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Pearl Index: So sicher sind Pille, Kondome, Kupferspirale und NFP.


Wenn Du wissen willst, wie sicher ein Verhütungsmittel ist, solltest Du Dir den sogenannten Pearl-Index anschauen. Dieser gibt an, wie viele Frauen trotz Anwendung einer Verhütungsmethode schwanger werden – oder eben nicht. Weil es sich dabei aber um einen theoretischen Wert handelt, ist er eher als Richtlinie zu sehen – ganz genau festlegen lässt er sich nicht.

Was sagt der Pearl Index aus?

Der Pearl-Index eines Verhütungsmittels gibt an, wie viele von 100 gebärfähigen Frauen innerhalb von 12 Monaten trotz Anwendung des Verhütungsmittels schwanger werden.

Ein Pearl-Index von 5 bedeutet zum Beispiel, dass statistisch gesehen fünf Frauen von 100 trotz (korrekter) Verhütung schwanger werden. Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, liegt bei diesem Verhütungsmittel also bei 5%.

Grundsätzlich gilt: Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer das Verhütungsmittel.

Der amerikanische Biologe Raymond Pearl hat damit 1933 ein möglichst neutrales Beurteilungsmaß für die Sicherheit eines Verhütungsmittels eingeführt. Allerdings variieren die Angaben dahingehend, dass manche von einer absolut korrekten Anwendung der Verhütung ausgehen (Methodensicherheit), während bei anderen Pearl-Index-Angaben Anwendungsfehler mit einkalkuliert sind (Anwendungssicherheit).

Häufig werden beide Werte angegeben, also zum Beispiel 0,3-0,9. Wer sein Verhütungsmittel als besonders sicher darstellen will, um zum Beispiel ein Produkt zu verkaufen, gibt oft nur die Methodensicherheit, also den niedrigeren Wert an. Inwiefern in der Praxis ein Verhütungsmittel tatsächlich immer wie vorgesehen angewendet wurde, kann in Studien leider schwer beurteilt werden.

Pearl-Index der Verhütungsmittel: Welche Verhütung ist die Sicherste?

Bevor ich auf einige Verhütungsmittel näher eingehe, möchte ich Dir vorab einen Überblick geben, welchen Pearl-Index die einzelnen Verhütungsmittel haben.

Damit Du auf den ersten Blick siehst, welche Methode der Verhütung die Sicherste und welche die Unsicherste sind, ist die Tabelle nach nach aufsteigenden Werten geordnet – das heißt, sie beginnt mit der sichersten Verhütungsmethode.

Dass häufig zwei Pearl-Index-Werte angegeben sind, hat folgenden Grund: Während dem niedrigeren Wert die Anwendung des Verhütungsmittels unter idealen Bedingungen und ohne Fehler zugrunde liegt (Methodensicherheit), bezieht der höhere Wert auch Anwendungsfehler (Anwendungssicherheit) mit ein. Manchmal gibt es außerdem abweichende Angaben zum Pearl-Index, die auf verschiedenen Studien beruhen.

Wenn die beiden Werte sehr nah beieinander liegen (vgl. z.B. Sterilisation), kannst Du davon ausgehen, dass die Verhütungsmethode wenig anfällig für Anwenderfehler ist. Wenn die Werte dagegen eine sehr hohe Spannbreite aufweisen (vgl. z.B. Kondom), ist die Anfälligkeit für Fehler hoch. So können Kondome zum Beispiel durch lange oder falsche Lagerung beschädigt worden sein, lange Fingernägel oder falsches Anlegen können dazu führen, dass sie reißen. In der Theorie ist der Pearl-Index des Kondoms bei richtiger Anwendung niedrig, d.h. die Sicherheit hoch – in der Praxis eher weniger.

PEARL INDEX VERGLEICH

VERHÜTUNGSMITTELPEARL-INDEX
Hormonstäbchen (Hormonimplantat)0,1
Sterilisation des Mannes (Vasektomie)0,1
Pille (Kombi-Präparate)0,1 - 0,9
Kupferkette0,1 - ,05
Dreimonatsspritze (Depotspritze)0,2
Sterilisation der Frau (Tubensterilisation)0,2 - 0,3
Kupferspirale0,3 - 0,8
Kupferball0,3 - 0,8
Verhütungspflaster (Hormonpflaster)0,3 - 0,9
NFP (symptothermale Methode)0,3 - 1,8
Vaginalring (Hormonring)0,4 - 0,65
Mini-Pille (Gestagenpille)0,5 - 3
Temperaturmethode0,8 - 23
Hormonspirale0,16
Diaphragma1 - 20
Kondom2 - 17
chemische Verhütung mit Gel3 - 21
Kiotus interruptus (pull out Methode)4 - 18
Kondom für die Frau5 - 25
Portiokappe6
Kalendermethode9 - 20
ohne Verhütung85 - 90
Quelle: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe Juli 2004

Wie sicher ist die Kupferspirale im Vergleich zur Pille?

