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Papa, Papi & Lukas – Eine völlig normale Familie


Was ist denn eigentlich eine „normale“ Familie? Besteht diese immer noch aus Vater, Mutter und Kind? Oder vielleicht zwei Kindern? Ist ein Kind zu wenig oder sind drei zu viel? Gehört zum abrundenden Bild dann noch das Reihenhäuschen, der Hund und die Kaninchen?

Ok, aus diesem Raster fallen wir als Familie komplett raus! Nicht, weil uns vielleicht die Kaninchen fehlen, nein! WIR, das sind Papa Bjoern, Papi Christian, Sohn Lukas und Labrador Anton. Wir sind eine Regenbogenfamilie!

Als schwul geoutet – Kinderwunsch begraben?

20 Jahre ist es her, dass wir uns als schwul outeten, also Papa und Papi. Damals wussten wir noch lange nichts voneinander. Damals war aber auch klar, dass wir unseren Kinderwunsch begraben müssen. Es gab zwar einige wenige prominente Beispiele, die ein Kind im Ausland adoptiert hatten, das war es dann aber auch schon. Unsere Eltern begruben die Gedanken an Enkelkinder und wir konzentrierten uns auf unsere beruflichen Karrieren.

10 Jahre später lernten wir uns salonfähig im Internet kennen und nach drei Monaten teilten wir unsere erste, gemeinsame Wohnung, damals auch schon mit Hund. Die Jahre vergingen, wir bereisten die Welt, leisteten uns nötige und unnötige Dinge und genossen das Leben. Trotzdem kamen wir immer wieder auf das Thema Kinder zurück und stellten uns eine gemeinsame, kleine Familie vor.

Erstgespräch beim Jugendamt zum Thema Adoption

Nach unzähligen Büchern, Zeitungs- und Webartikeln saßen wir eines Tages auf dem Jugendamt und hatten unser Erstgespräch zum Thema Adoption. Es sollten viele weitere Einzelgespräche, ein Seminar, Lebensberichte und unzählige Fragebögen folgen, die uns unserem Familiengedanken näherbrachten. Während des Adoptions-Prozesses lernten wir viel über Pflegekinder und wie dringend Pflegefamilien benötigt werden.

Gleichzeitig verloren wir etwas die Angst, die wohl jeder erst einmal hat, wenn er daran denkt, dass Pflegekinder ja wieder weggenommen werden können. Nach Abschluss des Adoptions-Prozesses und der Ernüchterung über die Wahrscheinlichkeit, dass zeitnah ein Adoptivkind bei uns einzieht, entschieden wir uns, auch den Pflegekind-Prozess zu durchlaufen. Mittlerweile geübt, fiel uns dieser weitaus leichter. Es wirkte alles ein bisschen wie die Führerscheinprüfung für Kinder.

Vier Tage nach erfolgreichem Abschluss klingelte plötzlich das Telefon bei uns und wir erfuhren, dass wir ein Baby kennenlernen können, wenn wir denn wollen… und natürlich wollten wir! Und so kam der wohl unvergesslichste Moment unseres Lebens, wir lernten Lukas auf dem Jugendamt kennen.

So klein und zerbrechlich wie er dasaß, uns lachend anschaute und Papa innerhalb von drei Minuten mit Keksen fütterte… Wir sollten uns über Nacht überlegen, ob wir etwas für ihn empfunden hätten, und ob wir uns vorstellen könnten, dass er bei uns einzieht. Wir hatten uns allerdings schon schockverliebt und bekamen den kleinen Kerl nicht mehr aus dem Kopf!

Der Prozess, ein Pflegekind aufzunehmen

In unserem Landkreis gibt es das sehr gute Modell der Bereitschaftspflege. Wenn also ein Kind in Obhut genommen werden muss, kommt dieses zuerst in eine solche Pflegestelle. Anschließend wird über Monate geklärt, ob es eine Möglichkeit für das Kind gibt, doch bei seiner Mutter, Vater oder Oma und Opa bleiben zu können. Erst, wenn dies alles ausgeschlossen wird, geht das Kind in eine Dauerpflegefamilie, was den Vorteil hat, dass diese erst einmal zur Ruhe kommen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Kinder dann zurück in ihre Herkunftsfamilien gehen, ist sehr gering.

Und so sollte es kommen, dass wir mit einer sechswöchigen Anbahnungsphase begannen, eine Bindung zu Lukas aufzubauen. Was hatten wir Respekt und ganz oft auch Angst vor all dem, was nun kommen sollte. Der erste Spaziergang alleine, der erste Besuch in seinem neuen Zuhause, sein neues Bett, seine Reaktion auf unseren Hund… Schritt für Schritt tasteten wir uns aneinander an.

Papa + Papi + Lukas = Regenbogenfamilie

Und dann kam der Tag, an dem Lukas mit Sack und Pack bei uns einzog und wir von heute auf morgen Papa und Papi wurden. Seitdem sind 1 ½ Jahre vergangen und es ist unendlich viel passiert.

Wir schmunzeln heute oft über unsere Naivität am Anfang. Erziehung, Ernährung, Entwicklung… nichts wollten wir falsch machen, alles sollte perfekt sein. Und wie es so kommen sollte: wir machten so vieles falsch, wir waren so wunderbar unperfekt. Und das sind wir auch heute noch! Und das Schöne ist, dass wir gelernt haben, dass genau das richtig ist! Wir stolpern und rappeln uns wieder auf, wir machen Fehler und lernen aus ihnen.

Wir leben unseren Traum, wir sind glücklich und wir würden alles für unseren Sohn tun. Wir stellen nicht in Frage, ob und was wir für das Kind empfinden. Wir lieben es und sind überglücklich, ihm einen guten Start ins Leben geben zu können. Wir sind ein Team geworden, ein tolles Team. Und Lukas.. der ist glücklich! Er nimmt uns an die Hand, und sagt „Papa, Papi, wir sind eine Familie“.

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