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Adoption in Deutschland: Was muss ich wissen?

Es will mit einer Schwangerschaft bei Dir einfach nicht klappen? Du bist alleinstehend, wünschst Dir aber unbedingt ein Kind? Oder Du und Dein Partner wollt einem Kind ein Zuhause bieten? Es gibt viele Gründe für eine Adoption. Und viel zu beachten. Das Wichtigste zum Thema Adoption in Deutschland für Dich im Überblick.

Der erste Schritt

Habt Ihr Euch eine Adoption gründlich überlegt und Euch dafür entschieden, könnt Ihr Euch für ein Adoptionsverfahren bewerben. In Deutschland ist dies bei den Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter und Landesjugendämter sowie bei nicht-staatlichen, von Behörden anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen, etwa der Diakonie oder Caritas, möglich. Hier könnt Ihr auch offene Fragen klären und Euch genauer informieren. Übrigens: Als Paar könnt Ihr Euch bei mehreren Jugendämtern gleichzeitig für ein Adoptionsverfahren bewerben.

Voraussetzungen für eine Adoption

Wollt Ihr ein Kind adoptieren, müsst Ihr persönliche, soziale, berufliche, gesundheitliche und wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllen. Ihr solltet in einer stabilen Beziehung leben, körperlich sowie geistig gesund, außerdem finanziell abgesichert sein. Wichtig ist auch, dass Ihr mit Belastungen gut umgehen könnt, dass Ihr voll und ganz auf ein Kind vorbereitet seid und Einfühlungsvermögen habt. Ein beständiges soziales Umfeld und genügend Wohnraum sind weitere Kriterien für das Verfahren.

Wollt Ihr in Deutschland ein Kind adoptieren, müsst Ihr mindestens 25 Jahre alt sein. Bei Ehepaaren verhält es sich so: Einer der beiden Partner muss 25 Jahre, der andere mindestens 21 Jahre alt sein. Ein Höchstalter ist gesetzlich zwar nicht vorgeschrieben. Für ein gutes Eltern-Kind-Verhältnis ist es aber empfehlenswert, dass der Altersunterschied zwischen Eltern und Kind nicht allzu groß ist. Mehr als 40 Jahre sollten es nicht sein.

Der Ablauf

Ihr müsst auch nicht zwangsläufig verheiratet sein, um ein Kind adoptieren zu können. Seid Ihr unverheiratet, darf zuerst nur einer von Euch das Kind adoptieren, danach kann der Partner nachziehen. Das gilt übrigens auch für gleichgeschlechtliche Paare. Sie müssen sich aber in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft befinden. Seid Ihr verheiratet, könnt Ihr das Kind nur gemeinsam adoptieren.

Soweit zu den Voraussetzungen. Erfüllt Ihr sie und stellt den Antrag, sind einige Dokumente und Unterlagen notwendig:

  • ausgefülltes Antragsformular oder selbst verfasste Bewerbung
  • Geburts- und Heiratsurkunden
  • Lebensläufe beider Partner
  • polizeiliche Führungszeugnisse
  • ärztliche Atteste
  • Verdienst- und Vermögensnachweise

Darüber hinaus müsst Ihr einen Fragebogen ausfüllen. Darin müsst Ihr den Kinderwunsch begründen, Fragen nach religiösen und weltlichen Erziehungsvorstellungen beantworten und zum Beispiel klar stellen, wie sich die Adoption auf die Beziehung auswirken kann und was bei einer Trennung passieren würde.

Das Bewerbungsgespräch

Das war es aber noch nicht: Euch erwartet noch ein Eignungsprüfungsverfahren, bei dem persönliche Gespräche zwischen Jugendamt und Euch stattfinden. Auf diese “Bewerbungsgespräche” solltet Ihr Euch gut vorbereiten. Hier stehen – ähnlich wie bei den Fragebogen – Themen wie die eigene Kindheit, die Beziehung zueinander, der Kinderwunsch, Zukunftspläne und anderes im Vordergrund. Diese Gespräche können auch in Form von Gruppendiskussionen vorkommen.