Mit Ausnahme einer Sterilisation scheinen demnach die hormonellen Verhütungsmethoden die sichersten zu sein – dicht gefolgt von Verhütungsmethoden, die Kupfer beinhalten. Vor allem der Pearl-Index der Kupferkette ist bemerkenswert niedrig, d.h. sie ist ausgesprochen sicher. Einen verlässlichen Pearl-Index für den Kupferball gibt es noch nicht, da dieses Verhütungsmittel verhältnismäßig neu ist. Man geht aber davon aus, dass er wie die Kupferspirale auch einen Pearl-Index von 0,3 hat.

Im Vergleich zur Pille ist die Kupferspirale in der Anwendung sicherer als die Anti-Baby-Pille, d.h. es passieren weniger Fehler. Logisch, denn einmal eingesetzt kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Theoretisch, also bei fehlerloser Anwendung, ist allerdings die Pille sicherer. D.h., wenn Du Dir sicher bist, dass Du täglich an die Einnahme denkst, bist Du mit der Pille gut beraten.

Pearl-Index NFP: Fast so sicher wie Hormone und Kupfer

Allerdings solltest Du Dir meiner Erfahrung nach trotzdem gut überlegen, ob Du hormonell verhüten möchtest. Denn auch wenn der Pearl-Index verlockend niedrig ist, so haben alle hormonellen Verhütungsmethoden einen großen Nachteil: Sie greifen dauerhaft und großflächig in den Hormonhaushalt Deines Körpers ein. Das kann nicht nur gesundheitliche Folgen haben, sondern auch Deine Stimmung und Dein ganzes Wesen deutlich verändern.

Zum Glück gibt es natürliche Verhütungsmethoden, die bei richtiger Anwendung ebenso sicher sind wie die Anti-Baby-Pille: NFP bzw. symptothermale Methoden. Diese erfordern zugegeben etwas mehr Disziplin und Aufwand, dafür kommen sie ohne Fremdstoffe oder Fremdkörper aus. Verhütungscomputer bzw. Bluetooth-Basalthermometer können außerdem die Durchführung erheblich erleichtern.

Pearl Index Temperaturmethode und Kalendermethode

Laien verwechseln häufig die symptothermale Methode, bei der immer die Messung der Basaltemperatur mit einem weiteren Zyklusmerkmal kombiniert wird, mit anderen Methoden. Die Temperaturmethode zum Beispiel beruht nur auf der Messung der Aufwachtemperatur und ist damit sehr viel unsicherer. Die Billingsmethode dagegen beobachtet nur den Zervixschleim und ist ebenfalls nicht so sicher.

Die Kalendermethode zählt sogar nur die Tage seit Beginn des Zyklus und ist damit höchst unsicher.

Wie sicher ist die pull-out Methode?

Über die sogenannte Rauszieh-Methode (engl. withdrawl) wird ja häufig die Nase gerümpft. Habe ich genauso gemacht – bis ich von einer Studie aus dem Jahr 2008 erfahren habe, die sich mit der tatsächlichen Sicherheit der pull-out Methode beschäftigt. Demnach kommt die Methodensicherheit mit 4% zwar nicht an die von hormonellen Verhütungsmethoden heran, ist aber nur 2% höher als die des Kondoms.

Der Grund, warum sich mit dieser Methode so selten Studien befassen scheint klar: Hier gibt es nichts zu Verdienen oder zu Verkaufen.

Pearl-Index: Definition und Probleme

Zum Abschluss will ich Dir noch etwas näher erläutern, wie der Pearl-Index berechnet wird und welche Probleme mit dem entstehenden Wert verbunden sind.

Für die Berechnung des Pearl-index gibt es zwei Formeln. Die erste geht davon aus, dss eine Frau innerhalb eines Jahres 13 Menstruationszyklen durchläuft:

Die zweite Formel geht von 12 Monaten aus:

Mit dem daraus errechneten Wert gibt es allerdings, wie oben bereits angedeutet, einige Schwierigkeiten. Denn dieser rechnerische Wert berücksichtigt die folgenden Punkte nicht:

  • Manche Frauen werden schnellerer schwanger als andere.
  • Wie häufig das Paar Sex hat.
  • Die Wahrscheinlichkeit, trotz des Verhütungsmittels schwanger zu werden, erhöht sich wohl mit der Laufzeit einer Studie – damit sind Pearl-Indexwerte, die mit 12 Monaten oder 12 Jahren Laufzeit gemacht wurden, nicht vergleichbar.
  • Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl sind representativer.
  • Anwendungsfehler kommen bei manchen Verhütungsmitteln häufiger vor, werden aber nicht immer als solche wahrgenommen oder protokolliert .

Die Werte der einzelnen Verhütungsmittel und Studien sind also nur bedingt miteinander vergleichbar. Eine grobe Richtung gibt der Pearl-Index aber trotzdem vor.

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