Als Mama kann es einsam sein

Raus aus der Einsamkeits-Falle: Eine reale Mama berichtet


In vielen Zeitschriften sieht man Bilder von glücklichen Familien beim Spazierengehen oder beim Kuscheln auf dem Sofa. Rosige, harmonische Familien. Klar weiß ich, dass die Medien nicht immer die Wahrheit zeigen. Aber überhaupt nicht darüber zu berichten, wie einsam die ersten Tage, Wochen, Monate, mit Baby sein können, macht mich traurig. Denn auch wenn alles soweit gut läuft — als Mama kann es auch dunkle Tage geben. Ich will, dass Du weißt: Das ist ganz normal.

Einsam trotz Baby

Mit meinem ersten Kind war ich selten allein. Ich habe jeden Kurs mitgemacht, den es überhaupt gibt: Babymassage, Babyschwimmen, Krabbelkurs, Frühstücksrunde mit Baby, Baby-Musikkurs… es ist eine lange Liste! Ich war nie allein, doch trotzdem war ich sehr oft einsam. Die Gespräche unter Müttern können sehr anstrengend sein! Das ständige Vergleichen der Babys fand ich schwierig, außerdem kannten wir uns alle eigentlich gar nicht. Wir waren Not-Freundinnen. Das erkennt man daran, dass ich jetzt nach sieben Jahren nur noch wenig Kontakt zu diesen Frauen habe. Wir brauchen uns einfach nicht mehr.

Einsam und überfordert

Die erste Zeit mit dem Baby ist unglaublich. Ich war so überwältigt von diesem kleinen Wesen! Ich habe nie gewusst, wie sehr man seine Kinder lieben kann. Das war vorher unvorstellbar. Das Mamasein ist mehr als ein Vollzeitjob — es ist ein neues Leben.

Ich habe die Zeit mit meinem ersten Kind sehr genossen, aber ich fühlte mich trotzdem oft einsam. Ich denke manchmal an diese Zeit zurück, und daran, was ich hätte anders machen können. Damit ich nicht wieder in ein Loch falle, habe ich nach der Geburt meines zweiten Kindes einige Dinge verändert.

Was ich beim zweiten Kind anders gemacht habe

  1. Ich mache nur das, worauf ich Lust habe. Keine extra Kurse und ständig unterwegs sein. Es war vielleicht gesellig, aber es tat mir nicht gut.
  2. Verstehen, dass mein Mann einfach nicht verstehen kann wie es mir manchmal geht. Dafür habe ich meine besten Freundinnen, die auch Kinder haben, und meine Mama. Du brauchst immer Leute mit den Du redest kannst, die in der selben Situation sind (oder mal waren), in der Du gerade im Leben stehst.
  3. Jeden Tag rausgehen? Muss nicht sein. Frische Luft tut gut, aber zwingen muss ich mich nicht.
  4. Viel früher alleine unterwegs sein. Es ist schon komisch, wie sich 10 Minuten alleine im Supermarkt plötzlich wie ein Mini-Break anfühlen. Manche Mütter brauchen das nicht, ich schon. Bei Kind 2 habe ich sehr früh angefangen, auch mal alleine rauszugehen. Und nach einem Jahr bin ich sogar für drei Tage alleine nach London geflogen.
  5. Ich habe offen darüber gesprochen, wie es mir geht. Egal ob ich sehe, dass die andere Mamas alles ganz einfach schaffen und immer noch nebenbei jonglieren, ich muss es nicht können. Und ganz ehrlich, nach sieben Jahren als Mama und vielen Gespräche mit anderen Frauen, weiß ich: Niemand weiß wirklich, wie Erziehung richtig geht. Jeder macht es nur so gut, wie er kann.
  6. Hormone sind wirklich nicht zu unterschätzen. Hast du das Gefühl, Dir geht’s nicht gut? Geh zu deiner Frauenärztin. Manche “schlechten Tage” ziehen sich über Wochen hin. Dann brauchst Du wirklich Hilfe, um zu wissen woran es liegt und wie Du da wieder heraus kommst.
  7. Ich habe mich nur mit Leuten getroffen, die ich wirklich mag. So konnte ich ehrlich sagen, wenn mein Kind nicht einmal darüber nachgedacht hat, die Nacht durchzuschlafen. Anstatt mir irgendwas auszudenken, nur um mitleidige Blicke zu vermeiden!
  8. Die Tage sind lang, aber die Jahre kurz. Ja, es es ist völlig verständlich, sich manchmal zu wünschen, das Kind wäre schon selbstständiger und würde vor allem schlafen! Doch die Zeit kommt schneller als Du jetzt denkst — versprochen!
  9. Es hilft, wenn man sieht, wie schnell beim ersten Kind alles gegangen ist. So konnte ich beim zweiten Mal wirklich alles ein bisschen besser wahrnehmen.
  10. Ich lächele die Geschichten von anderen Leuten einfach weg. Die Großeltern, deren Kinder mit zwei Wochen durchgeschlafen haben? Die Freundin, deren Kind mit drei schon Klavier gespielt hat? Schön für sie. Nicht mein Leben.

