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Die Frau bei der Geburt unterstützen: 5 Tipps für werdende Papas


Seit ich vor gut zehn Jahren angefangen habe, Geburtsvorbereitungskurse mit Partnertag zu geben und so werdende Eltern auf dieses wichtige Ereignis vorzubereiten, beschäftige ich mich mit der Frage, was genau denn eigentlich die Aufgabe des Papas unter der Geburt sein könnte.

Welchen “Job” hat der Mann, der seine Frau bei der Geburt unterstützen möchte, eigentlich genau? Und wie erfüllt er ihn am Besten?

 

Was erwarten Frauen tatsächlich von ihrem Mann bei der Geburt?

Durch meine Partnertage weiß ich, dass bei vielen Papas eine recht große Unsicherheit herrscht, unter der Geburt etwas “falsch” zu machen oder nicht gut genug zu sein. Diese Befürchtungen möchte ich Dir heute nehmen. Und Dir 5 Tipps geben, wie Du Deine Partnerin im Kreißsaal unterstützen kannst.

1. Deine Hauptaufgabe: Da sein

In vielen Männerköpfen hält sich leider immer noch die Meinung, sie seien im Kreißsaal nur zu Gast und ihre Hauptaufgabe bestünde in erster Linie darin, denen, die wissen, was sie dort zu tun haben, möglichst wenig im Weg zu stehen. Ich sehe das anders und möchte Dir kurz erläutern, warum.

Wenn aus einem Paar eine Familie wird, verändert sich meistens alles. Diese Veränderung ist ein Prozess, der mit dem positiven Schwangerschaftstest beginnt und einen ersten Höhepunkt in der Geburt findet.

Neben der konkreten Angst vor Schmerzen, vor unvorhersehbaren Ereignissen oder den Sorgen um das Baby, macht sicher auch vielen Schwangeren diese Tatsache und die daraus resultierende Unsicherheit zu schaffen, wenn die ersten Wehen kommen. Und in dieser Situation braucht die werdende Mama vielleicht noch niemanden, der sich fachlich auskennt. Sondern einfach den liebsten Menschen, den sie hat. Und in der Regel bist das Du als werdender Papa!

Du hast etwas, was Du auch der allerbesten Hebamme voraus hast.

Und zwar die Tatsache, dass Du vermutlich der Mensch bist, der die gebärende Frau am besten kennt, der Mensch, dem sie am meisten vertraut und den sie vermutlich am meisten liebt.

Und DAS macht Dich als Papa zu einer unheimlich wichtigen Person, auch für mich als Hebamme. Denn Du kannst Deine Frau auf eine Art erreichen, wie es kein anderer kann, Du bist “Fachmann” auf dem Gebiet und alleine schon deswegen eine wichtige Person im Kreißsaal. Selbst wenn Du überhaupt nichts tust!

2. Weniger reden, mehr machen

Sobald die Wehen kräftiger werden, wirst Du merken, dass Deine Frau sich zunehmend konzentrieren muss, wenn eine Wehe kommt. Eine Geburtswehe kannst Du Dir wie eine Welle vorstellen, die langsam anrollt, ihren Höhepunkt erreicht und dann wieder verebbt. Das Gute an Wehen ist, dass man sich darauf einstellen kann. Für Dich als Partner ist es wichtig, Deiner Frau die Möglichkeit zu geben, sich gleich zu Beginn auf die Wehe zu konzentrieren und ihren Atemrhythmus zu finden, solange die Wehe noch am “Anrollen” ist.

Was Du tun kannst, wenn eine Wehe kommt

  • Stell keine Fragen und rede auch nicht zu sehr auf sie ein. Beobachte einfach ein paar Wehen, was Deine Partnerin macht und ziehe daraus Rückschlüsse, was ihr gut tut.
  • Wenn sie sich z.B. in jeder Wehe aufrichtet: Strecke ihr Deine Hand hin und hilf ihr beim Aufrichten, wenn die Wehe kommt. Wenn sie nach der Wehe die Lippen immer befeuchtet und trocken schluckt: Reiche ihr ein Glas Wasser. Frag nicht großartig, sondern probier es aus. Viel falsch machen kannst Du nicht.
  • Die meisten Frauen mögen während einer Wehe Berührungen nicht so gerne. Gegen einen kleinen Streichler über das Gesicht oder den Schulter-Nackenbereich, wenn die Wehe weg ist, um alles ein wenig zu lockern, haben aber die wenigsten Frauen etwas.
  • Wenn sie Deine Hand weg stößt, unwirsch den Kopf schüttelt oder auch mal unfreundlich wird, hat das nichts mit Dir zu tun! Das ist rein der Situation geschuldet. Also nimm es bitte nicht persönlich, kräftige Wehen sind eben nicht der richtige Zeitpunkt für blumige Erklärungen.

3.  Zeige kein Mitleid

Ich weiß, das klingt jetzt sehr hartherzig und eher so, als wäre ich in dem Job vielleicht doch nicht so ganz richtig. Aber ich denke, es wird gleich klar, was ich damit meine.