Wartezeiten

Sowohl beim Eignungsverfahren als auch beim Warten auf das Kind müsst Ihr aber viel Geduld mitbringen. Es kann sehr lange dauern, bis ein Kind gefunden wird und auch die Mitbewerber geprüft sind. Drei bis sieben Jahre Wartezeit sind nichts Ungewöhnliches! Und: Wenn dann für ein Kind geeignete Eltern ausgewählt wurden, gibt es noch eine Adoptionspflegezeit. Dies ist die Zeit vor der eigentlichen Adoption. Währenddessen lebt das Kind ein Jahr bei den zukünftigen Adoptiveltern. In dieser Zeit soll getestet werden, ob ein gutes Eltern-Kind-Verhältnis besteht.

Wenn Ihr für eine Adoption geeignet seid, gilt dieser Status auch nur für zwei Jahre. Es ist daher wichtig, sich weiterhin um einen guten und regelmäßigen Kontakt zum Jugendamt zu bemühen. Auch Angebote wie Info-Abende sind sinnvoll. Bis es dann zum Adoptionsbeschluss durch das Vormundschaftsgericht kommt, dauert es weiterhin. Denn: Die Zahl der adoptionswilligen Paare übersteigt die Zahl der Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, bei Weitem. Die Chancen auf eine Vermittlung solltet Ihr Euch also nicht direkt sehr hoch anrechnen und Ihr solltet viel Geduld und starke Nerven mitbringen.

Zustimmungen

Eine Adoption verlangt aber noch mehr. Ihr müssen die leiblichen Eltern des Kindes zuerst einwilligen. Das kann frühestens passieren, wenn das Kind acht Wochen alt ist. In Ausnahmefällen kann das Vormundschaftsgericht die Einwilligung auch ersetzen. Wenn der Aufenthaltsort des Vaters unbekannt ist, kann es zum Beispiel zu so einem Fall kommen.

Neben der Zustimmung der leiblichen Eltern ist die Einwilligung des Kindes erforderlich. Bei Kindern unter 14 Jahren wird sie durch den gesetzlichen Vertreter erklärt, nach Vollendung des 14. Lebensjahres kann nur das Kind selbst mit Zustimmung des gesetzlichen Vertreters einwilligen.

Die Kosten

Ihr solltet Euch vor einer Adoption außerdem darüber im Klaren sein, dass bei einem positiven Verfahren einige Kosten auf Euch zukommen können. Vor allem dann, wenn Ihr Euch an Adoptionsvermittlungsstellen freier Träger wendet. Die reine Adoptionsvermittlung durch die Jugendämter ist kostenlos. Hier fallen aber circa 200 Euro für beglaubigte Kopien, Notarkosten, das Erstellen von Führungszeugnissen und die Bescheinigung der Staatsangehörigkeit an. Aber: Eine Adoption über Adoptionsvermittlungsstellen freier Träger ist teurer und von Verein zu Verein unterschiedlich. Das liegt daran, dass die Vereine oft finanziell auf sich allein gestellt sind und ihre Kosten hauptsächlich durch Spenden decken müssen. Aus diesem Grund werden von den zukünftigen Adoptiveltern Kostenbeiträge erhoben. Diese werden übrigens jedes Jahr neu berechnet. Von der Eignungsprüfung bis zur endgültigen Adoption könnt Ihr Euch in einigen Fällen auf Beträge von bis zu 5000 Euro einstellen.

Alternativen: Auslandsadoption oder Pflegekind

Denkt vor der Entscheidung auf eine Adoption in Deutschland doch auch an Alternativen: Wie sieht es zum Beispiel mit einer Auslandsadoption aus? Hier sind die Chancen für Bewerber oftmals höher, denn in vielen Ländern ist die Zahl der Kinder, die zur Adoption freigegeben werden, oft deutlich höher als in Deutschland. Auch die bürokratischen Hürden sind meist nicht so hoch wie hierzulande. Die Adoption eines ausländischen Kindes könnt Ihr entweder über eine der staatlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen oder über das jeweilige Landesjugendamt beantragen. Hier erhaltet Ihr auch Informationen über die genauen Voraussetzungen und Abläufe.

Vielleicht würdet Ihr auch ein Pflegekind aufnehmen? In einem solchen Fall bleibt das Sorgerecht aber bei den leiblichen Eltern. Ihr habt als Pflegeeltern keine Ansprüche. Und: In etwa nur ein Drittel aller Pflegekinder wird später von den Pflegeeltern auch adoptiert.

Mehr Informationen auf www.familien-wegweiser.de

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