Geburt im Geburtshaus

Die Geburt im Geburtshaus


Rund 140 Geburtshäuser gibt es bundesweit. Zwar gebären aktuell nur etwa 2 % aller Schwangeren in Deutschland außerhalb einer Klinik, doch die Geburt im Geburtshaus wird immer gefragter. Aber wie läuft eine Geburt im Geburtshaus eigenlich ab, und wie unterscheidet sie sich von einer Klinik-Geburt? Unsere Autorin Sandra hat Vor- und Nachteile sowie alle wichtigen Infos für Dich zusammengestellt.

Als ich schwanger war und die Geburt näher rückte, stellten wir uns natürlich die Frage, wo wir unseren kleinen Schatz zur Welt bringen wollen. Eine Alternative zum Krankenhaus kam für uns nicht in Frage. Im Nachhinein habe ich jedoch sehr viel Positives über das Geburtshaus gehört. Vielleicht kommt es für unser zweites Kind in Frage.

Was ist ein Geburtshaus?

In Geburtshäusern wird die Geburt ausschließlich von Hebammen begleitet. Besonders für Mütter, die sich eine intimere Atmosphäre wünschen und deren Schwangerschaft weitgehend ohne Probleme verlaufen ist, kommt diese Alternative in Betracht. Die Räume sind ansprechend gestaltet, strahlen Ruhe aus und bieten viele verschiedene Hilfsmittel für die Geburt, damit sich die Schwangere bestens aufgehoben fühlt. Im Grunde stellt die Entbindung im Geburtshaus einen Mittelweg zwischen der Geburt im Krankenhaus und der Hausgeburt dar.

Ärzte gibt es im Geburtshaus nicht. Falls Du Dir also vorab einen Kaiserschnitt oder eine PDA wünschen solltest, kommt nur das Krankenhaus als Geburtsort für Dich in Frage, weil Hebammen diese Eingriffe nicht durchführen dürfen.

Ein großer Vorteil bei Geburtshäusern liegt darin, dass Du die Hebamme schon vor der Geburt kennenlernst und eine Beziehung zu ihr aufbauen kannst. So bist Du wahrscheinlich entspannter, als wenn Du Dein Baby mit einer fremden Hebamme bekommen musst. In der Regel bleibt „Deine“ Hebamme so lange bei Dir, bis Dein Baby auf der Welt ist. Schichtwechsel, wie sie im Krankenhaus üblich sind,  gibt es meist nicht.

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Im Geburtshaus findet übrigens nicht nur die Entbindung statt. Schon vor der Geburt werden Schwangere dort umfassend betreut. Etwa durch Geburtsvorbereitungskurse, Informationsveranstaltungen, Schwangerschaftsvorsorge, Erste-Hilfe-Kurse für Eltern, Sportkurse und vieles mehr. Ebenso werden nach der Entbindung oft Rückbildungskurse, Stillberatung,  Stilltreffs oder Mutter-Kind-Kurse angeboten.

Wie läuft die Geburt im Geburtshaus ab?

Im Unterschied zum Krankenhaus stehst Du im Geburtshaus stärker im Mittelpunkt und bist selbstbestimmter. Die Geburt soll soweit wie möglich natürlich ablaufen. Die Hebamme ist ständig für Dich da und unterstützt Dich aktiv dabei, die richtige Geburtsposition zu wählen. Dabei kommen Seile, Gebärhocker, Bälle und andere Hilfsmittel zum Einsatz — während im Krankenhaus ja meist das Kreißsaalbett im Mittelpunkt steht.

Falls es unter der Geburt zu Komplikationen kommen sollte, stehen in der Regel Notfallmedikamente für Mutter und Kind, Infusionen, Sauerstoff und Beatmungsmasken zur Verfügung. Geburtshäuser arbeiten normalerweise mit mindestens einer Klinik in der Umgebung zusammen, zu der im Notfall eine schnelle Verlegung möglich ist.

Studien belegen, dass Schwangere im Geburtshaus deutlich weniger Schmerzmittel benötigen und eine Geburt seltener eingeleitet werden muss. Auch Kaiserschnitte und Dammschnitte sind bei Gebärenden in Geburtshäusern seltener notwendig. Nach der Geburt haben die jungen Mütter außerdem seltener Stillprobleme als Frauen, die im Krankenhaus gebären.

Was passiert nach der Geburt?

Ähnlich wie in der Klinik findet auch im Geburtshaus die Neugeborenen-Erstuntersuchung (U1) statt, bei der die Hebamme überprüft, ob Dein Baby gesund ist. Wenn Du Deinen kleinen Engel in den Armen hälst, könnt ihr zusammen noch etwa 3 bis 6 Stunden die Zeit im Geburtshaus genießen. Wenn es Dir und Deinem Baby gut geht, werdet ihr anschließend nach Hause entlassen.
Einige Geburtshäuser haben auch eine Wochenbettstation, wo Du Dich noch einige Tage ausruhen und von den Hebammen betreuen lassen kannst — dies ist aber eher die Ausnahme.

Werden die Kosten übernommen?

Im Normalfall werden die Kosten der Vorsorge, Entbindung und Nachsorge von den Krankenkassen übernommen. Einige Kassen übernehmen allerdings nicht die Rufbereitschaft Deiner Hebamme (das sind die Kosten, die Deine Hebamme Dir in Rechnung stellt, da sie um Deinen Entbindungstermin ständig erreichbar ist — in der Regel etwa 500 Euro).

Ist die Entbindung im Geburtshaus eine Alternative für Dich?

Letztendlich kannst nur Du entscheiden, wo und wie Du Dein Baby gebären möchtest. Am besten Du überlegst Dir schon vorher genau, was Du willst — reichen Dir Akupunktur oder homöopathische Mittel zur Schmerzlinderung oder bestehst Du auf stärkere Schmerzmittel oder eine PDA? Ist es Dir besonders wichtig, dass Du Dich bei der Geburt geborgen fühlst oder möchtest Du auf eine ärztliche Betreuung nicht verzichten? Sei Dir bitte vorher darüber im Klaren und entscheide dann nach Deinem Gefühl. Da die Entbindung in Geburtshäusern immer mehr nachgefragt wird, melde Dich rechtzeitig an, damit Du später nicht enttäuscht bist, wenn Du keinen Platz bekommst.

Bei einer Risikoschwangerschaft wird Dir Dein Arzt dringend von einer Geburt im Geburtshaus abraten. Auch bei Mehrlingsgeburten ist eine Geburt im Krankenhaus mit einer umfassenden medizinische Betreuung in der Regel die bessere Wahl.

Planst Du eine Geburt im Geburtshaus oder hast Du bereits in einem Geburtshaus entbunden? Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Wir freuen uns über Deinen Kommentar

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