SSW-Update: Fehlerhaft errechneter Geburtstermin? (10. SSW)


22. April 2014

Es ist 8 Uhr – meine nächste Kontrolluntersuchung beim Frauenarzt. Ich werde wieder gewogen, mein Puls wird gemessen und ich muss eine Urinprobe abgeben. Dann geht es direkt ins Untersuchungszimmer. Spitze, dann werde ich in Zukunft immer früh am Morgen kommen, wenn es so fix geht.

„Wie geht es Ihnen?“ fragt mein Arzt. „Schlecht! Mir ist hundeübel, kaum etwas schmeckt mir! Ich habe deswegen sogar schon abgenommen – kenne ich von der ersten Schwangerschaft gar nicht“, entgegne ich. Er fragt nach dem Geschlecht meines ersten Kindes und erwidert grinsend: „Na dann bin ich mal gespannt, was es wird.“ Er vertritt die Ansicht, dass unterschiedliche Schwangerschaftsverläufe auf ein anderes Geschlecht hinweisen könnten. Ich halte das für ein Ammenmärchen, aber wer weiß, vielleicht wird es ja tatsächlich ein Junge.

Unser Baby ist jedenfalls schon 27 mm lang und ich kann deutlich das Köpfchen, die Ärmchen und die Beinchen auf dem Ultraschall erkennen. Ich schaue fasziniert auf den Bildschirm – auf dieses kleine Wunder. Innerhalb weniger Wochen entstand aus einer einzigen Zelle dieses menschliche Wesen. Fast unglaublich.

Auf diesem Ultraschall-Foto sind die Arme und Beine leider nicht so deutlich zu erkennen…

Nach dem Ultraschall erwähnt mein Arzt, dass er die Schwangerschaft anhand der Größe des Embryos auf die 10. Schwangerschaftswoche zurück datiert (nicht offiziell – nur mit Bleistift). Laut Mutterpass wäre ich in der elften Woche.

In diesem Moment sehe ich, dass der 15. November 2014 still und heimlich als berechneter Entbindungstermin von den Arzthelferinnen eingetragen worden ist. Finde ich total schade, weil das in der ersten Schwangerschaft persönlicher verlief. Mein damaliger Frauenarzt (mittlerweile in Rente) besprach und errechnete den Termin mit mir gemeinsam. Er nahm sich viel Zeit und erklärte mir alles Mögliche. Mein jetziger Arzt ist zwar kompetent, aber recht still. Er spricht nicht viel, es sei denn ich frage gezielt nach. Dass mich der berechnete Entbindungstermin ohne Vorwarnung aus dem Mutterpass anstrahlt, verstimmt mich etwas.

Der errechnete Geburtstermin im Mutterpass – auf der rechten Seite die Korrektur von der elften auf die zehnte Schwangerschaftswoche.

Aber das ist nicht das einzige Problem. Seitdem ich mich in der Frauenarztpraxis gemeldet habe, betone ich immer wieder, dass ich einen exakten 35 Tage Zyklus hatte. Und zwar jeden Monat. Das ist deswegen von Bedeutung, weil die Zykluslänge eine Rolle bei der Berechnung des Entbindungstermins spielt.

Hier das Rechenbeispiel:
Der erste Tag meiner letzten Regelblutung war am 08. 02. 2014.
Beträgt die Zykluslänge 28 Tage, lautet der errechnete Geburtstermin 15. November 2014.

Beträgt die Zykluslänge 35 Tage, lautet der errechnete Geburtstermin 22. November 2014. Das sind ganze sieben Tage mehr!

Das macht mich aus zwei Gründen sauer. Erstens wurden meine Hinweise bezüglich der Zykluslänge offensichtlich von den Arzthelferinnen ignoriert. Zweitens wird bei einer Überschreitung des errechneten Geburtstermins ab 10 Tagen die Einleitung der Geburt in vielen Fällen empfohlen, da man davon ausgeht, dass sich die Risiken für das Kind erhöhen. In solch einer Situation ist es ein erheblicher Unterschied, ob es sich um den 15. oder den 22. November handelt!

Ich finde es grundsätzlich schwierig, wenn wir Termine für unsere Kinder festlegen. Wir bestimmen, wann sie zur Welt kommen sollen, wann sie Beikost brauchen und alleine durchschlafen sollten. Um nur wenige Beispiele zu nennen. Es schadet nicht einen Blick auf das Kind zu werfen und ihm die Zeit zu geben, die es zum Reifen benötigt. Aber das ist in unserer kopfgesteuerten, von Technik abhängigen und nach Leitfaden funktionierenden Welt kaum noch möglich…

Am Freitag, den 02. Mai 2014 habe ich den nächsten Ultraschalltermin. Falls der Embryo dann immer noch „kleiner“ ist, werde ich den Arzt bitten, den Termin nach hinten zu korrigieren. Kommt mein Baby eher, ist das dann halb so wild. Aber ich will keinen Stress am Ende der Schwangerschaft, nur weil die Berechnungen nicht stimmen.

Der Geburtstermin könnt ihr übrigens online berechnen, z.B. bei BabyundFamilie.de. Ärzte und Hebammen verwenden für dieselbe mathematische Berechnung eine Schablone. Allerdings dürft ihr dabei Folgendes nicht außer Acht lassen: „Der errechnete Geburtstermin stellt nur einen Anhaltspunkt dar. Nur etwa 4% aller Schwangerschaften enden wirklich am errechneten Termin!“ (siehe “Schwangerschaftsdauer und Geburtstermin“).

 

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