Scharfes Essen und Stillen scharf essen in der Stillzeit

Scharfes Essen und Stillen: Was ist zu beachten?


Pikante Spaghetti Arrabiata oder ein feuriges Thai-Curry zählen zu Deinen absoluten Lieblingsgerichten? Aber Du bist eine frisch gebackene Mama und stillst. Dann fragst Du Dich vielleicht, ob Du bei Chilis, Cayennepfeffer und Peperoni bedenkenlos zuschlagen darfst – oder ob das Auswirkungen auf die Muttermilch hat. Heute kläre ich auf, ob scharfes Essen und Stillen zusammenpassen oder nicht. 

Wunder Po durch scharfes Essen? 

Viele Eltern haben Bedenken, dass scharfes Essen und Stillen zu Problemen führt. Das Baby könnte eventuell Bauchschmerzen, Blähungen und einen wunden Po bekommen. Tatsächlich gibt es einige Lebensmittel, die während der Stillzeit verboten sind. Glücklicherweise zählen Knoblauch, Pfeffer & Co. nicht dazu.  

Säuglinge reagieren unterschiedlich auf verschiedene Geschmäcke. Manche Babys haben nach dem Stillen weder mit scharfem Essen noch mit Kohl oder Zwiebeln ein Problem. Bei anderen machen sich allerdings Beschwerden breit.  

Beobachte deshalb Deinen Nachwuchs ganz genau. Wie reagiert er darauf, wenn Du ungarisches Gulasch mit ordentlich Pfeffer isst? Grundsätzlich ist scharfes Essen und Stillen erst einmal nicht problematisch für Säuglinge. Wenn Du aber merkst, dass Dein Baby danach unruhig wird, dann reduziere die Menge bzw. die Schärfe. Scheint der Säugling nach Currys & Co. unter Bauchschmerzen zu leiden, vermeide diese scharfen Speisen erst einmal.  

Verändert scharfes Essen die Muttermilch? 

Es ist erwiesen, dass Muttermilch ihren Geschmack verändern kann. Und zwar abhängig davon, was Du isst. Allerdings sind nur leichte Geschmacksunterschiede erkennbar.  

Das Forscherteam um Prof. Dr. Andrea Büttner vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beschäftigte sich eingehender mit dem Thema. In ihrem Fokus stand der Knoblauch. Isst die Mutter rohen Knoblauch, dann verändern sich Geruch und Geschmack der Stillflüssigkeit. Das liegt an einem Stoffwechselprodukt, dass der Körper der Stillenden produziert. Weitere Forschungen haben gezeigt, dass Babys durchschnittlich länger an der Brust blieben, wenn die Mamas vorher Gerichte mit Knoblauch gegessen hatten. Durch die höhere Stilldauer produzierten die Mütter im Umkehrschluss auch mehr Milch.  

Es haben allerdings nicht alle Nahrungsmittel einen Einfluss auf den Geschmack der Muttermilch. Und selbst wenn dem so ist, bekommt Dein Baby beim Stillen nur einen geringen Anteil der Gewürze ab.  

Ist der Geschmack sehr ungewohnt, kann Dein Baby ablehnend auf die Muttermilch reagieren. Du hast die Möglichkeit, Deinem Säugling schon während der Schwangerschaft Deine Essensvorlieben anzutrainieren. Denn auch das Fruchtwasser kann den Geschmack von bestimmten Speisen annehmen. Auch hier ist es so, dass sich das Aroma nur ganz leicht verändert. Der Säugling bekommt einen ersten Eindruck.  

Einige Menschen behaupten, dass der Gaumen von Babys geprägt werden kann. Wenn sie während der Stillzeit mit scharfem Essen und zahlreichen anderen Geschmäckern in Berührung kommen, würden sie später abwechslungsreicher speisen. Dafür gibt es aktuell noch keine Studien, die diese Annahme belegen.  

Vor- und Nachteile von scharfem Essen und Stillen 

Frisch gebackene Eltern sehen die Welt mit anderen Augen. Es gibt ganz viele Dinge, die bisher selbstverständlich waren und jetzt wieder oder neu ausprobiert werden wollen. Dazu gehören vielleicht auch scharf gewürzte Speisen. Mach ruhig den Eigenversuch. Fange mit kleinen Mengen Deiner Lieblingsgewürze an. Aus medizinischer Sicht ist normalerweise nichts dagegen einzuwenden. Scharfes Essen kann beim Stillen sogar verschiedene Vorteile liefern. Das gilt natürlich nur, wenn Du stillst. Wenn Du die Brust nicht gibst, kannst Du essen, was Du möchtest. 

Vorteile von scharfem Essen beim Stillen 

Das Verdauungssystem eines Neugeborenen muss erst einmal mit der Nahrungsaufnahme klarkommen. Im Bauch wurde das Baby über die Nabelschnur versorgt. Jetzt trinkt es. Diese Umstellung kann für Magen und Darm eine Herausforderung darstellen. Die scharfen Gewürze gelangen beim Stillen nicht direkt in das Verdauungssystem des Babys. Nur die Stoffwechselprodukte der Mutter erreichen über die Milch das kleine Bäuchlein. So kann sich der Organismus des Nachwuchses langsam an die unbekannten Stoffe gewöhnen.  

