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Der Kaiserschnitt: Das musst Du unbedingt wissen

Der Kaiserschnitt – Sectio caesarea von lat. Sectio “Schnitt” und Caesarea” kaiserlich” leitet sich nach dem römischen Schriftsteller Plinius ab. Es bedeutet grob übersetzt “Caesar” aus dem Erstgeborenen, der aus dem Mutterleib geschnitten wurde. In Deutschland kommt fast jedes dritte Kind per Kaiserschnitt auf die Welt.

Anfang Oktober 2016 hat das Statistische Bundesamt die Kaiserschnittzahlen für das Jahr 2015 veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Rate von 31,8 auf 31,1 % gesunken. Im Jahr 2011 lag die Rate bei 32,1 % (die höchste Kaiserschnittrate), im Jahr 1991 bei 15,3 % (die niedrigste Zahl an deutschen Krankenhäusern).

Gründe für einen Kaiserschnitt

Die Gründe für einen Kaiserschnitt sind so verschieden wie die Babys selbst. Einige Kaiserschnitte müssen aus medizinischer Sicht erfolgen, andere wiederum sind sogenannte Wunschkaiserschnitte. Im Rahmen der Geburtshilfe entscheiden sich viele Ärzte und Hebammen für einen Kaiserschnitt, wenn es zu einem Geburtsstillstand kommt oder sich die Herztöne des Babys verschlechtern. Das erhöhte Risiko von Geburtsschäden lässt Ärzte bei problematischen Schwangerschaften, zum Beispiel weil Dein Baby einen sehr großen Kopfumfang hat, eine Frühgeburt droht oder das CTG verdächtige Werte aufzeigt, zu einem Kaiserschnitt tendieren.

Hohes Geburtsgewicht

Ein weiterer Grund die hohe Anzahl an Kaiserschnitten sind die immer höher werdenden Geburtsgewichte der Kinder in den Industriestaaten. Zudem erhöht eine Schwangerschaftsdiabetes die Risiken einer natürlichen Geburt. Haftungsrechtlich muss ein Arzt einer Frau mit Diabetes und einem geschätzten Kindsgewicht von mehr als 4.000 Gramm über die Möglichkeit eines Kaiserschnitss aufklären, um Komplikationen zu vermeiden. Diese Aufklärungen, wenn auch rechtlich völlig korrekt, führen zu großen Ängsten gegenüber einer natürlichen Geburt.

Narkoseverfahren beim Kaiserschnitt

Egal aus welchem Grund sich eine Frau für einen Kaiserschnitt entschieden hat, der operative Eingriff ist immer nahezu der Gleiche. Beim Kaiserschnitt wird das Baby durch einen Bauchschnitt aus der Gebärmutter der schwangeren Frau geholt. Dieser Schnitt erfolgt quer kurz über Deiner Schamhaargrenze. Natürlich bekommst Du vor dem Eingriff eine Narkose. Die Form der Narkose hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab:

  • Deine Psychische und/oder physische Verfassung
  • Liegen bei Dir Gerinnungsstörungen vor?
  • Gibt es bei Dir einen geburtshilflichen Notfall?

Kaiserschnitt-Narkose: Spinalanästhesie

Je nach Situation und Deiner Verfassung entscheidet sich Dein Arzt für ein Narkoseverfahren. Viele Ärzte bevorzugen die Regionalanästhesie (Spinalanästhesie). Hierbei sticht Dein Arzt mit einer sehr dünnen Nadel in den Bereich Deiner Ledenwirbelsäule. Mit einer bestimmten Technik gelangt er dann in einen Raum, der mit Hirnwasser gefüllt ist, sogenannter Liquor. Hier setzt Dein Arzt dann die Narkose. Aber keine Angst, das klingt viel schlimmer als es eigentlich ist.

Der Vorteil dieser Kaiserschnitt-Narkose ist, dass Du nicht schläfst und die Geburt “life” miterleben kannst. Zudem wird Dir ein langes Aufwachen aus einer Vollnarkose erspart. Bestimmte Vorerkrankungen (Herzfehler, Gerinnungsstörungen, starke Wirbelsäulendeformitäten) und ein geburtshilflicher Notfall (Notsectio) verbieten eine Regionalanästhesie und eine Vollnarkose ist notwendig.

