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Schreibaby beruhigen: Unsere Hebamme gibt Tipps


Immer häufiger stehe ich als Hebamme schwangeren Frauen gegenüber, die bereits vor der Geburt Angst davor haben, ein Schreikind zu bekommen. Auch in der Wochenbettbetreuung ist die Frage, wie viel Schreien normal ist, immer wieder Thema. Und natürlich auch, wie man ein Schreibaby beruhigen kann.

Tatsächlich ist die Zahl der “Schreibabys” in den letzten Jahren angestiegen.

Aber was können die Gründe für andauernde Schreiattacken im frühen Säuglingsalter sein? Woran erkennst Du, ob Du ein Schreibaby hast? Welche Möglichkeiten der Beruhigung gibt es? Und – ganz wichtig – wo kannst Du Dir Hilfe holen?

Über diese Themen möchte ich heute sprechen.

Was ist überhaupt ein Schreikind?

Vor einigen Jahren habe ich im Rahmen eines Vortrages von der sogenannten “Dreierregel” als Definitionsgrundlage für die Bezeichnung “Schreibaby” gehört. Im Rahmen meiner Recherchen für diesen Artikel durfte ich feststellen, dass sich daran scheinbar nichts geändert hat.

Von einem Schreibaby spricht man dann, wenn Dein Kind…

  • über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen
  • an mindestens drei Tagen pro Woche
  • drei Stunden oder länger am Tag schreit

Häufig wird von betroffenen Familien berichtet, dass diese Schreiattacken relativ plötzlich auftreten und in den meisten Fällen unstillbar sind.

Warum ist ausgerechnet mein Kind ein Schreibaby?

Tief in uns Menschen verwurzelt ist ja stets und ständig die Frage nach dem “warum”. Und in uns Müttern ganz besonders tief verwurzelt sind die Fragen “Liegt es an mir? Trage ich Schuld? Was mache ich falsch?”

Zunächst einmal: Selbst Kinderärzte, Psychologen und Neurowissenschaftler sind sich nicht einig darüber, woher diese unstillbaren Schreiattacken kommen können.

Häufige Ursachen für unstillbares Schreien

Allerdings gibt es wohl einige Beobachtungen, die man bei Babys machen konnte, die unter Schreiattacken leiden. Die wichtigsten spreche im im Folgenden an.

Dreimonatskoliken bzw. Unreife des Magen-Darm-Trakts

Früher wurden die Begriffe “Schreibaby” und “Dreimonatskolik” fast synonym verwendet, so als sei es das Gleiche. Heute geht man die Problematik zwar differenzierter an, geht aber immer noch davon aus, dass vielen Schreiepisoden eine schmerzhafte Regulationsstörung des Verdauungstraktes zugrunde liegt.

Diese Theorie wird auch von der Tatsache untermauert, dass sich das Schreien oft im Alter von 8-12 Wochen bessert – manchmal regelrecht von heute auf morgen.

Regulationsstörung des Babys

So eine Ankunft bei uns auf der Welt ist nicht für jedes Baby einfach. Die Geburt und auch die ersten Tage und Wochen halten eine Fülle von Eindrücken und Reizen für Dein Baby bereit, mit dem nicht jedes Kind gleich gut umgehen kann. Manche Kinder müssen ihre Überforderung und ihr Leid durch Schreien rauslassen, weil sie keine andere Möglichkeit der Regulation kennen.

Traumatische Erfahrungen in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Ähnlich wie auch Mamas erleben manche Babys die Zeit im Bauch, die Geburt oder eben auch die ersten Tage und Wochen außerhalb des Mutterleibes als traumatische Erfahrung. So kann eine stressige Schwangerschaft, psychische oder physische Gewalt aber auch drohende Frühgeburtlichkeit, langes Liegen, Angst und Medikamente in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das Baby mehr schreit. Ebenso wie traumatische Geburtserlebnisse oder eine frühe Trennung von der Mama, weil das Kind z.B. auf die Intensivstation musste.

Schreibaby beruhigen: Was Du tun kannst

Wie Du Dein Schreibaby beruhigen kannst, hängt natürlich immer davon ab, welcher Grund dem Schreien zu Grunde liegen könnte. Deshalb ist der erste Weg am Besten immer zum Kinderarzt, um körperliche Ursachen auszuschließen. Neben dem Kinderarzt ist Deine Hebamme natürlich immer Deine erste Ansprechpartnerin.

Wenn feststeht, dass keine behandlungsbedürftigen Ursachen für das Schreien Deines Babys exisitieren, gibt es ein paar Möglichkeiten, die bei vielen Babys zumindest eine Verbesserung der Situation herbeiführen können:

Schreibaby beruhigen durch Tragen

Egal, ob die Ursache für das Schreien im Bauchweh oder in der psychischen Verfassung des Babys begründet liegt: Tragen wirkt oft Wunder. Die Haltung in einer guten Babytrage oder einem korrekt gebundenen Tragetuch ermöglicht es Deinem Baby, leichter Luft oder auch Stuhlgang rauszulassen. Und die Bewegung, der Geruch nach Mama, die Körpernähe und -wärme tun ein Übriges.

