Gynäkologe. Das bedeutet nicht, dass ich denke, ein homöopathisches Mittelchen könne einen Kaiserschnitt ersetzen, es bedeutet für mich lediglich, dass ich  so lange davon ausgehe, dass alles gut ist, bis ich konkrete Hinweise dafür finde, dass es nicht so ist.

Und genau das versuche ich “meinen” schwangeren Frauen zu vermitteln, denn es ist einfach eine Tatsache, dass der allergrößte Teil der Schwangerschaften auch heute ohne großartige Komplikationen ablaufen und bestehende Schwierigkeiten (wie z.B. Frühgeburtsbestrebungen) aufgrund des medizinischen Fortschritts deutlich besser beherrschbar sind als früher.

Alles in Allem also die beste Voraussetzung, sich entspannt zurück zu lehnen, die Hände über dem wachsenden Bauch zu falten und einfach “guter Hoffnung” zu sein.

Was Du tun kannst, wenn das alles gar nicht so einfach ist, wo Du Hilfe bekommst und welche Möglichkeiten es gibt, Ängste in der Schwangerschaft loszuwerden berichte ich in meinem nächsten Artikel.

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Hilfe bei konkreter Angst

Viele Frauen, die bereits eine Schwangerschaft und/oder Geburt hinter sich haben, die nicht so geendet hat, wie sie es sich vielleicht gewünscht hatten, leiden in der Folgeschwangerschaft unter ganz konkreten Ängsten. Das kann die Angst vor einer erneuten Fehlgeburt sein, die Angst vor einem kranken Kind, die Angst vor einem nochmaligen negativen Geburtserlebnis….

So unangenehm und kräftezehrend diese Ängste sind, sie sind in der Regel gut beherrschbar, weil Ihr klar benennen könnt, was Euch Sorgen bereitet und es so oft einfacher ist, eine Strategie zu entwickeln, mit den Ängsten umzugehen.

So kann es eine Hilfe sein, Eure alte Geburtsakte vom Krankenhaus anzufordern und mit Eurer Hebamme durchzusprechen, was damals passiert ist. Oft kann dieses nochmalige Durchsprechen und Erklären des Geburtsvorganges innere Blockaden lösen und Ihr könnt Euch besser auf eine neue Schwangerschaft und Geburt einlassen.  Manchen Frauen hilft es auch, einen anderen Geburtsort zu wählen oder sich ganz bewusst auch für eine andere Form der Geburt zu entscheiden.

Generell ist es bei der Aufarbeitung oder beim Umgang mit konkreten Ängsten sinnvoll, mit unterschiedlichen Menschen zu sprechen. Mit “Fachleuten”, wie Eurem Frauenarzt oder der Hebamme, Eurem Partner aber auch Freundinnen oder Bekannten, die ebenfalls schon Kinder haben. Ihr werdet feststellen, dass Ihr mit Euren Ängsten nicht alleine seid. Nahezu jede Schwangere kennt diese Gefühle und der Austausch kann eventuell auch schon hilfreich und lindernd sein.

Hilfe bei diffuser Angst

Deutlich schwerer zu beherrschen sind diffuse Ängste, die scheinbar aus dem Nichts plötzlich auftauchen und teilweise relativ heftig auftreten können. Ich möchte Euch an dieser Stelle gern von einer ganz persönlichen Erfahrung erzählen: am Ende meiner ersten Schwangerschaft standen mein Mann und ich in der Küche, um Essen für das Wochenbett vorzukochen. Ich hatte eine völlig problemlose Schwangerschaft und auch nicht sonderlich viel Angst vor der Geburt, aber plötzlich schossen mir die Tränen in die Augen und die Angst kroch in mir hoch. Irgendwie kam mir völlig unvermittelt der Gedanke, wie es für meinen Mann wäre, wenn mir bei der Geburt etwas passieren würde und er stünde dann vor unserer gefüllten Tiefkühltruhe und ich wäre einfach nicht mehr da. Und plötzlich war da diese Panik und das Gefühl, das könne eine Art “Vorahnung” sein. Mir hat es sehr geholfen, darüber zu sprechen, auch wenn man sich ein bisschen bekloppt vorkommt. Das Gespräch hilft, sich darüber klar zu werden, dass es sich nicht um eine selbst erfüllende Prophezeiung handelt, sondern, ähnlich wie ein Traum, einfach nur ein (verdrängtes) Gefühl aus Eurem Unterbewusstsein nach oben kommt. Solche Attacken und auch beängstigende Träume müssen Euch nicht übermäßig beunruhigen, denn sie “bedeuten” rein gar nichts.

Generelle Hilfe bei Angst in der Schwangerschaft

Vielen Frauen helfen Entspannungsübungen, wie Yoga oder autogenes Training, bei der Bewältigung von Ängsten. Auch Bewegung ist keine schlechte Sache, es muss nicht immer Sport sein, schon ein Spaziergang an der frischen Luft kann Wunder wirken, um einen “klaren” Kopf zu bekommen.

Aromaöle, wie Lavendel oder YlangYlang (Achtung: Geschmackssache!!!), wirken ausgleichend und beruhigend und können als Badezusatz oder in einer Duftlampe verwendet werden.

Wenn Ihr in Betreuung bei einem Heilpraktiker/ Homöopathen seid, kann dieser sicherlich ebenfalls gute Hilfestellung geben.

Sollten all diese sanften Methoden für Eure Form der Ängste nicht ausreichen und Ihr merken, dass es Euch zunehmend schlechter geht (Schlafstörungen, Panikattacken, Vermeidungsverhalten, verändertes Essverhalten), ist es an der Zeit, Euch richtig professionelle Hilfe zu holen. Es gibt unterschiedliche Netzwerke, die schnell und unkompliziert Hilfestellung geben, weitere Kontakte vermitteln und ggf. auch zügige psychologische Hilfe organisieren. Auch hier helfen Frauenarzt oder Hebamme Euch sicher gerne weiter.

In jedem Falle sind Ängste kein Grund, sich zu schämen oder sich zurück zu ziehen. Fast jede Schwangere kennt diese Gefühle und wenn man sich öffnet und ehrlich ist, wird man schnell merken, dass es dem Großteil der anderen auch nicht anders geht.

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