Interview: Das passiert beim Babyschwimmen


Sieben Jahre lang hat Physiotherapeutin Alexandra Wick aus München wöchentlich vier Babyschwimm-Kurse gegeben. Wegen einer allergischen Reaktion auf Chlor hörte sie Anfang des Jahres als Kursleiterin auf. Im Magazin berichtet Alexandra Wick von ihren Erfahrungen mit den Mini-Kursteilnehmern.

Wer ist in der ersten Babyschwimm-Stunde aufgeregter? Die Mütter oder die Babys?

Alexandra Wick: Da sind alle aufgeregt. Die Mütter kennen sich untereinander noch nicht. Außerdem sind die Umgebung und die Situation völlig neu. Dazu kommt die Sorge, wie das Kind wohl auf das Wasser reagiert. Diese Aufregung überträgt sich dann auf das Baby.

Legt sich das in den Folgestunden?

Ja. Die Mamas werden immer routinierter und die Babys damit ruhiger. Babyschwimmen ist meist auf 10 Termine ausgelegt. Die erste und die letzte Stunde stehen im starken Gegensatz zueinander. Beim letzten Termin sind alle deutlich entspannter als in der ersten Schwimmstunde.

Wie sah ein typischer Babyschwimm-Termin bei Ihnen aus?

Beim Babyschwimmen geht es ja in erster Linie darum, die Babys an das Element Wasser zu gewöhnen. Wir haben also die Babys im Wasser gebadet, dazu gesungen und Spielzeuge einbezogen. Nachdem ich Physiotherapeutin bin, war es mir auch besonders wichtig, zu zeigen, wie die Kinder im Wasser gehalten werden können. Wir haben deshalb verschiedene Griffe geübt. In der Bauchlage beispielsweise müssen die Babys „mitarbeiten“. Das ist gut für die körperliche Entwicklung. Außerdem üben sie so, das Köpfchen selbstständig zu halten.

Gab es in Ihren Kursen ein besonderes Highlight?

Etwa in der 5. Stunde haben wir mit dem Tauchen begonnen. Das war für alle Beteiligten immer besonders spannend. Dabei habe ich den Müttern gezeigt, wie sie ihre Kinder ins Wasser eintauchen und kurz danach wieder auftauchen lassen können.

Haben da immer alle Mamas mitgemacht?

Wer nicht wollte, musste sein Baby natürlich auch nicht tauchen. Aber nachdem die Kleinen darauf in der Regel relativ gelassen reagieren, haben selbst die skeptischeren Mütter in den folgenden Stunden ihre Babys getaucht.

Warum Tauchen? Ist so ein 2 Monate altes Baby dafür nicht noch viel zu klein?

Nein. Gar nicht. Neugeborene kennen das „Unter Wasser sein“ ja aus ihrer Zeit im Mutterleib. Mir war das Tauchen auch deshalb sehr wichtig, weil es immer noch verhältnismäßig oft zu Badeunfällen mit Kindern kommt. Ein kleines Kind, das zwar noch nicht schwimmen kann, aber schon getaucht ist, hält unter Wasser ein paar Sekunden länger die Luft an, als ein Baby, das diese Erfahrung nicht gemacht hat. Ein paar Sekunden können manchmal lebensrettend sein.

Eine allergische Reaktion auf Chlor zwang Sie dazu, als Kursleiterin aufzuhören. Können Sie unter diesen Umständen aus gesundheitlicher Sicht Babyschwimmen trotzdem empfehlen?

Ich war über einen Zeitraum von mehreren Jahren 3 Stunden pro Woche im Wasser und habe schon immer eine sehr empfindliche Haut. Für ein gesundes Baby ist meiner Meinung nach einmal pro Woche Babyschwimmen in leicht gechlortem Wasser überhaupt kein Problem. Pausieren sollte man im Falle einer Ohrenentzündung oder eines Infekts. Wenn das Kind unter einer Hautkrankheit leidet, empfehle ich, vor der Anmeldung zum Kurs mit dem Kinderarzt zu sprechen.

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