Kaiserschnitt-Narkose: Periduralanästhesie (PDA)

Eine Periduralanästhesie – auch bekannt als PDA – funktioniert nach einem ähnlichen Verfahren wie die Spinalanästhesie. Auch hierbei wird der untere Teil Deines Körper mittels einer Injektion in den Lendenwirbelbreich betäubt. Dein Arzt wird die Spritze genau dort einführen, wo die Nerven sitzen, die Deine Beine, Deinen Bauch und Deine Gebärmutter versorgen. Damit Dein Arzt während dem Eingriff immer wieder Betäubungsmittel nachspritzen kann, verbleibt ein ganz dünner Schlauch.

Allerdings besteht durch diesen Schlauch ein etwas höheres Risiko einer Infektion. Dein Arzt wird also bei einem geplanten Kaiserschnitt auf die Spinalanästesie zurrückgreifen. Die PDA wird zudem auch bei “normalen” Geburten zur Schmerzlinderung eingesetzt.

Kaiserschnitt-Narkose: Vollnarkose

Wenn bei Dir ein Not-Kaiserschnitt durchgeführt werden muss, wird sich Dein Arzt in den meisten Fällen für eine Vollnarkose entscheiden. Hierbei wird Dir ein Zugang in eine Vene gelegt, der dafür sorgt, dass Du in einen Tiefschlaf verfällst. Du bekommst vom eigentlichen Eingriff also nichts mit. Manche Frauen empfinden das als großen Nachteil, weil sie dann von der eigentlichen Geburt nichts mitbekommen.

Zudem kann es bei einer Vollnarkose zu Komplikationen kommen, denn Du musst intubiert werden. Das bedeutet, dass Dir ein Schlauch in den Hals eingeführt wird, damit Du besser atmen kannst. Wenn Du vorher gegessen und getrunken hast (was normalerweise der Fall ist), dann kann es passieren, dass der Mageninhalt in die Lunge gerät. Diese Komplikationen wird Dein Arzt aber vorher einschätzen und daher besonders gut auf Dich Acht geben.

So wird der Kaiserschnitt durchgeführt

Der Ablauf einer Kaiserschnitt-Geburt ist grundsätzlich immer der Gleiche, allerdings wird zwischen zwei verschiedenen Arten unterschieden.

Primärer & sekundärer Kaiserschnitt

Ein primärer Kaiserschnitt wird  im Rahmen der Geburtsplanung festgelegt. Das bedeutet, Du hast Dich für einen sogenannten “Wunschkaiserschnitt” entscheiden. Vom Wunschkaiserschnitt spricht man, wenn es keine medizinische Notwendigkeit gibt. Viele Frauen geben an, dass sie Angst vor Schmerzen oder Angst vor dem Kontrollverlust haben und sich deshalb für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden. Der OP-Termin wird also einige Wochen vorher festgelegt.

Es muss aber nicht unbedingt sein, dass Du Dich selbst für einen Kaiserschnitt entschieden hast, manchmal gibt es Komplikationen während Deiner Schwangerschaft, die dazu führen, dass Du nicht auf natürlichem Weg entbinden kannst:

  • Dein Kind liegt nicht in Beckenendlage
  • Lebensgefahr für Dich und/oder Dein Baby
  • Du hast bestimmte schwere Erkrankungen (Bachwanddefekte)
  • Verdacht auf Missverhältniss zwischen mütterlichen Becken und kindlicher Größe (sehr große Kinder > 4200g)

Von einem sekundären Kaiserschnitt spricht man, wenn die Geburt bereits mit Wehen und/oder Blasensprung begonnen hat.

Vorbereitung auf OP

Wenn es sich um einen geplanten Kaiserschnitt handelt, wirst Du bereits einen Tag vor dem Eingriff ins Krankenhaus kommen. Der Anästhesie-Arzt wird Dich gründlich untersuchen und Dich noch einmal über alle Risiken aufklären. Natürlich wird auch Dein Baby noch einmal untersucht. Dein Arzt wird mit Dir über die Narkosemethode sprechen, so weißt Du bereits vor dem Eingriff genau, was Dich erwartet.

