Trocken werden ab wann, Töpfchentraining, welches Alter

Trocken werden: So erkennst Du, ob Dein Kind bereit dafür ist


Es ist wohl eine der größten Umstellungen im Leben eines Kleinkindes: von der Windel zur Toilette zu wechseln. Solltest Du Dein Kind auf das Trocken darauf vorbereiten oder warten, bis die Signale von ihm kommen? Hier unsere Expertentipps.

Wie beim Gehen oder Sprechen lernen hat beim jedes Kind beim Trocken werden sein eigenes Tempo. Manche Kinder sind mit zwei oder drei Jahren tagsüber und nachts trocken, andere machen mit fünf Jahren noch ins Bett. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du früh ein Sauberkeitstraining startest, bei dem Du Deinen Schatz immer wieder aufs Töpfchen setzt. Das beschleunigt das Trocken werden überhaupt nicht. Es kann sogar das Gegenteil bewirken und Deinem Kind den Spaß am Abgewöhnen der Windel nehmen.

Diese Signale gibt Dir Dein Kind

Zunächst einmal: Mach Dir keine Sorgen. Jede Mama merkt, wann ihr Kind so weit ist, sich von der Windel zu verabschieden. Hör einfach auf Dein Bauchgefühl. Die ersten Hinweise zeigen sich meist im zweiten oder vielleicht sogar erst im dritten Lebensjahr:

  • Dein Kind hat zu regelmäßigen Zeiten einen normal geformten, weichen Stuhl und lässt ihn in der Nacht aus.
  • Die Windel bleibt immer öfter für einige Stunden trocken. Nach dem Mittagsschlaf ist sie nicht nass. Daran kannst Du erkennen, dass Dein Kind Urin zurückhalten kann und eine gut entwickelte Blasenmuskulatur hat.
  • Dein Kind kann sich alleine die Hose aus- und anziehen.
  • Es zeigt Interesse an Deinen Toilettenbesuchen.
  • Dein Kind sagte Dinge wie “Windel voll”, “Kacka machen” oder macht auf seine volle Windel aufmerksam.

Selbst wenn Dein Kind mehrere dieser Signale sendet: Bis zum letzten Schritt vergeht meist noch etwas Zeit. Der bekannte Schweizer Kinderarzt Remo Largo hat für seine “Schweizer Sauberkeitsstudie” von 2007 herausgefunden, dass Kinder im Schnitt mit 28 Monaten trocken werden. Komplett ohne Windel kommt die überwiegende Zahl sogar meist erst im Laufe des dritten oder vierten Lebensjahres aus.

In den Fünzigerjahren wollte man diesen Schritt nur allzu gerne beschleunigen. Damals wurden rund 96 Prozent aller Kinder mit knapp einem Jahr aufs Töpfchen gesetzt. In den Siebzigern waren es nur noch 20 Prozent. Das frühe Training änderte allerdings nichts daran, dass alle Kinder erst mit über zwei Jahren und später windelfrei waren.

Die 4-Phasen-Theorie: Warum ein Kind sie durchlaufen muss

In seinem Buch “Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt” beschreibt Herbert Renz-Polster mit der 4-Phasen-Theorie, warum Kinder erst dann trocken werden können, wenn sie folgende vier Entwicklungen durchlaufen haben:

Laut Renz-Polster bemerkt ein Kind in der ersten Phase, dass in seinem Bauch etwas passiert. In der zweiten Phase zieht es sich zurück, sobald es in die Windel macht. Es versteckt sich zum Beispiel im Schrank, unter den Tisch oder stellt sich in eine Ecke. In der dritten Phase kann Dein Kind Dir mitteilen, dass die Windel voll ist. In Phase vier gibt das Kind vorher Bescheid, dass es gleich so weit ist. Herbert Renz-Polster beschreibt dies als den Moment, in dem Du mit dem Weglassen der Windel beginnen und ein Töpfchen oder einen Toilettensitz anbieten kannst.

Werden Mädchen schneller trocken als Jungs?

Laut einer US-Studie des “Children’s Hospital Philadelphia” aus dem Jahr 2003 sind Mädchen im Schnitt mit drei Jahren und Jungs mit drei Jahren und zwei Monaten trocken. Mädchen hätten demnach einen kleinen zeitlichen Vorteil. Als Grund wird vermutet, dass Jungs ihr Glied kontrollieren sowie zwei Positionen (stehen und sitzen) erlernen müssen. Da ist schlicht Gelassenheit nötig und vor allem, dass Du Dich nicht von Deinem Umfeld verrückt machen lässt. Manchmal versuchen etwa die Erzieherinnen gerne, ihre Krippenkinder möglichst früh trocken zu bekommen. Lasse es sie ruhig ein paarmal probieren. Aber wenn es partout nicht funktioniert, werden einfach wieder konsequent Windeln getragen.

Besonders wichtig ist, dass die bewusste Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit, die das Kind beim Wickeln bekommt, anders ersetzt werden. Durch das Sauberwerden dürfen die Kinder keine Zuwendung verlieren. Der Toilettengang kann mit einem Spiel verbunden werden, zum Beispiel sich gegenseitig mit dem Finger auf die Nase zu stupsen. Danach darf Dein Kind sich vielleicht in seinem Zimmer ein Spielzeug oder ein Buch aussuchen. Entscheidend ist, dass Du dabei bist und Deine Aufmerksamkeit schenkst.

Trocken werden ist reine Übungssache

Stehen alle Zeichen darauf, dass Dein Kind sich von der Windel verabschieden will, kannst Du mit ihm den Toilettengang üben: Hose aufmachen und herunterziehen, sich richtig aufs Töpfchen oder den Toilettenaufsatz setzen und Wasser lassen. Natürlich geht das in der ersten Zeit öfter schief. Das Wichtigste ist, dass das Ganze nicht in Stress ausartet oder Du Dein Kind unter Druck setzt.

Wenn es nachts und unterwegs noch nicht klappt

Im Schlaf dauert es meist länger als tagsüber, bis Dein Kind auf eine Windel verzichten kann. Das ist normal. Falls Du es trotzdem ohne Matratze schlafen lassen willst, ist ein wasserdichter Matratzenschoner sinnvoll. Zusätzlich kannst Du ein Töpfchen neben das Bett stellen – und sonst nur Geduld haben.

In fremder Umgebung, bei Müdigkeit oder während eines aufregenden Spiels kommt es möglicherweise vor, dass Dein Kind sich doch wieder in die Hose macht. Pack also ruhig Ersatzkleidung ein, wenn Du mit ihm bei Freunden oder unterwegs bist. Der Rest kommt mit der Zeit und Übung.

Welche Erfahrungen hast Du mit dem Trocken werden gemacht? Schreibe uns gerne Deinen Kommentar.

Das könnte Dir gefallen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.