Windelfrei:

Funktioniert windelfrei wirklich?


Unser Baby war gerade einmal 6 Wochen alt, da haben wir uns entschieden, es mit windelfrei zu versuchen. Das heißt, wir haben versucht, auf die Signale unseres Kleinen zu hören und ihn abzuhalten – über ein Töpfchen, einen Eimer oder die Toilette – wenn er mal muss. Heute ist er 13 Monate alt und ich möchte berichten, wie oder ob das bei uns geklappt hat.

Kommunikation mit Säugling klappt

Nach den ersten Wochen unserer Windelfrei-Zeit waren wir wirklich begeistert. Es ist faszinierend, dass man wirklich so gut mit einem Säugling kommunizieren kann, dass viele Ausscheidungen nicht mehr in der Windel, sondern am dafür vorgesehenen Ort landen. Zugegeben, mit dem Pipi machen hat es nur an Tagen geklappt, an denen wir wirklich Ruhe hatten und ich mich sehr im Einklang mit dem Kleinen fühlte. Aber viele Wochen und Monate gab es sehr wenige bis gar keine Stinke-Windeln. Als Stoffwindel-Eltern hat uns das natürlich sehr gefreut und war in Sachen Wäsche eine große Entlastung. Denn Pipi-Windeln kann man einfach mit der normalen Wäsche waschen, Urin ist fast steril und Baby-Urin riecht kaum.

Ich höre immer wieder, dass Kinder unter 1 1/2 Jahren ihre Ausscheidungen noch gar nicht kontrollieren können, weil sie die Muskeln nicht spüren können. Unser Sohn hat mir das Gegenteil bewiesen. Zum Beispiel hat er so gut wie nie gepullert oder gedrückt, wenn er bei uns in der Trage saß. Er wurde dann zwar quengelig, hat aber nach Möglichkeit gewartet, bis er draußen war. Niemand kann mir erzählen, dass das immer Zufall war.

Das große Aber

Warum spreche ich in der Vergangenheit? Das ganze hat gut geklappt, solange er noch nicht mobil war. Mit 6 Monaten konnte er dann krabbeln und mit dem Abhalten war es schlagartig vorbei. Das hätte nämlich bedeutet, dass er stillhalten müsste und das ist seitdem für ihn fast unmöglich geworden. Er möchte den ganzen Tag aktiv sein, die Welt erkunden, sich ausprobieren. Und weil windelfrei nichts mit Töpfchentraining oder sauber werden zu tun hat, haben wir seinen Widerwillen respektiert und irgendwann mehr oder weniger ganz aufgehört, ihn abzuhalten.

Das einzige, was geblieben ist, ist seine Morgentoilette. Wer morgens mit ihm aufsteht – zur Zeit ist das glücklicherweise hauptsächlich mein Mann – hält ihn über einem Eimer in der Badewanne ab, wo er sein großes Geschäft erledigt, und zwar ausnahmslos immer. Dagegen wehrt er sich auch nicht im geringsten.

Funktioniert windelfrei also?

Funktioniert windelfrei also? Jein. Leider sind wir nie so weit gekommen, dass unser Kind wirklich ohne Windeln sein konnte. Trotzdem würde ich den Weg immer wieder gehen. Ich finde es schön, dass wir ihn so gut kennen, dass wir sogar wissen, wann er zur Toilette muss.

Eine weitere positive Auswirkung hat das Ganze außerdem: Seit einigen Wochen benutzen wir das Töpfchen. Auch hier beweist er uns, dass er seine Ausscheidungen sehr wohl kontrollieren kann. Denn sehr häufig geht sein großes Geschäft auch da hinein, wenn wir ihn draufsetzen. Und obwohl er ansonsten sprichwörtlich Hummeln im Popo hat, bleibt er so lange sitzen, bis er fertig ist. Wenn er nicht muss, bleibt er entweder noch etwas sitzen und lässt sich “entertainen” (wir lesen gemeinsam ein Buch oder sehen uns ein Spielzeug gemeinsam an) oder steht einfach auf. Auch wenn er das Abhalten irgendwann nicht mehr mochte, scheinen uns diese ersten Lebensmonate mit Windelfrei-Konzept also doch langfristig positiv zu beeinflussen – uns, weil wir das Vertrauen in ihn haben, dass er schon selbst weiß, ob er muss, und ihn, weil er eben diese Kompetenz nicht verlernt hat.

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