Sauber mit einem Jahr: Geht das?


Kürzlich habe ich einen Artikel veröffentlicht, in dem ich erwähne, dass die Kinder meiner Hebamme mit Hilfe von Stoffwindeln mit nur einem Jahr trocken waren. Zu Recht hat eine Leserin auf Facebook kommentiert, dass sie sich das niemals vorstellen könne und für eine Lüge halte. Ich war ja damals selbst überrascht, das zu hören, sah aber keinen Grund, warum sie mich anlügen sollte. Nachdem ich nun ein Buch über Windelfreiheit gelesen habe, kann ich mir allerdings erklären, wie sie das gemacht hat.

Lini Lindmayer schreibt in ihrem Buch “Windelfrei? So geht’s!”, wie Eltern ihre Babys ohne Windeln aufziehen können und was das für Vorteile hat. Neben der Kostenersparnis und der Umweltfreundlichkeit fördert dieses Vorgehen nämlich auch die Bindung zwischen Eltern und Kind. Im Rahmen der sog. natürlichen Säuglingspflege kommunizieren Eltern mit ihren Kindern über all deren Bedürfnisse – ein Teilbereich davon ist die Kommunikation über das Ausscheidungsbedürfnis.

Theoretisch können Babys ihr Ausscheidungsbedürfnis nämlich wahrnehmen. Das können Sie laut Lindmayer von Geburt an und sie signalisieren dieses auch so für die Eltern. Da wir es in unserer Gesellschaft gewohnt sind, unsere Babys in Windeln zu wickeln, achten wir nicht auf die Signale und handeln nicht entsprechend. Das Baby hört dadurch irgendwann auf, dieses Bedürfnis zu signalisieren, weil es keine Beachtung findet. Wenn wir allerdings mit unserem Baby über Kommunizieren und eine entsprechende Handlung folgt, ist es möglich, ab der Geburt ohne Windeln zu leben. Auch in anderen Kulturen, zum Beispiel in Afrika funktioniert das problemlos. Warum also nicht auch bei uns?

Häufig wird dabei – wie ich auf Nachfragen erfahren habe auch bei meiner Hebamme – eine Kombination aus Stoffwindeln und windelfrei praktiziert. Sobald die Eltern ein Ausscheidungsbedürfnis wahrnehmen, wird das Kind über einem Töpfchen, der Toilette oder dem Waschbecken abgehalten. Wenn doch mal was daneben geht, landet es eben in der Stoffwindel. Sobald Kinder anfangen, unabhängig zu werden, das heißt, Dinge selbst tun zu wollen, möchten sie auch selbst aufs Töpfchen gehen. Und das kann durchaus schon mit einem Jahr passieren.

Ein kleines Baby, das ins Töpfchen macht, klingt unmöglich? Natürlich haben wir selbst die ersten Versuche unternommen. Ich habe es innerhalb von weniger als einer Woche geschafft, dass jedes große Geschäft unseres Sohnes außerhalb der Windel landet. Auch nachts. Das reduziert die Wäsche bei Stoffwindeln um ein Vielfaches und auch den Stress mit Windeln wechseln – vor allem nachts. Und tatsächlich habe ich das Gefühl, den Kleinen in diesen Tagen noch mal ein wenig besser kennengelernt zu haben, auch mein Mann kann bestätigen, dass unsere Beziehung inniger und vertrauter geworden ist. Wir benutzen dazu ein ganz normales Töpfchen von NUK. Die seitlichen Einkerbungen lassen sich super nutzen, um den Kleinen in der Wiegehaltung abzuhalten und am Steiß ein wenig zu stützen.

Leider wissen die wenigsten Eltern von der Möglichkeit, Kinder windelfrei groß zu ziehen und noch weniger beschäftigen sich damit. Auch ich habe erst davon erfahren, als unser Kleiner schon mehr als einen Monat alt war. Am erfolgsversprechendsten ist es natürlich, ab der Geburt mit dem Kind über sein Ausscheidungsbedürfnis zu kommunizieren und ihn früh windelfrei zu lassen. Laut Leni Lindmayer ist es aber auch möglich, mit windelfrei zu beginnen, wenn das Kind schon viele Monate alt ist.

Wir jedenfalls sind froh, von der Möglichkeit erfahren zu haben und würden das Buch jedem empfehlen. Selbst wer nicht ganz windelfrei leben möchte, stärkt durch die Kommunikation mit dem Baby auf jeden Fall die Bindung und kann viel Wissenswertes aus der Lektüre mitnehmen.

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Ein Kommentar zu Sauber mit einem Jahr: Geht das?

  1. Das ist definitiv keine Lüge mit dem einen Jahr, da ich selbst mit einem Jahr trocken war (85′ geboren). In der DDR war das sogar normal, dass die Kinder so früh trocken waren, da war es eher seltsam, dass Kinder mit 2 Jahren noch mit Windeln herumlaufen.

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