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Fehlgeburt – wenn eine Schwangerschaft plötzlich endet

Heute möchte ich mich einem sehr sensiblen, traurigen, aber in meinen Augen auch sehr wichtigen Thema widmen – dem Thema “Fehlgeburt”. Der Artikel richtet sich also in erster Linie an Frauen, die diese leidvolle Erfahrung vielleicht bereits gemacht haben oder gerade machen, da ich niemandem Angst machen möchte.[

Was ist eine Fehlgeburt?

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich den Begriff ganz furchtbar finde, aber da die anderen Ausdrücke wie Abgang oder Abort auch nicht wirklich besser sind, werde ich bei dieser gängigen Begrifflichkeit bleiben.

Von einer Fehlgeburt spricht man bei einer Geburt vor dem Erreichen der Lebensfähigkeit, wenn das Kind weniger als 500 Gramm wiegt und/oder keinerlei Lebensaktivität zeigt.

Es gibt also Fehlgeburten, die in einem ganz frühen Stadium (vor der 12. SSW) passieren, aber eben auch welche jenseits der 20. SSW.

Ob und inwiefern Eines “schlimmer” als das Andere ist, kann und möchte ich nicht beurteilen. Tatsache ist, dass eine Fehlgeburt viele Paare in eine sehr tiefe Trauer und Verzweiflung stürzt, ganz egal, ob das Kind für die Umwelt schon präsent war oder nicht.

Was kann eine Fehlgeburt auslösen?

Noch immer halten sich in der Bevölkerung Ammenmärchen vom Streit, dem Stress oder der Joggingrunde, die angeblich eine Fehlgeburt auslösen können. Das ist totaler Quatsch und macht den sowieso schon leidenden Paaren zusätzlich Schuldgefühle, die völlig unangebracht und aus der Luft gegriffen sind. In einer gesunden Schwangerschaft darfst Du streiten, Stress haben und Sport treiben und nichts davon wird zu einer Fehlgeburt führen.

Fehlgeburt vor SSW 12

In den meisten Fällen sind genetische Defekte die Ursache für frühe Fehlgeburten vor der 12. SSW. Der Körper erkennt, dass sich ein “Fehler” eingeschlichen hat und beendet deshalb die nicht intakte Schwangerschaft. In seltenen Fällen können aber auch hormonelle Störungen wie z.B. Progesteronmangel eine Fehlgeburt auslösen. Deshalb empfehlen die meisten Frauenärzte spätestens dann eine genauere Untersuchung, wenn eine Frau mehr als zwei Fehlgeburten erleben musste.

Fehlgeburt nach SSW 12

Spätere Fehlgeburten können ganz unterschiedliche Gründe haben. Manchmal ist eine fehlerhaft entwickelte und schlecht durchblutete Plazenta der Grund, manchmal schwaches Gewebe am Muttermund, das dem wachsenden Gewicht von Gebärmutter und Kind nicht standhält und nachgibt. Nicht selten können auch Infektionen zu vorzeitiger Wehentätigkeit, Muttermundseröffnung und im schlimmsten Falle einer Fehlgeburt führen.

Wenn Du bereits eine Fehlgeburt hattest, sprich mit Deinem Frauenarzt darüber, wenn Du in einer erneuten Schwangerschaft besondere Ängste hast und schäme Dich nicht, falls Du am Anfang etwas überbesorgt bist. Die Sicherheit stellt sich meistens ein, nachdem die Schwangerschaftswoche, in der Deine letzte Schwangerschaft geendet hat, überschritten ist.

Welche Art der Fehlgeburt gibt es?

Frühe Fehlgeburten kündigen sich meistens mit einer Blutung an, der Gewebe beigemengt ist. Manchmal wird mit dieser Blutung das Kind mit Fruchthöhle und allem ausgestoßen und der Frauenarzt erkennt im Ultraschall nur noch einen leere Gebärmutterhöhle.

Manchmal kann es aber auch sein, dass Gewebereste in der Gebärmutter verbleiben, die entweder über einen längeren Zeitraum ausgestoßen werden oder vom Frauenarzt mit einer Ausschabung entfernt werden müssen.

Eine andere Form der Fehlgeburt (eine sog. missed abortion) liegt vor, wenn plötzlich einfach das kindliche Herz aufhört zu schlagen. Warum das passiert, weiß man nicht so genau, manchmal funktioniert die Umstellung von der Ernährung über den Dottersack auf die Ernährung über die Plazenta nicht, manchmal sind kindliche Fehlbildungen der Grund, manchmal ist es einfach eine Laune der Natur.

Liegt dieser Fall vor, wird  meistens auch eine Ausschabung gemacht, theoretisch kannst Du aber auch warten, bis der Körper selbst eine Fehlgeburt einleitet und Du Blutungen bekommst.

Dies sollte allerdings immer nur in Rücksprache mit Arzt und / oder Hebamme vonstatten gehen, damit Du im Falle starker Blutungen schnell medizinisch versorgt und auch begleitet werden kannst.

Hilfe und Unterstützung

Jede schwangere Frau hat ab einem positiven Schwangerschaftstest Anspruch auf Hebammenhilfe. Das gilt auch und besonders für Frauen mit drohender oder nach einer Fehlgeburt. Diese Leistungen (wie Besuche vor einer Fehlgeburt, Begleitung während eines Abgangs oder auch Hausbesuche nach einer Fehlgeburt) werden von der Krankenkasse voll übernommen und kosten Dich lediglich den Anruf bei der entsprechenden Hebamme.

Frage Deinen Frauenarzt ggf. nach Adressen oder erkundige Dich eventuell in der Klinik danach, in der Du die Ausschabung hattest.

Darüber hinaus gibt es ein breites Spektrum an Selbsthilfegruppen (z. B. “Verwaiste Eltern“, “Initiative Regenbogen“, “Glücklose Schwangerschaft e.V”), die meistens lokal organisiert sind.

Auch hier ist der Frauenarzt oder die Hebamme ein guter Ansprechpartner, um erste Kontakte zu knüpfen.

Was kannst Du selbst tun?

Wichtig ist, dass Du darüber redest. Spreche mit Deinem Partner darüber, wie es Dir geht und was Du brauchst. Vielleicht haben sich Oma und Opa auch schon sehr auf den Familienzuwachs gefreut und die gemeinsame Trauer kann hilfreich und tröstlich sein. Vielleicht hat die sonst so taffe Freundin bereits eine ähnliche Erfahrung gemacht (das kommt nämlich gar nicht so selten erst dann ans Licht) und kann ein wertvoller und wichtiger Partner zum Austausch sein und vielleicht geht Dein Partner mit seiner Trauer ganz anders um und ein Gespräch macht den Standpunkt des anderen leichter nachvollziehbar.

Nicht jeder im Freundes- und Bekanntenkreis kann mit einem Paar nach einem solchen Verlust umgehen. Wenn möglich, gehe offensiv mit dem Thema um, sage Freunden ruhig, was Dir gut tut oder erzähle vielleicht von Deiner Trauer, auch wenn die Schwangerschaft noch nicht “offiziell” war, damit die anderen überhaupt eine Chance haben, für Dich da zu sein.

Was Dir auf jeden Fall klar sein sollte, ist, dass Trauer Zeit braucht. Jeder trauert anders und ein bereits vorhandenes Kind schmälert den Verlust entgegen landläufiger Meinung kein bisschen. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst und finde Deinen Weg, mit diesem Verlust umzugehen.

Du bist mit Deiner Trauer, Deinem Schmerz und Deiner Erfahrung auf jeden Fall nicht alleine!

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