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Infant Swimming Resource: So umstritten ist das Schwimmtraining für Babys


Ertrinken ist eine der häufigsten Todesursachen bei Babys und Kleinkindern. Um diese Gefahr zu umgehen, wurde in den USA die Methode “Infant Swimming Resource” (ISR) eingeführt. Diese soll schon die Kleinsten lehren, wie sie sich im Notfall über Wasser halten können. Aber wie genau funktioniert das? Ist die umstrittene Trainingsmethode für Babys überhaupt zumutbar?

Warum Experten “Infant Swimming Resource” kritisieren und wie ich als Mama dazu stehe, erfährst Du in diesem Artikel.

Infant Swimming Resource: Was genau ist das?

Es ist wie so oft bei einer neuen Herangehensweise: Sie entstand aus der Not heraus. So war es auch bei “Infant Swimming Resource”. Die Idee für diese spezielle Methode des Babyschwimmens kam  dem Gründer, dem US-Amerikaner Harvey Barnett, nach einer persönlichen Erfahrung. Vor über 40 Jahren erlebte der damalige Rettungsschwimmer, wie ein Nachbarskind im Pool der Eltern ertrank. Ein einschneidendes Erlebnis für ihn, das ihn nicht mehr losließ. Also wollte er unbedingt eine spezielle Technik erarbeiten, die kleine Kinder vor dem Ertrinken retten soll. Mit Hilfe wissenschaftlicher Unterstützung u.a. durch Universitäten wurde die Methode die Jahre über weiterentwickelt.​

Babys ab sechs Monaten können die Methode des ISR bereits lernen: Ausgebildete Schwimmlehrer bringen ihnen bei, unter Wasser die Luft anzuhalten, die Augen zu öffnen und sich dann vom Bauch auf den Rücken zu drehen (back float). Dadurch sollen sie Luft holen und auf Rettung warten können. Ab einem Jahr wird die Methode noch vertieft: Durch die sogenannte Schwimm-Schwebe-Schwimm-Sequenz. Hier sollen die Kleinkinder zusätzlich lernen, mit dem Kopf unter Wasser vorwärts zu paddeln, sich zum Luftholen und Ausruhen auf den Rücken drehen und dann wieder auf den Bauch. So dass sie sich nicht nur über Wasser halten können, sondern auch selbstständig bewegen können.

Mit dem klassischen Babyschwimmen, bei denen es darum geht, Säuglinge ans Wasser zu gewöhnen, kann man die ISR-Kurse daher nicht vergleichen.

Wie können Babys Infant Swimming Resource erlernen?

Als Elternteil weißt Du: Es ist nicht einfach, Kindern etwas beizubringen. Erst recht einem Baby. Wie also kann es so eine schwierige Technik erlernen? Und unter Wasser die Luft anhalten? Klar ist, dass die Methode non-verbal beigebracht wird, alles in sehr kleinen Schritten. Dafür braucht es also vor allem eins: Geduld. Und es braucht verschiedene Herangehensweisen, um Deinem Kind etwa das Anhalten der Luft, das Drehen unter Wasser und das Paddeln beizubringen. Bei jedem kleinen Erfolg wird das Kind belohnt. Das kann zum Beispiel eine Umarmung der Mutter oder des Vaters sein.

Natürlich ist es für den Erfolg des Schwimmkurses wichtig, dass Dein Baby motiviert bleibt. In dem Alter eine besonders schwierige Aufgabe. Schließlich wissen die Babys gar nicht, wofür sie das tun. Dass sie daher oft weinen, weil die Situation ungewohnt ist, bleibt nicht aus. Es ist empfehlenswert, dass die Mutter oder der Vater des Kindes auch im Wasser immer in der Nähe des Kindes ist und reagiert, wenn es sich unwohl fühlt. Denn das Selbstbewusstsein des Kindes und die Sicherheit im Wasser soll durch das Infant Swimmung Resource nicht leiden.​

DLRG äußert starke Kritik an ISR

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) steht der Methode sehr kritisch gegenüber. Denn die entscheidende Voraussetzung für das Erlernen der Methode ist, dass bei dem Baby der Schutzreflex noch funktioniert. Das heißt, es muss die Luft anhalten können, wenn es unter Wasser kommt. Um herauszufinden, ob dieser Schutzreflex funktioniert, kann man zum Beispiel ins Gesicht des Babys pusten oder es durch vorsichtiges Angießen testen.

Versucht man einem Baby ohne diese vorherigen Tests die Methode des IRS zu lehren, besteht die erhebliche Gefahr, dass das Kind Wasser einatmet. Und das kann lebensgefährlich werden! Denn Wasser in der Lunge kann zum “Sekundären Ertrinken” (dry drowning) führen. Einer der Gründe, warum die DLRG der Methode sehr kritisch gegenüber steht: Die potenziellen Gefahren während des Trainings.