Kommt es allerdings zu unerwünschten Reaktionen, leg eine Pause ein. Probiere scharfes Essen vor dem Stillen erst in ein paar Wochen wieder aus. Vielleicht ist dann das Verdauungssystem des Babys bereits ausgereifter.  

Ist Dein Baby schon ein paar Monate alt, möchtest Du vielleicht langsam auf feste Nahrung umstellen. Kennt der Säugling bereits verschiedenste Aromen, kann das Abstillen unkomplizierter sein. Natürlich gibst Du dem Baby keine scharf gewürzten Gerichte zum Einstieg. Aber durch das scharfe Essen beim Stillen haben sich die Geschmacksknospen Deines Babys bereits gut entwickelt. Möglicherweise schreckt es das intensive Aroma von Karotte und Pastinake nicht ab. Denn es weiß bereits, wie Knoblauch und Pfeffer schmecken.  

Die Vorteile zusammengefasst:

  • Mit geringen Mengen und schrittweiser Erhöhung die Verdauung stärken 
  • Erleichtertes Abstillen durch Geschmackserkennung 

Nachteile von scharfem Essen in der Stillzeit 

So wie die allermeisten Dinge im Leben, kann auch Stillen nach scharfem Essen zu Nachteilen führen.  

In Ausnahmefällen entstehen beim Säugling Unverträglichkeiten. Gerade wenn beide Elternteile unter Lebensmittelunverträglichkeiten leiden, besteht ein erhöhtes Risiko. In diesen Fällen sind 60 % der Babys von Allergien betroffen. Eine Allergie macht am deutlichsten durch einen Ausschlag auf sich aufmerksam. Allerdings können auch folgende Anzeichen für eine Unverträglichkeit sprechen: 

  1. Schwellungen an Augen und Lippen  
  1. Laufende Nase und geröteten Augen 
  1. Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen  
  1. Atemnot, Keuchen, Niesen 

Dann stellst Du am besten sofort Deine Essgewohnheiten um. Du solltest auch eine/n Ärztin/Arzt aufsuchen, wenn Du den Eindruck hast, Dein Baby entwickelt eine Allergie.  

Auch Koliken und Blähungen können als negative Folgen von scharfem Essen beim Stillen auftreten. Ich empfehle Dir erst einmal mit geringen Dosen von Chili, Cayennepfeffer und Peperoni zu starten. Verträgt Dein Baby die Muttermilch danach gut, kannst Du langsam die Menge erhöhen. Bis zu dem Punkt an dem Dein Geschmacksnerv zufrieden ist.  

Die Nachteile zusammengefasst:  

  • Eine Unverträglichkeit oder Allergien könnten sich entwickeln
  • Koliken und Blähungen sind möglich

Scharfes Essen und Stillen: Gesundheitseffekt für Mamas 

Ernähre Dich in der Schwangerschaft und Stillzeit möglichst ausgewogen. So kann einigermaßen sichergestellt werden, dass die Nährstoffversorgung von Dir und Deinem Baby reibungslos klappt. Scharfes Essen bietet der Stillenden einige gesundheitliche Vorteile.  

Die Schärfe in unseren Nahrungsmitteln wird durch unterschiedliche Stoffe verursacht: 

  • Allicin  
  • Capsaicin 
  • Gingerol 
  • Piperin 
  • Senföl 

Durch den leichten bis starken Schmerz, den die Schärfe verursacht, werden Endorphine ausgeschüttet. Sie heben die Laune. Das bedeutet jetzt nicht, dass Dir scharfes Essen gegen Schwangerschaftsdepression hilft. Aber es kann für bessere Stimmung sorgen.  

Nachdem Du ein scharfes Chili con Carne verdrückt hast, schwitzt Du vermutlich leicht. Gerade bei hohen Außentemperaturen können scharfe Speisen für Linderung sorgen. Durch die erhöhte Schweißproduktion kühlt Dein Körper besser ab.  

Auch die Verdauung wird durch scharfe Speisen beim Stillen gefördert. Die frisch gebackenen Mamas dürfen sich außerdem über vermehrten Speichelfluss durch Capsaicin und Piperin freuen. Das hilft der Zahngesundheit. In heißen Ländern werden scharfe Gewürze außerdem genutzt, um das Essen haltbarer zu machen. Denn Inhaltsstoffe wie Senföl und Allicin unterdrücken die Ausbreitung schädlicher Bakterien auf dem Essen. So kann scharfes Essen in der Stillzeit einen positiven Effekt auf Mama und Baby haben.  

Vorsicht: Sicherheitshalber möchte ich hier nochmal erwähnen, dass Dein Baby keine direkte Berührung mit Chili, Pfeffer und Knoblauch haben sollte. Gib Säuglingen keine scharfen Speisen! Wenn Du für Dich selbst ein Curry oder Chili zubereitest, dann wasche Dir anschließend gründlich die Hände. Du solltest das Baby nicht mit Rückständen von Capsaicin oder Piperin an den Fingern berühren. Es kann sonst zu Schmerzen und Reizungen von Haut und Schleimhäuten kommen.  


Du bist eine bekennende Scharfesserin? Vielleicht magst Du uns über Deine Erfahrungen mit scharfem Essen beim Stillen berichten? Hinterlasse gerne einen Kommentar, wie Dein Baby Chilis und Peperoni über die Muttermilch vertragen hat.  

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