Schreibaby beruhigen durch Ostheopathie

Ganz oft erlebe ich, wenn ich den Vorschlag mache, mit dem Baby zu einem Ostheopathen zu gehen, dass die Eltern erst einmal skeptisch reagieren und sich fragen, was das bringen soll. Aber ich kann sagen, dass ich schon wirklich tolle Erfolge miterlebt habe, auch bei Paaren, die nicht “an sowas” glauben.

Ostheopathie kann Deinem Baby helfen, sich von dem starken Druck zu erholen, der unter der Geburt auf seinen Schädelknochen und seinem Nacken lastete. Außerdem kann der Ostheopath Blockaden lösen, die bei Deinem Baby z.B. Schmerzen beim Trinken hervorrufen. Darüber hinaus gibt ein Baby-Ostheopath Dir Tipps zum schonenden Handling Deines Babys.

Schreibaby beruhigen durch feste Strukturen und Rituale

Ich sag es immer wieder: Babys sind Gewohnheitstierchen. Am Liebsten mögen sie immer gleiche Abläufe und verlässlich wiederkehrende Rituale, die ihnen in dieser neuen und fremden Welt Sicherheit und Struktur vermitteln. Welche sich für Dich als Mama oder Euch als Familie richtig und gut anfühlen, ist dabei ganz Euch überlassen. Mögliche Rituale für Dein Baby können sein:

  • Ein abendliches Bad
  • Das immer gleiche ruhige Lied, das Du ihm vorsingst – zum Beispiel, wenn Dein Baby zu hastig trinkt oder während Du es wickelst
  • Eine entspannende Babymassage

Schreibaby beruhigen durch Reiz-Reduzierung

Bei vielen Kindern spielt mit Sicherheit auch eine Form von Überreizung eine große Rolle. Ich komme häufig in ein perfekt eingerichtete Babyzimmer, in dem jeder Milimeter mit farbiger, blinkender oder Geräusche erzeugender Deko verziert ist. Manchen Babys ist das einfach zu viel, genauso wie permanente Reize von Außen durch viel Besuch oder Aktivitäten draußen.

Wenn Du merkst, dass Dein Baby schnell überreizt ist, versuche auf jeden Fall, Reizüberflutung zu umgehen oder das Kind so schnell es eben geht aus der Situation zu nehmen. Besucher können gerne kommen, das Baby bleibt aber bei Dir oder Deinem Partner im Tragetuch. Spielzeug ist gut und schön – aber noch nicht für Neugeborene und nicht dort, wo geschlafen oder gegessen wird. Du wirst schnell merken, wie viel für das individuelle Bedürfnis Deines Babys zu viel ist.

Weitere Tipps zum Baby beruhigen

Natürlich gibt es noch mehrere Tipps und praktische Helfer, mit denen Dein Baby in stressigen Situationen mehr Ruhe findet – in ihrem Artikel zum Thema Baby beruhigen gibt Mama Alison weitere hilfreiche Ratschläge für den Alltag.

Wo Du Hilfe findest, wenn Du ein Schreibaby hast

In vielen großen Städten gibt es inzwischen aufgrund der steigenden Nachfrage so genannte Schrei- und Schlafambulanzen.

Hier wird zunächst einmal durch eine gute Anamnese und viele, viele Fragen an Euch Eltern versucht, herauszufinden, welche Ursachen die Schreiattacken haben. Und wie Du als Mama oder Ihr als Eltern am Besten damit umgehen könnt. Gegebenfalls werden dort auch weitere Kontakte und Hilfsangebote vermittelt.

Suche die Schuld nicht bei Dir

Ganz wichtig für Dich als Mama: Du bist nicht Schuld. Dein Schreibaby ist nicht der Beweis dafür, dass Du bereits zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf ganzer Linie als Mama versagt hast. Und es ist auch kein Zeichen von Schwäche, sich in dieser Situation Hilfe zu holen – professionelle Hilfe, aber auch ganz praktische Hilfe im Haushalt, Entlastung bei schon vorhandenen Geschwisterkindern oder auch tatsächlich mal jemanden, dem Du das brüllende Kind in die Hand drücken kannst, wenn Du mit den Nerven am Ende bist. Denn das viele und lange Schreien führt eben manchmal auch dazu, dass die Bindung erschwert wird. Und soweit soll es auf keinen Fall durch falschen Ehrgeiz oder Scham kommen. Denn einer Sache kannst Du Dir ganz gewiss sein: Du bist nicht allein!

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