Schreibabys

Schreibaby – Wenn der Nachwuchs schreit und schreit und schreit


Babys schreien – weil sie hungrig sind, weil sie Bauchschmerzen haben, weil die volle Windel stört oder weil sie sich alleine fühlen. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein Baby gelegentlich schreit. Doch ab wann ist ein Baby eigentlich ein klassisches Schreibaby? Und wie kannst Du Dir und Deinem Kind in Eurer Situation helfen?

Ich möchte heute über ein wichtiges Thema schreiben, das viele Eltern verunsichert und manche Mutter und manchen Vater bis in die völlige Verzweiflung treibt. Etwa jedes 10. Kind in Deutschland ist ein Schreibaby. Oft versteht nicht einmal das nahe Umfeld, wie kräftezehrend und anstrengend es für die Eltern sein kann, ein Schreibaby zu haben.

Was ist ein Schreibaby?

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich persönlich den Begriff des Schreibabys nicht besonders mag, weil er das Baby rein auf das Schreien reduziert. Dabei ist das Schreien an sich völlig normal, weil ein Baby damit seine Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck bringt. Weinen und Schreien sind die Sprache der Kleinsten, die in den ersten Lebenswochen schlicht noch nicht in Worten sagen können, was ihnen fehlt. Und auch wir Eltern müssen erst lernen, die Zeichen unseres Babys richtig zu verstehen, um schon vor dem ersten lauten Schrei reagieren zu können.

Klassische Schreibabys schreien indes nicht nur gelegentlich und kurz, sondern – laut Definition – in mindestens drei aufeinanderfolgenden Wochen an mindestens drei Tagen pro Woche mindestens drei Stunden lang.

Die Ursachen des Schreiens

Der Volksmund spricht im Zusammenhang mit Schreibabys meist von Dreimonatskoliken. Tatsächlich sind aber bei den wenigsten Babys Verdauungsprobleme die Ursache für das Schreien. Der Begriff der Dreimonatskoliken rührt daher, dass die meisten Kinder mit Vollendung des 3. Lebensmonats immer seltener schreien.

  • Interessant zu wissen: In der Praxis hat nur jedes 20. Schreikind eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Ebenso wenige Kinder leiden unter Problemen mit der Speiseröhre oder echtem Reflux, der dem Baby Schmerzen bereitet.
  • Ärzte und andere Wissenschaftler vermuten, dass die meisten Schreibabys eine Art Anpassungsstörung haben und auf unserer Welt erst ankommen müssen.
  • Außerdem ist immer wieder die Rede von Reizüberflutung. Eine hohe Lautstärke, unruhige Lichter, wechselnde Bezugspersonen und ein hektischer oder unregelmäßiger Tagesablauf im Alltag können ebenso dazu führen, dass ein Baby überfordert ist und übermäßig viel weint und schreit.

Was Du gegen das Schreien unternehmen kannst

Jedes Kind ist anders und auch jedes Schreibaby reagiert anders. Wenn Dein Baby zu den Kindern gehört, die viel, laut und schrill schreien, solltest Du zunächst versuchen, Ruhe zu bewahren. Ein Schreikind kann sehr kräftezehrend sein und Dich an Deine Grenzen bringen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Du auch auf Dich aufpasst.

Um Deinem Baby zu helfen, ist es sinnvoll, dass Du erst einmal abklären lässt, ob bei Deinem Kleinen körperlich alles in Ordnung ist. Sprich deshalb immer Deine Hebamme und den Kinderarzt an, wenn Du das Gefühl hast, dass Dein Baby ungewöhnlich häufig schreit. Oft kann auch ein Besuch beim Osteopathen hilfreich sein.

Sind physische Ursachen ausgeschlossen, kannst Du folgende Tipps ausprobieren:

  • Versuche, Euer Leben ruhiger und regelmäßiger zu gestalten. Feste Zeiten und Rituale helfen vielen Babys, schneller und besser im Leben anzukommen und sich zu regulieren.
  • Setze Dich mit der Körpersprache und den Zeichen Deines Babys auseinander. Wenn Du Dein Kleines genau beobachtest, erkennst Du früh(er), ob Dein Kind müde oder hungrig ist. So kannst Du gegebenenfalls dafür sorgen, dass Dein Baby weniger weint.
  • Vermeide Situationen, in denen Dein Baby „aufdreht“ und versuche, für die ersten Wochen eine möglichst reizarme Umgebung zu schaffen. Oft hilft es schon ein wenig, die Zimmer abzudunkeln.
  • Auch häufiges Tragen mit viel Körperkontakt, Fahrten im Kinderwagen, eine Federwiege oder eine elektrische Schaukel können Dein Kind beruhigen.
  • Manchmal hilft genau das Gegenteil von ruhig und leise: Gleichmäßige, laute Geräusche wie das eines Föhns, das der Spülmaschine oder der Sound der Mikrowelle erinnern Dein Kind an die Zeit im Mutterleib.
  • Gib Deinem Baby die Nähe, die es braucht – auch wenn es Dir in Schreizeiten vielleicht schwerfällt.

Wenn Du mit Deinen Kräften am Ende bist

Wer noch kein Schreibaby hatte, kann es schlecht nachvollziehen, aber es ist tatsächlich so: Schreibabys bringen Eltern an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Du solltest Dir deshalb unbedingt Hilfe suchen, wenn Du merkst, dass Du mit deinen Kräften am Ende bist.

Versuche unbedingt Freiräume für Dich zu schaffen, damit Du durchatmen kannst. Spanne die Großeltern ein, Deinen Partner, einen Babysitter oder einen guten Freund, der Dir Dein Kind für einige Stunden abnehmen kann.

Schäme Dich nicht, wenn Du traurig bist. Aber hole Dir Hilfe, wenn Du nicht mehr weiter weißt oder Du aggressive Gefühle Deinem Kind gegenüber entwickelst.

Auch Selbsthilfegruppen, Gesprächskreise und der Austausch mit anderen Eltern, die ebenfalls Schreibabys haben, können Dir helfen.

Daneben stehen Dir “Wellcome”, ein Verein, der Familien ehrenamtlich begleitet, Deine Hebamme oder die Schreiambulanz vor Ort als Unterstützung zur Verfügung — die Du unbedingt nutzen solltest, wenn Du sie benötigst.

Ich wünsche Dir und Deinem Kind alles Gute!

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