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Schiefkopf und Plattkopf beim Baby: Das hilft bei Kopfverformung


Bei vielen Unregelmäßigkeiten in der Entwicklung von Babys kann man hoffen, dass sie sich “auswachsen”. Lebensmittelallergien zum Beispiel oder leichte Entwicklungsverzögerungen. Eine Kopfverformung beim Baby (Plattkopf: Brachycephalus oder Schiefkopf: Plagiocephalus) gehört leider in den meisten Fällen nicht dazu. Weil ein ungleichmäßig geformter Kopf später zu ernsthaften, gesundheitlichen Problemen führen kann, sollten Eltern dieses Problem nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Warum verformt sich der Kopf bei Babys?

Die Fontanellen sind bei Neugeborenen noch offen, d.h. die Schädelplatten sind noch nicht miteinander verwachsen. Das ist wichtig, damit sie sich während der Geburt zusammenschieben können und das Baby durch den Geburtskanal passt. Erst nach etwa zwei Jahren sind alle Öffnungen am Kopf verknöchert bzw. verknorpelt. Dann ist es kaum mehr möglich, die Kopfform zu verändern / zu korrigieren.

Vorher kommt es leider durch verschiedene Einflüsse dazu, dass die Schädelplatten sich während der ersten Lebensmonate verschieben und die natürliche Kopfform des Kindes sich verändert. Vor allem in den ersten 12 Lebensmonaten ist der Kopf noch sehr stark formbar.

Problematisch werden Kopfverformungen beim Baby meist dann, wenn sie einseitig sind – und das ist leider sehr häufig der Fall. Denn der Hinterkopf neigt sich beim Schlafen auf dem Rücken fast immer zu einer Seite, meistens zur selben. Dadurch wird auf einer Seite am Hinterkopf dauerhaft mehr Druck ausgeübt und die Schädelplatten verschieben sich entsprechend. Das Baby bekommt eine seitliche Abflachung. Medizinisch spricht man von einer lagebedingten Plagiocephalie.

Die empfohlene und sinnvolle Rückenlage von Säuglingen zur Vermeidung des plötzlichen Kindstods kann auch zu einer gleichmäßigen Abflachung des Hinterkopfes und damit zum sogenannten Plattkopf (Brachycephalie) führen. Sie fällt wie der Schiefkopf in der Regel in der sechsten bis achten Lebenswoche auf.

Kopfverformung beim Baby vorbeugen

Um vorbeugen zu können, dass sich bei Deinem Baby eine Kopfverformung ausbildet, ist es zunächst wichtig zu verstehen, welche Einflüsse dazu führen können.

Grundsätzlich verformt sich der Kopf des Babys immer dann, wenn es über Wochen und Monate hinweg zu lange auf derselben Stelle oder auf einer Seite liegt. Die Ursachen dafür können sein:

  • ausschließliches Schlafen auf dem Rücken (Prävention des plötzlichen Kindstodes)
  • Fixierung in Rückenlage im Kinderwagen
  • “Lieblingsseite” des Babys durch Blockaden oder Erkankungen (z.B. KISS-Syndrom)

Wenn Du einer Kopfverformung bei Deinem Baby vorbeugen möchtest, musst Du also dafür sorgen, dass es möglichst in verschiedenen Positionen liegt. Als Maßnahme kommen in Frage:

  1. Häufiges Tragen im Tragetuch oder Babytrage.
  2. Behandlung beim Osteopathen.
  3. Seitenlagerungskissen.
  4. Kopfformungskissen.
  5. Häufiges Liegen auf dem Bauch in Wachphasen.

Plattkopf oder Schiefkopf beim Baby: Das sind die Folgen

Wenn ein platter Hinterkopf oder ein schiefer Kopf trotzdem bestehen bleiben, solltest Du dringend handeln. Denn auch wenn viele Ärzte oder Laien das Problem als rein kosmetisch abtun, kann ein Schiefkopf oder Plattkopf beim Baby schlimme Folgen haben.

Nicht nur die äußere Form verändert sich. Auch Gehörgänge, Kiefermuskulatur und der Schädelbasis leiden unter der Verformung. Für den Schiefkopf gilt außerdem: Weil die Belastung auf die Wirbelsäule nun auf einer Seite größer ist, als auf der anderen, muss der Körper das ausgleichen. Die Folgen können sein:

  • skoliotische Fehlhaltung (dauerhaft gekrümmte Wirbelsäule)
  • starke Rückenschmerzen
  • schiefe Hüfte
  • Augenprobleme
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Kieferprobleme

Für Kinder führt die verschobene Ohrachse in schlimmen Fällen zu motorischen, und sensomotorischen Entwicklungsverzögerungen.

Das kannst Du vorbeugend gegen die Kopfverformung tun

Neben den oben genannten Maßnahmen zur Vorbeugung einer Kopfverformung beim Baby solltest Du unbedingt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Zunächst kann es schon helfen, ab jetzt ein orthopädisches Kissen oder ein Seitenlagerungskissen zu nutzen. Auch eine Therapie beim Osteopathen oder Physiotherapeuten kann die Ursachen für den schiefen Hinterkopf beheben.

Orthopädisches Babykissen

Ein Kissen mit einer Auswölbung in der Mitte sorgt dafür, dass Säuglinge gerade liegen, wenn sie auf dem Rücken schlafen. Bei ganz leichten Verformungen des Schädels kann das schon ausreichen. Häufig werden solche Kissen auch zur Vorbeugung empfohlen.

Seitenlagerungskissen

Wenn sich bereits eine starke Kopfverformung beim Baby auf einer Seite des Hinterkopfes ausgebildet hat, empfehlen Fachärzte eine Seitenlagerungstherapie. Dabei vermisst der Arzt den Kopf Deines Babys und stellt fest, auf welcher Seite es schlafen soll, damit sich die Kopfverformung zurückbildet. Dies ist übrigens nur möglich, wenn die Verformung früh erkannt wird und noch nicht sehr ausgeprägt ist.

Zu etwa 2/3 der Zeit, in der das Baby liegt, lagerst Du es dann auf dieser Seite. Damit es nicht von der Seite auf den Bauch rollt, haben solche Keilkissen einen Wegrollschutz integriert.

Tipp: In den ersten Lebenswochen kannst Du statt eines Seitenlagerungskissens auch Handtuchrollen unter dem Bettlaken verwenden.

Regelmäßige ärztliche Kontrollen

Wichtig ist bei jeder Form der Therapie, dass Du regelmäßige Kontrolltermine einhältst. Denn irgendwann hat sich die Schädelform zurückgeformt und eine Seitenlagerung ist nicht mehr nötig bzw. würde das Problem nun auf der anderen Seite schaffen.

Wann braucht das Baby eine Helmtherapie?

Wenn das nicht ausreicht, droht eine sogenannte Kopforthese – eine Therapie mit Helm. Das ist wirklich keine schöne Sache, denn der speziell an das Kind angepasste Kopfring muss 23 Stunden täglich getragen werden. Natürlich stört er Babys unter Umständen. Sie schwitzen darunter und wollen ihn abnehmen. Trotzdem würde ich so eine Helmtherapie auf jeden Fall machen lassen, wenn sonst nichts geholfen hat. Denn sonst begleiten die negativen Folgen Dein Kind sein Leben lang.

Quellen: Haltungsasymmetrie bei Säuglingen: Beobachtung, Handling und Lagerung. K. Stoevesandt – Die Hebamme, 2019 – © Georg Thieme Verlag KG

Lagerungsbedingte Schädeldeformitäten (aerzteblatt.de)

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