11 Monate: Er läuft!


Ich freue mich wie Bolle, denn unser Racker läuft. Noch sieht er aus wie ein ferngesteuerter Roboter, wenn er den ganzen Fuß aufsetzend durch die Gegend tapst und beide Arme dabei zum Gleichgewichtsausgleich nach oben hält. Aber von Tag zu Tag wird sein Gang sicherer und er ist offensichtlich stolz, dass er sich nun auch auf zwei Beinen bewegen kann. Zumindest grinst er immer ganz verschmitzt, wenn er umherwandert.

Von Frühstartern und Spätzündern

Seine große Schwester (4 Jahre) hatte sich damals bis zum 14. Monat mit dem aufrechten Gang Zeit gelassen, was Omi und Opi ziemlich nervös machte – schließlich hatten sie versucht, dem Mädchen mit Lauflernwagen & Co genügend Anreize zu bieten, aber sie weigerte sich hartnäckig, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Ich sah das Ganze total gelassen, weil ich mir sicher war, das jedes Kind seine Entwicklungsschritte durchläuft, wenn es soweit ist. Gras wächst ja bekanntlich auch nicht schneller, wenn man daran zieht… Außerdem kannte ich einige Kinder, die erst mit 15 Monaten oder gar später anfingen zu laufen. Das war zwar blöd für die ungeduldigen Erwachsenen, aber absolut im Rahmen des Normalen.

Dass der Bub bereits mit zehn Monaten seine ersten freien Gehversuche startete, überraschte mich umso mehr. Er drehte sich zwar bereits sehr früh und begann schnell zu krabbeln, doch das kannte ich auch von unserem Mädchen, die das alles ebenfalls flott machte. Von ihr wusste ich deshalb auch, dass das nicht zwingend ein Hinweis auf einen frühen Laufbeginn sein muss.

Mit viel Übung zu den ersten freien Schritten

Doch der Kleine ist ein noch aktiveres, energiegeladenes Kerlchen und es ist interessant zu beobachten wie er sich jeden Tag neue motorische Herausforderungen sucht. Als er sicher krabbeln konnte, versuchte er Hindernisse (Beine, Matratzen) zu überwinden. Als es ihm gelang, sich an Tisch und Stühlen hochzuziehen, übte er kurz darauf den freien Stand. Dann erhöhte er den Schwierigkeitsgrad, indem er sich stehend in die Hocke begab, um Spielzeug aufzuheben und schließlich lief er zwischendurch immer mal wieder ein paar Schritte.

Der Knoten ist geplatzt

Von diesen gelegentlichen 3-6 freien Schritten dauerte es jedoch noch geschlagene vier Wochen, bis er sich nicht mehr am liebsten in krabbelnder Weise fortbewegte, aber seit dem vergangenen Wochenende ist er nicht mehr zu halten. Er flitzt unaufhaltsam durch die Gegend und weil er ja nun beide Hände frei hat, schleppt er alles, was er findet quer durch die Wohnung. Er räumt aber nicht nur um, sondern auch auf, denn Besen und Staubsauger sind nun seine neuen Lieblingsspielzeuge J

Zeit für die ersten Schuhe

Ich bin großer Barfuß-Fan, aber bei den derzeitigen Temperaturen ist das Laufen auf nackten Füßen leider nicht mehr möglich. Im Haus zog ich dem Bub bislang entweder Stoppersocken oder Lederschläppchen an; für Ausflüge an der frischen Luft besorgte ich Regenfüßlinge von Playshoes. Diese sind gummiert wie Matschhosen und leicht gefüttert – sie halten entsprechend warm und trocken. Seit er allerdings richtig Strecke macht, sind die Überzieher unpraktisch, denn bewegt er sich etwas flotter, verrutschen diese und werden zur gemeinen Stolperfalle.

Deswegen düste ich heute in ein Schuhgeschäft, um ihm gefütterte Schühchen zu besorgen. Bei meiner Tochter machte ich sehr gute Erfahrungen mit den Jochies, weil sie eine sehr flexible Sohle und schönes weiches Wildleder haben (siehe „Schuhe für Laufanfänger“). Aber der Bub hat speckige Füßchen und passt in die schmal geschnittenen Jochies leider nicht hinein. Deshalb wich ich auf einen ähnlich bequemen, aber breiteren Schuh – einen Peppino aus. Der ist zwar nicht mein Favorit, weil die Sohle etwas fester ist, aber ein guter Kompromiss – schließlich muss der Fuß ja in den Schuh…

Neue Gefahren

Dass der Bub läuft ist goldig, weniger erfreulich ist die Tatsache, dass er nun wieder meine vermehrte Aufmerksamkeit benötigt. Er saust beispielsweise blitzschnell auf Treppen zu, so dass ich ihn immer gut im Auge behalten muss. Außerdem läuft er mit Vorliebe aus meinem Blickfeld heraus, wahrscheinlich weil er ungestört die Welt erkunden will und dann muss ich fix hinterher, was meine Alltagsabläufe gerade gehörig durcheinander wirbelt.

Mehr Frust und Müdigkeit

Worauf ich mich ebenfalls neu einstellen muss, ist der Frust des kleinen Mannes, wenn ich ihn beispielsweise kurz vor einem heißbegehrten (gefährlichen) Ziel wegschnappe oder seine Beinchen schlapp machen, obwohl er noch viel weiter laufen möchte. Dann meckert er mich lautstark an oder schmeißt sich nach hinten.

Das Laufen scheint unfassbar anstrengend für ihn zu sein und weil er freiwillig nicht aufgibt, packe ich ihn zwischendurch einfach ins Tragetuch oder ich stille ihn im Bett in den Schlaf. Diese Zwangspausen nimmt er gerne an und er schläft meist ganz flott ein. Und ich auch – zumindest an den Vormittagen, wenn sich die Große im Kindergarten austobt. Denn was gibt es Schöneres als sich nach einem kräftezehrenden Lauftraining mit dem Trainingspartner in die Federn zu kuscheln?

 

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