Einleitung Geburt Krankenhaus

Einleitung der Geburt: Wie läuft das ab?


Die wenigsten Kinder kommen am errechneten Geburtstermin zur Welt, ein Zeitraum von 3 Wochen vor bis eine Woche nach dem errechneten Entbindungstermin ist daher auch völlig im Rahmen. Allerdings birgt eine längere Übertragung immer ein gewisses Risiko. Wenn die Wehen nicht von allein einsetzen, kann eine Einleitung im Krankenhaus den Geburtsvorgang anstoßen.

Warum wird eine Einleitung gemacht?

Die Plazenta, ich habe es an anderer Stelle schon einmal erklärt, ist ein Organ, das von Anfang an nur für dieses Zeitfenster “Schwangerschaft” entsteht. Im Laufe der Wochen altert dieses Organ und wird ganz zum Schluss, weil es nicht mehr gebraucht wird, vom Körper einfach abgestoßen. Dieser Alterungsprozess kann mit einer Abnahme der Durchblutung einhergehen. Aus diesem Grunde werden Kinder, die länger als 40 Wochen im Bauch sind, auch engmaschiger kontrolliert, es wird alle 2 Tage CTG geschrieben und das Fruchtwasser wird regelmäßig überprüft. Ergeben sich dort Auffälligkeiten oder macht das Kind auch 10 Tage nach dem Termin keine Anstalten, sich auf den Weg zu machen, kommt Ihr um eine Einleitung nicht drumrum.

Was wird bei der Einleitung gemacht?

Je nach Befund wird entweder ein Gel, eine Tablette oder ein Tampon an den Muttermund gelegt oder ein Wehentropf als Infusion angeschlossen. All diese Methoden basieren auf einem Medikament, das körperähnliche Hormone enthält, die Wehen auslösen. Ein Wehentropf macht nur Sinn, wenn der Muttermund bereits weich und auch ein bisschen geöffnet ist und wird eher beim zweiten oder dritten Kind als Mittel der Wahl gesehen.

Viele Kliniken bieten auch ein Medikament in Tablettenform zur oralen Einnahme an, das keine Zulassung für die Geburtshilfe hat (sogenannter off-Label-use). Vielen Paaren macht das erst einmal Angst, ich persönlich habe in meiner Arbeit aber gute Erfahrung damit gemacht und würde, wenn mir diese Möglichkeit angeboten wird, auf jeden Fall darüber nachdenken, da sie in meinen Augen einige Vorteile hat.

Wenn Gel, Tablette oder Wehentropf liegen, wird erst einmal eine ganze Zeit CTG geschrieben, um sicher zu gehen, dass das Baby mit den Medikamenten und den evtl. einsetztenden Reaktionen gut zurecht kommt. Tja, und dann wird erst einmal gewartet, so frustrierend das vielleicht ist. Hat sich  6 Stunden nach der Gabe des Gels/Tablette an den Muttermund nichts getan, wird das Ganze wiederholt. Beim Wehentropf wird je nach Reaktion (also einsetzender Wehentätigkeit, Muttermundbefund etc.) entschieden, wie lange er läuft. Der Tampon kann bis zu 24 Stunden liegen bleiben.

Wie schnell spüre ich nach der Einleitung Wehen?

Das ist individuell sehr, sehr unterschiedlich und hängt auch von sehr vielen Faktoren ab. Wie weich/hart war der Muttermund? Das wievielte Kind ist es? Warum wird die Einleitung gemacht? So pauschal kann man also leider gar nichts sagen. Zudem ist es bei vielen Frauen so, dass sie zwar relativ zügig Kontraktionen bekommen, diese aber nicht muttermundswirksam sind und oft auch wieder aufhören.

“Ich habe gehört, dass die Einleitungswehen schlimmer sind als eigene, stimmt das?”

Diese Aussage finde ich per se schon recht schwierig, denn woher weiß man denn, wie die Wehen bei dieser Frau und dieser Geburt ohne Einleitung gewesen wären? Im schönsten Fall ist das applizierte Wehenmittel ja nur als “Anschubser” gedacht und der Körper übernimmt dann die Wehenproduktion selbst. Was ich aber auf jeden Fall sagen kann, ist, dass es schon recht häufig vorkommt, dass Kontraktionen einsetzten, die schmerzhaft sein können, aber zu keinem Geburtsfortschritt führen.Das ist frustrierend, ermüdend und senkt mit Sicherheit auch die Schmerztoleranz. Diese unproduktiven Wehen lassen sich aber durch Baden, Wärme oder auch mal ein leichtes Schmerzmittel eindämmen und deutlich erträglicher machen.

Wie schnell kommt dann mein Baby?

Das ist natürlich sehr davon abhängig, wie schnell effektive Wehen einsetzten und deshalb ebenso sehr individuell. ABER: dass das Baby am Tag der ersten Einleitung kommt, ist eher die Ausnahme als die Regel. Das heißt, wenn Ihr zur Einleitung in die Klinik fahrt, überlegt Euch gut, wem Ihr was im Vorfeld sagt. Neben dem frustrierenden Gefühl, dass alle anderen, die nach Euch in den Kreißsaal kamen, Ihr Baby vor Euch im Arm halten dürfen, gibt es nämlich  nichts Anstrengenderes als ständig die Anrufe, Nachrichten und Nachfragen der Verwandtschaft beantworten zu müssen. Realistisch betrachtet kann eine Einleitung (je nachdem, was der Grund dafür ist) locker 2 Tage dauern.

Mein Tipp:

Haushaltet gut mit Euren Kräften, versucht, auch wenn Ihr aufgeregt seid oder leichte Kontraktionen habt, auszuruhen, zu dösen oder zu schlafen, wann immer es geht und esst , solange Ihr Hunger habt ordentlich. Versucht, Geduld zu haben! Nehmt Euch Bücher, Hörbücher oder auch DVDs mit, was immer Euch entspannt oder ablenkt. Und probiert, es einigermassen gelassen zu nehmen, die Stunden des Wartens auf Wehen, auf die Geburt und Euer Baby sind in Relation zu der Lebenszeit, die Ihr hoffentlich mit Eurem Kind verbringen dürft, so gering und eigentlich gar nicht der Rede wert ;-)

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