Notkaiserschnitt

Wenn bei Dir ein Notkaiserschnitt durchgeführt werden muss, wirst Du – soweit es die Situation zulässt – ebenfalls über alle Risiken und Komplikationen aufgeklärt. Es geht alles nur ein bisschen schneller, denn oftmals ist rasches Handeln gefragt.

Rasur

Bevor Du dann in den OP-Saal kommst, muss Dein oberer Schambereich rasiert werden. Das dient dazu, mögliche Keimquellen zu reduzieren. Die Ärzte werden Dir auch einen Katheter in die Blase legen, damit sich während dem Eingriff Deine Blase nicht mit Urin füllt. Zudem musst Du natürlich – wie bei jeder anderen Operation auch – sämtlichen Schmuck ablegen. Wenn Du Prothesen hast, müssen diese auch abgelegt werden. Deine Alltagskleidung tauscht Du gegen ein OP-Hemd, Deine Socken gegen Thrombosestrümpfe. Damit Dir nicht übel wird oder Du Dich erbrechen musst, bekommst Du noch eine sogenannte Citrat-Lösung zu trinken.

Im OP-Saal

Wenn bei Dir eine Spinal- oder Periduralanästhesie erfolgt, wird die entsprechende Stelle an Deinem Rücken örtlich betäubt. So solltest Du von dem eigentlichen Piekser fast nichts spüren. Bekommst Du eine Vollnarkose, wird Dir bereits vorher ein Zugang gelegt, im OP-Saal wird dann das Narkosemittel injiziert. Um den Druck auf die Hohlvene zu minimieren, wird der OP-Tisch leicht gekippt. Dir kann aber nichts passieren, denn Du wurdest vorher schon gut gesichert.

Desinfektion

Nun wird Dein Bauch desinfiziert. Davon solltest Du aber schon nichts mehr spüren. Ein steriles OP-Tuch wird aufgespannt, sodass Du keinerlei Sicht auf den Eingriff an Deinem Bauch hast. Sofern es Dein Zustand und das Krankenhaus erlauben, darf jetzt der zukünftige Papa in den OP-Saal. Auch er wird vom Kaiserschnitt nicht viel mitbekommen, er darf nämlich nur am Kopfende stehen und ist eigentlich dafür verantwortlich, Dich zu beruhigen. Bei einer Vollnarkose darf Dein Partner allerdings nicht in den OP-Saal, sondern muss vor der Türe warten. Sobald Euer kleiner Schatz dann das Licht der Welt erblickt hat und alles in Ordnung ist, darf er ihn halten.

Der Eingriff

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, erfolgt der eigentliche Eingriff. Dein Arzt wird horizontal überhalb der Schamhaargrenze einen etwa 15 Zentimeter langen Schnitt machen. Keine Sorge, wenn alles gut verheilt, wird die Narbe in der sogennanten “Bikinizone” liegen und Du wirst sie im Sommer beim Baden und Sonnen überhaupt nicht sehen. Nun wird der Arzt die Schichten der Bauchdecke Stück für Stück durchtrennen und Deine Bauchmuskeln, sowie Deine Blase zur Seite schieben. Anschließend öffnet er Deine Gebärmutter um Dein Baby auf die Welt zu bringen. Manche Frauen sagen, dies sei etwas unangenehm, weil Dein Arzt hier mit Druck Dein Baby Richtung Ausgang schiebt.

Dein Baby ist da

Wenn Dein Baby das Licht der Welt erblickt hat, entfernt Dein Arzt noch die Eihäute und die Plazenta. Möglicherweise wird er auch den Hals Deiner Gebärmutter etwas erweitern, so kann Dein Wochenfluss dann besser abfließen. Der eigentliche Eingriff dauert nur etwa 30 Minuten, der längste Teil der Kaiserschnitt-OP ist das Vernähen.

