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Zwerchfellhernie beim Baby: Was passiert bei einem Zwerchfellbruch?


Heute widme ich mich einem weniger schönen Thema. In meinem entfernten Bekanntenkreis litt ein Baby an einer sogenannten Zwerchfellhernie und musste notoperiert werden. Ein bis vier von 10.000 Neugeborenen kommen in Deutschland mit einer solchen angeborenen Schwachstelle im Zwerchfell (kongenitale Zwerchfellhernie) zur Welt. Was das bedeutet und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfährst Du in diesem Beitrag.  

Was ist eine Zwerchfellhernie beim Baby? 

Das Zwerchfell ist eine Schicht aus Muskeln und Bindegewebe. Sie trennt die Organe des Brustraums (Lunge, Herz) wie eine elastische Trennwand von denen des Bauchraums (Leber, Magen , Darm) ab.

Bei einer Zwerchfell- oder Hiatushernie gibt es in dieser Schicht ein Loch. Durch dieses können Organe aus dem Bauchraum in den Brustraum hineingedrückt werden. So können beispielsweise Magen, Leber, Milz und Darmschlingen nach oben wandern (Vorstülpung) und dort mehr oder weniger stark auf einen Lungenflügel des Babys drücken.

In der Kinderheilkunde bezeichnet man die kongenitale Zwerchfellhernie auch mit der Abkürzung CDH. In 80 bis 90% der Fälle befindet sich die Lücke auf der linken Körperseite. Bei manchen Babys mit Zwerchfellbruch liegen weitere körperliche Fehlbildungen vor.  

Diagnose eines Zwerchfellbruchs 

Diagnose beim Ungeborenen

Es ist möglich, die Zwerchfellhernie beim ungeborenen Baby schon im Mutterleib zu erkennen. In manchen Fällen können Ärzte und Ärztinnen bereits im Ultraschall die Lücke im Gewebe sehen. Manchmal erkennen sie auch die Leber, die in den Brustraum gerutscht ist, und können dadurch auf die Fehlbildung schließen.  

Allerdings ist die Lunge noch nicht mit Luft gefüllt. sodass sie im Ultraschall der Leber sehr ähnlich sieht.

Aus diesem Grund werden Zwerchfellhernien vor der Geburt oftmals nicht erkannt. Selbst wenn der Arzt das Loch im Zwerchfell frühzeitig entdeckt, gibt es derzeit wenige Behandlungsmöglichkeiten während der Schwangerschaft.  

Wird eine Zwerchfellhernie in der Schwangerschaft festgestellt, folgen weitere Untersuchungen:

  • Ultraschall
  • Abklärung weiterer Fehlbildungen
  • Genetische Untersuchung (Fruchtwasser-Untersuchung)

Anhand der folgenden zwei Kriterien lassen sich bei der Ultraschall-Untersuchung die Überlebenschancen des Kindes beurteilen:

  • Lung-to-Head-Ratio (LHR)
  • Position der Leber

Bei der LHR schauen sich Ärzte die Größe des ausgeprägteren Lungenflügels im Vergleich zum Kopf an. Je nach Abweichung zur normalen LHR, teilt man die Schwere der Zwerchfellhernie beim Baby in mild, moderat und schwer ein.

Es gibt Hinweise darauf, dass die Überlebensrate schlechter ist, wenn die Leber in den Brustkorb verrutscht ist. Auch darauf achten die Mediziner. 

Quetschen die Bauchorgane die Lunge besonders stark, ist das lebensgefährlich und das Kind kann nach der Geburt versterben. Bei einer besonders schweren Ausprägung der Zwerchfellhernie ist ein Schwangerschaftsabbruch möglich. 

Diagnose bei Baby und Kleinkind

Bei Neugeborenen und Kleinkindern wird ein Zwerchfellbruch bei einer Röntgenaufnahme des Brustraumes entdeckt. Möglicherweise findet der Kinderarzt den Defekt auch eher zufällig, wenn er beim Abhören der Lungen plötzlich Darmgeräusche wahrnimmt.

Um die Vermutung abzusichern, wird dann normalerweise eine Röntgenuntersuchung durchgeführt.  

Kongenitale Zwerchfellhernie Symptome 

Welche Symptome das Kind zeigt, hängt von der Größe der Lücke im Zwerchfell ab. Bei kleineren Brüchen kann die Hernie zunächst unentdeckt bleiben. Symptome treten dann erst später auf, sobald beispielsweise der Darm durch das Loch gelangt.  

Größere Hernien führen zu Atemnot, weil die Lunge eingedrückt wird. Der Zustand kann teilweise lebensbedrohlich sein. 

Weitere Anzeichen eines Zwerchfellbruchs können sein: 

  • Starkes, lang anhaltendes Schreien ohne sichtbaren Auslöser 
  • Unruhe, Unwohlsein 
  • Überstrecken 
  • Erbrechen, teilweise schwallartig 
  • Husten  
  • Geringe Gewichtszunahme 
  • Darmentzündungen 

Zwerchfellhernie beim Baby: Behandlungsmöglichkeiten

Einige Kliniken behandeln betroffene Babys bereits im Mutterleib. So führt die Universitätsmedizin Mannheim einen kleinen Eingriff durch, bei dem die Luftröhre des Fötus für eine bestimmte Zeit verschlossen wird. Das ist deshalb möglich, weil das Ungeborene ja noch nicht selbstständig atmet.