Trügerische Sicherheit?

Die DLRG führt als weiteren Kritikpunkt an, dass man bisher nicht wissenschaftlich belegen kann, dass das Programm erfolgreich sei. Oder dass Babys oder Kinder auch in einer Notsituation das Gelernte umsetzen können. Es sei also so oder so erforderlich und dringend ratsam, Kinder am Wasser niemals unbeaufsichtigt zu lassen. Die Schlussfolgerung: Solche Kurse seien dann doch überflüssig und Eltern können sich das Geld dafür sparen.

Traumatisches Erlebnis kann Kinder Spaß am Schwimmen nehmen

Weitere Kritik an Infant Swimming Resource: Man könne durch die Methode Babys traumatisieren. Die Folge: Sie könnten danach Angst vor dem Wasser haben. Das Training im Wasser gleiche einer Konditionierung und man nehme den Kindern damit den Spaß am Schwimmen, das Leichte, das Treiben. Sie könnten das Medium Wasser immer mit dem Training in Verbindung bringen. Aber nicht nur die DLRG, auch Eltern äußern Kritik an Infant Swimming Resource. So etwa in Kommentaren unter zahlreichen Videos, die man auf verschiedenen Plattformen im Internet findet. Manche loben die Methode für ihre gute Absicht. Viele haben aber Bedenken, wenn es um das tatsächliche Erlernen der Methode geht.

Kinder richtig an das Medium Wasser heranführen

Statt Babys also mit einem schwierigen Training an das nasse Element heranzuführen, empfiehlt die DLRG Angebote wie Eltern-Kind-Schwimmen. Diese könne man bereits für Kinder ab etwa sechs Monaten nutzen. Denn durch diesen engen Körperkontakt im Wasser, die Sicherheit, die gemeinsame, spielerische Bewegung könnten Kinder später beim Schwimmenlernen profitieren und das Medium Wasser nicht als etwas Negatives ansehen. Ab etwa fünf Jahren seien Kinder laut der DLRG dann bereit für einen Schwimmkurs und dafür, sich selbstständig im Wasser bewegen zu können.

Gibt es das Infant Swimming Resource auch in Deutschland?

Dennoch wird Infant Swimming Resource auch in Deutschland unterrichtet. In einigen Kursen kann man seinen Kindern mit Hilfe ausgebildeter Schwimmlehrer beibringen, sich dadurch über Wasser zu halten. Die Anzahl dieser Kurse ist aber noch überschaubar. Man findet sie auch unter dem Namen “Selbstrettungstraining für Babys” oder “Wassersicherheitstraining”.

In diesem Video stellt eine deutsche ISR-Trainerin ihre Kursmethode vor:

Infant Swimming Resource: Meine Meinung als Mama

Grundsätzlich finde ich es immer toll, Kinder zur Selbstständigkeit zu erziehen. Sie auf mögliche Gefahren aufmerksam zu machen und ihnen beizubringen, sich davon fern zu halten oder sich selbst helfen zu können. Aber ich denke, dass wir als Eltern gerade in den ersten Monaten ganz besonders auf unsere Kinder achten sollten und wir ganz allein dafür verantwortlich sind, sie von Gefahren fernzuhalten. Wir sind dafür zuständig, dass es erst gar nicht erst zu einer Notsituation kommen darf.

Ich finde Infant Swimming Resource an sich nicht unbedingt negativ, es steckt ja auch ein toller Gedanke dahinter. Nur sehe ich sie als überflüssig an und würde mein Kind sowieso nicht aus den Augen lassen mit dem Hintergedanken, dass er sich in einem solchen Fall ja schließlich selbst helfen kann. So viel Vertrauen habe ich in ein Baby einfach nicht. Denn wenn es in einer Notsituation tatsächlich ganz allein um sein Leben kämpft, weiß ich nicht, ob es die erlernte Methode, die man in der Gruppe bei guter Laune erlernt, dann auch wirklich umsetzen und die Situation einschätzen kann.

Wir als Eltern achten ja auch darauf, dass unser Kind nicht allein auf die Straße läuft, nicht mit Messer und Schere hantiert und nicht mit Feuer spielt. Das alles trauen wir ihnen erst ab einem gewissen Alter zu. Dann sollten wir bei einem so gefährlichen Medium wie Wasser doch erst recht ein Auge auf unsere Lieblinge haben und nicht auf hart erlernte Methoden vertrauen, die unseren Kindern vielleicht sogar den Spaß am Schwimmen nehmen. Die Zeit, die wir für ein solches mühseliges, anstrengendes Training aufwenden, können wir lieber nutzen, um die Zeit mit unseren kleinen Lieblingen ausgiebig zu genießen. Denn sie ist schließlich viel zu schnell wieder vorbei!

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