Misgav-Ladach-Methode

Die Misgav-Ladach-Methode wird auch als “sanfter Kaiserschnitt” bezeichnet. Hierbei versucht Dein Arzt so wenig wie möglich zu schneiden. Deine Muskeln und das Dein Gewebe werden von Deinem Arzt mit der Hand zur Seite geschoben, sehr stark gedehnt oder gerissen. Das klingt jetzt alles andere als sanft, aber bei dieser Methode verlierst Du weniger Blut und die Verletzungen sind nicht so stark. Die Operationsdauer verkürzt sich auf etwa 30 Minuten inklusive Vernähen der Schnitte.

Komplikationen beim Kaiserschnitt

Der Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff, der auch immer gewisse Risiken und Komplikationen mit sich bringen kann. Zu den häufigsten Komplikationen gehören:

  • Verletzung benachbarter Organe
  • Gewebeverletzungen
  • Blutverlust durch verstärkte Nachblutung
  • Wundheilungsstörungen (gerade bei sehr adipösen Frauen)
  • Erhöhtes Thromboserisiko (Lungenembolie)
  • Unverträglichkeit der Narkosemittel

Diese Komplikationen können unterschiedliche Folgen haben:

  • Anpassungsstörungen des Neugeborenen ( Atemprobleme, Sauerstoffmangel)
  • Rückbildung der Gebärmutter kann verzögert sein
  • Narbenendometriose
  • Geringere Fruchtbarkeit auch physisch bedingt
  • Risiko eines Gebärmutterrisses bei einer Folgeschwangerschaft
  • Verwachsungen des Mutterkuchens bei einer Folgeschwangerschaft
  • Psychische Probleme durch ev. fehlendes Geburtserlebnis
  • Stillprobleme durch verzögerten Milcheinschuss und Schmerzen beim Stillen durch die Operationswunde
  • Eisenmangel durch erhöhten Blutverlust
  • erhöhtes Risiko für Diabetes, Allergien und andere Autoimmunerkrankungen bei den Neugeborenen.

Auswirkungen auf spätere Schwangerschaften

Trotz aller Vorsicht kann ein Kaiserschnitt Auswirkungen auf Deine späteren Schwangerschaften und Geburten haben. Während dem Kaiserschnitt wird Deine Gebärmutter mit einem Skalpell geöffnet. Dieser Schnitt muss natürlich später heilen und dadurch entstehen Narben. Diese Narbenbildung können bestimmte Risiken für eine nachfolgende Schwangerschaft deutlich erhöhen. Es passiert zwar sehr selten, aber es ist möglich, dass Deine Gebärmutter bei einer weiteren Geburt reißt, das nennt man dann Uterusruptur.

Es kann auch passieren, dass Dein Mutterkuchen während Deiner nächsten Schwangerschaft an den unteren Teil der Gebärmutter wächst und damit den natürlichen Geburtsweg versperrt (Planzenta praevia).

Wann treten die Folgen auf?

Viele dieser Risiken treten dann auf, wenn Du kurz nach dem Kaiserschnitt erneut schwanger wirst. Dennoch bedeutet ein einmaliger Kaiserschnitt keinesfalls, dass Du Deine weiteren Kinder nur noch per Kaiserschnitt auf die Welt bringen kannst.

Bonding beim Kaiserschnitt

Gerade beim Kaiserschnitt ist es für die werdenden Eltern ein sehr schönes Erlebnis, den ersten Schrei ihres Babys zu hören. Deine Hebamme ist beim Kaiserschnitt dabei. Sie spricht beruhigend mit Dir und nimmt das Baby von Deinem Arzt entgegen. Geht es dem Neugeborenen gut kann es sogar den frisch gebackenen Eltern gezeigt werden. Ein erstes zärtliches Berühren und Streicheln ist möglich. Allerdings wird Dein Arzt entscheiden, ob Du Dein Baby sofort in den Arm nehmen darfst oder ob Du zuerst vollständig versorgt werden musst.

Habt Vertrauen zu den Hebammen und Ärzten, schlussendlich wollen wir alle schöne Geburten mit gesunden Kindern!

Bildnachweis: @ mozakim – Fotolia.com.

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