Eine Frau unter der Geburt vollbringt Höchstleistungen, ähnlich wie ein Marathonläufer, ein Bergsteiger oder auch ein Profifußballer. Jetzt stell Dir bitte einmal vor, der Trainer sagt zu seinem zweifelnden und erschöpften Spitzensportler: “Ja, Mensch, Du Armer, das tut mir so leid, dass Du das jetzt durchmachen musst und ich Dir gar nicht helfen kann” Ich denke, Mitleid motiviert in diesem Moment niemanden zum Weiterkämpfen.

Versuche, empathisch zu sein, ohne Mitleid zu haben.

Was könnte Deiner Frau gut tun? Wie kannst Du sie in der jetzigen Situation unterstützen? Ob es ein liebes Wort, ein Streicheln, ein Schluck zu trinken ist, ist ganz egal. Hauptsache, Du konzentrierst Dich nicht zu sehr darauf, wie leid sie Dir tut, denn das hilft ihr nicht. Manchmal führt stark nach außen getragenes Mitleid sogar noch dazu, dass sie sich Sorgen um Dich macht und dafür sollte sie unter der Geburt ihre Kraft nicht aufbringen müssen.

Vermittele Deiner Frau, dass Du überzeugt davon bist, dass sie das schafft.

Dass sie es bis hierhin super gemacht hat und Du sicher bist, dass sie auch den Rest gut hinbekommen wird. Und dass Du stolz darauf bist, wie stark sie ist.

Natürlich motiviere auch ich als Hebamme die Frau und ermutige sie oder versuche sie in schwierigen Phasen in der Geburt zu begleiten. Aber Dein Wort hat ein viel größeres Gewicht. Wenn Du ihr vermittelst, dass Du denkst, sie schafft das nie im Leben, dann habe ich als Hebamme ein sehr schweres Los, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Denn letztendlich bin ich nur eine Fremde.

Wenn ich das in meinen Kursen sage, ernte ich meistens Lacher oder ein ungläubiges Kopfschütteln im Sinne von “das würde ja kein Mensch jemals machen”.

Allerdings habe ich das bei unzähligen Geburten erlebt, vielleicht auch, ohne dass der Mann sich in dem Moment so richtig darüber im Klaren war. Z.B. wenn er sagt: “Jetzt geben Sie meiner Frau doch endlich mal was gegen die Schmerzen, Sie sehen doch, dass das so nicht geht”, obwohl die Frau kein einziges Mal etwas von einem Schmerzmittel erwähnt hatte. Das heißt überspitzt formuliert, dass er ihr nicht zutraut, dass sie es ohne schafft.

Wenn Du merkst, dass Du gerade an Deine Grenze kommst, weil es Dir schwer fällt, Deine Frau “so” zu sehen, hol die Hebamme. Bitte sie, einen Moment bei Deiner Frau zu bleiben.

Geh vor die Tür, atme durch, trink einen Kaffee, rauch eine Zigarette, ruf einen Freund an oder was auch immer. Hol Dir Kraft, komm gestärkt wieder rein und sei da.

4. Habe realistische Erwartungen

Allein aus diesem Grunde empfehle ich Paaren beim ersten Kind den Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses. Die Vorstellung der Geburtsdauer, wie kräftig Wehen sein sollten, damit sie einen Effekt haben oder wie die Frau sich unter der Geburt vielleicht verändert, ist oft geprägt durch realitätsferne Filmszenen oder Geschichten aus dem Bekanntenkreis.

Da schadet es sicher nicht, ein wenig Realität in die ganze Sache zu bringen, um an dem entscheidenden Tag verschiedene Situationen besser einschätzen zu können — und dadurch selbst auch gelassener zu sein.

5. Sei nicht zu hart zu Dir selbst

Immer wieder höre ich in der Wochenbettbetreuung von Männern, sie wären gar keine sonderliche Hilfe gewesen für ihre Frauen. In den allermeisten Fällen ernten sie dafür — Gott sei Dank — einen schockierten Seitenblick der frischgebackenen Mama.

Lass Dir gesagt sein, Deine Frau erwartet keine Heldentaten von Dir. Ich erinnere mich noch sehr gut an eine Geburt, die schon Jahre her ist, bei der der Mann die ganze Zeit an Handy und Laptop zugange war. Er saß neben seiner gebärenden Frau im Kreißsaal und arbeitete. Als das Baby dann da war, sah seine Frau ihn an und sagte: “Das Schönste war, dass Du bei mir warst”.

Die Messlatte liegt also vielleicht gar nicht so hoch. Allein die Tatsache, dass Deine Frau Dich gefragt hat, ob Du zur Geburt mitkommst, ist Beweis genug, dass sie sich keinen Besseren vorstellen kann.

Die Geburt des eigenen Kindes ist etwas Einzigartiges, Spannendes und Faszinierendes. Du als Papa hast die Chance, mit Deiner Frau diesen besonderen Moment zu erleben, wenn aus Euch als Paar eine Familie wird.

Es wird anstrengend, aufregend und vielleicht anders als erwartet. Aber es wird Eure Geburt und Eure Geschichte und davon bist Du ein wichtiger Teil.

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