Blutzuckertest verweigert (27. SSW)


20. August 2014

Gestern gab es die reguläre Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt, bei der eigentlich ein Blutzuckertest durchgeführt werden sollte. Eigentlich, weil ich mich vorgestern nach langem Hin- und Herüberlegen dagegen entschied. Aber der Reihe nach.

Die Arzthelferinnen in der Praxis vermiesen mir bei jedem Besuch meine Laune. Da wird ohne Augenkontakt nach Karte und Mutterpass gefragt, im Befehlston von mir verlangt, mich von A nach B zu bewegen und bei Fragen erhalte ich nur einen unfreundlichen Blick und mürrische Antworten. Aufklärung erfolgt keine, bei der letzten Terminvergabe wurde mir lediglich an den Kopf geknallt, dass ich beim nächsten Mal nüchtern kommen soll wegen des Zuckertests. „Den will ich nicht machen“, entgegnete ich freundlich aber bestimmt, woraufhin mir die Arzthelferin ein grimmiges „Warum nicht?“ zuschleuderte.

Ja, warum eigentlich nicht? Seit einigen Wochen grüble ich darüber nach. Bei uns in der Familie gibt es keine Fälle von Diabetes, in der ersten Schwangerschaft waren meine Zuckerwerte unauffällig, ich ernähre mich bewusst, bewege mich ausreichend, meine Laborwerte (Blut & Urin) sind in Ordnung und das Baby entwickelt sich zeitgerecht. Für mich gute Hinweise darauf, nicht zu den 2-12% aller Schwangeren zu gehören, die eine Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) entwickeln (siehe auch Schwangerschaftsdiabetes). Außerdem zeigte ein Blutzuckerschnelltest in der Apotheke, dass sich meine Werte im grünen Bereich befinden.

Während ich auf meinen Frauenarzt wartete, sah ich auf dem Tisch meine Karteikarte mit dem Vermerk „Kein Blutzuckertest am 19.08.2014!!!“. Oh, oh. Das sah nach Ärger aus. Mein Arzt hakte natürlich sofort nach und ich schilderte ihm meine Überlegungen inklusive Ergebnis des Schnelltests.

Nur ein Belastungstest so wie er in der Praxis durchgeführt wird, könne ein aussagekräftiges Ergebnis liefern, erwiderte er. An Schwangerschaftsdiabetes könne außerdem jede Schwangere erkranken, auch wenn es keine Hinweise (in der Familie/ in vorangegangenen Schwangerschaften/ im Essverhalten der Betroffenen usw.) darauf gibt. Das sei das Heimtückische an dieser Erkrankung – sie bleibt oft unbemerkt, sofern nicht ein Screening vorgenommen wird. Dauerhaft überhöhte Blutzuckerwerte bei einer nicht behandelten Gestationsdiabetes gefährden das ungeborene Kind, erklärte er weiter. „Warum dieses Risiko eingehen, wenn sich diese Erkrankung durch eine einfache Untersuchung ermitteln lässt?“

Gute Frage! An dieser Stelle blieb mir nur zu sagen, dass ich mir vor ein paar Wochen diese Art von Gespräch mit den Arzthelferinnen gewünscht hätte. Dann hätte ich die Sinnhaftigkeit dieser Untersuchung sofort verstanden – ich hätte ohne zu zögern eingewilligt. Doch ihre patzige Reaktion sorgte bei mir für ein ungutes Gefühl und den Gedanken, dass dieses Screening nur aus finanziellen Gründen durchgeführt wird.

Die Antwort meines Frauenarztes überraschte mich. Er erläuterte, dass er für jede schwangere Patientin pro Behandlung das Gleiche bekäme, egal welche und wie viele Untersuchungen er durchführt (von den sogenannten iGeL Leistungen in der Schwangerschaft, wie die Nackentransparenzmessung, abgesehen). Zudem könne er mich sehr gut verstehen und er werde die Patientenaufklärung in Zukunft selbst übernehmen.

Das finde ich großartig, denn die Informationsflut bei verschiedenen Schwangerschaftsfragen ist gewaltig und die Aussagen dazu sind oft widersprüchlich. Ich als medizinischer Laie möchte gerne auf den Rat meines Arztes vertrauen, statt bei jedem Problem 100 verschiedene Meinungen einzuholen. Doch Vertrauen kann nur entstehen, wenn ich nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werde („an Tag x ist der Blutzuckertest“), sondern wenn ich das Gefühl habe, dass offen und ausreichend (und vor allem freundlich) kommuniziert wird. Und das habe ich seit gestern.

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