Normalerweise fließt durch die Röhre das Wasser ab, das in den Lungen gebildet wird. Aber durch den Verschluss bleibt das Wasser in den Organen. Folglich können sich die Organe ausdehnen und wachsen. Dadurch werden die Lungen besser durchblutet.   

Dieser Eingriff steigert die Überlebenschance betroffener Säuglinge erheblich. Ohne die Prozedur überstehen nur etwa 30% der Babys die Fehlbildung. Mit der Operation hingegen überleben 70 bis 80% der Kinder eine kongenitale Zwerchfellhernie.  

Oft leiden Neugeborene unter Atemnot. Deshalb werden sie sofort nach der Geburt intubiert und künstlich beatmet. Eine Therapieform, die bei besonders schweren Fällen zum Einsatz kommt, ist die EMCO.

Wenn sich der Zustand des Kindes stabilisiert, kann man die verrutschten Organe in einer OP wieder in den Bauchraum zurückverlegen und das Loch im Zwerchfell schließen.  

Aber nicht bei jedem betroffenen Baby ist die kongenitale Zwerchfellhernie so stark ausgeprägt, dass es sofort Probleme hat. Bei einigen fällt sie erst im Laufe von Tagen und Wochen nach der Entbindung auf. Auch in diesem Fall lässt sich ein operativer Eingriff nicht vermeiden.  

Baby mit Zwerchfellhernie: Das sind die Folgen 

Nach der Operation wird die Beatmung langsam ausgeschlichen. Hat das Kind lange Schmerzmittel bekommen, werden auch diese Schritt für Schritt abgesetzt.

Anfangs werden die Babys über eine Magensonde gefüttert. Und die Verdauung muss häufig ebenfalls unterstützt werden. Nach und nach werden Schlucken und Saugen geübt.

Wenn die Lunge stark beeinträchtigt ist, kann es sein, dass die Babys dauerhaft Probleme beim Saugen und Schlucken haben. Dann ist eine längerfristige Versorgung über die Magensonde notwendig.  

Auch wenn eine Zwerchfellhernie bereits behandelt worden ist, können Kinder Folgeerscheinungen haben.

Abhängig davon wie stark die Lunge beeinträchtigt wurde, kann sie unterentwickelt sein. Im Lungenkreislauf kann es dadurch dauerhaft zu Bluthochdruck kommen. Außerdem kommt es vor, dass diejenigen Organe, die in dem Brustraum gerutscht waren, nicht genügend durchblutet werden.  

Weitere mögliche Auswirkungen sind: 

  • Entwicklungsstörungen
  • Verformungen des Brustkorbes 
  • Fehlbildung von Herz und Nieren 
  • Sodbrennen 
  • Erneuter Zwerchfellbruch durch das Wachstum des Kindes 
  • Darmverschluss 
  • Atemwegsinfektionen 
  • Hodenhochstand 

Ist Dein Kind betroffen? 

Falls Du die Diagnose kongenitale Zwerchfellhernie bei Deinem Baby bekommst, dann hast Du bestimmt große Angst.

Manche Anomalien des Zwerchfells können für das Baby sehr kritisch sein. Andere sind wiederum schnell und gut in den Griff zu bekommen. Wichtig ist jetzt ein guter Austausch mit Deinen Ärzten. Folgende Spezialkliniken haben mit der Behandlung von kongenitalen Zwerchfellhernien sehr viel Erfahrung:

Wenn Du Dir weitere Beratung und Unterstützung wünschst, kannst Du Dich außerdem an den Verein “Zwerchfellhernie bei Neugeborenen-CDH e.V.” wenden.

Mir persönlich hilft es immer, wenn ich viele Informationen bekommen. Ich will immer genau wissen, was passiert. So kann ich mich besser auf die Situation einstellen.

Das mag bei Dir womöglich ganz anders sein. Ich empfehle Dir, immer auf Dein Bauchgefühl zu hören. Falls sich irgendetwas falsch anfühlt, dann hole Dir eine zweite professionelle Meinung ein. Im Notfall ist das zwar nicht immer möglich. Aber gerade bei der Anschlusstherapie kannst Du verschiedene Experten ins Boot holen.  

Dem Baby meiner Bekannten geht es übrigens sehr gut. Sie konnten mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Vielleicht ist das auch ein Lichtblick für Dich.

Ich wünsche Dir und Deinem Baby alles erdenklich Gute!  


Habt Ihr auch die Diagnose Zwerchfellhernie bei Eurem Baby bekommen? Teilt Eure Geschichten, Erfahrungen und Tipps mit anderen Eltern in den Kommentaren.

Unsere Texte zu Gesundheitsthemen ersetzen keinesfalls den Arztbesuch.
Mehr Infos dazu findest Du hier.

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