Allein mit dem Baby – und glücklich?

Nach meinem zweiten Kind fühlte ich mich sicherer — als Frau und als Mama. Ich brauchte die Bestätigung von anderen Menschen nicht mehr. Ihren Rat schon, aber nicht ihre Anerkennung. Wenn man versteht, dass Menschen guttun, aber auch anstrengend sein können, kann man abgrenzen. Ich habe jetzt viel mehr innere Ruhe und Gelassenheit als früher. Klar, mache ich mir jeden Tag Sorgen um tausende Dinge, die meine Kinder betreffen. Aber ich lasse mich von diesen Ängsten nicht lähmen. Ich bin jetzt wahrscheinlich sogar viel öfter alleine als beim ersten Kind, aber es tut mir sogar gut.

Allein sein, ohne einsam zu sein — ja, das geht.

5 Kommentare zu “Raus aus der Einsamkeits-Falle: Eine reale Mama berichtet

  1. Ich kenne es leider nur zu gut wie einsam man sich mit Baby fühlen kann. Ich könnte auch Kontakt mit vielen Menschen haben aber ich bin nicht der Typ der die Gesellschaft von “Übermüttern” genießt. Ich finde es nicht toll gemeinsam mit anderen Müttern Kinderwagen an Kinderwagen durch die Stad zu laufen (ich finde es schon mit einem Kinderwagen und Baby anstrengend genug). Da gehe ich lieber mit meiner Maus durch den Park spazieren ohne ständig irgendwelchen vergleichen ausgesetzt zu sein. Auch die ständigen Sticheleien meines Stiefvaters(leider der einzige Teil an Großeltern der noch da ist bzw Interesse zeigt), von wegen ob ich denn mal wieder Bus in die Puppen geschlafen hätte usw. Das ich aber auch erst ewig spät ins Bett kam weil mein Schatz gerade 2 Zähnchen auf einmal bekommt und ihre Verdauung auch gerade total gefordert ist da wir mit der Beikost beginnen und ich für jede Stunde Schlaf einfach nur dankbar bin, dass berücksichtigt er dann nicht. Ach irgendwie fehlt mir einfach der Richtige Freundeskreis, denn der hat sich nun mal sehr stark zurück gezogen seitdem ich Mama bin und die Kleine mal jemandem für 1-2 Stunden anvertrauen kann ich nicht, da niemand da ist. Ich liebe meine Tochter über alles und sie ist ein absolutes Geschenk aber scheinbar habe ich noch nicht den richtigen Dreh raus wie auch ich wieder ein bisschen glücklicher werde. Also ich als Frau, nicht als Mutter, denn trotz allem liebe ich diese Aufgabe und möchte nie mehr ohne meinen Schatz sein.

    1. Liebe Anni,

      du sprichst mir aus dem Herzen. Übermütter und Vergleiche finde ich schrecklich. Fühle mich oft einsam, weil ich wenige Kontakte habe und ich es sehr schwierig finde, Mamas kennenzulernen mit denen es passt. Meine Mutter lebt nicht mehr und mein Vater ist sehr krank. Er ist im Pflegeheim. Zu meinen Brüdern habe ich keinen sehr engen Kontakt. Meine Schwiegermutter wohnt zwar in der Nähe, unser Verhältnis ist aber sehr schwierig. Wie alt ist deine kleine Maus denn? Mein Sohn wird im Februar 2. Wenn du magst, können wir uns gerne privat schreiben.
      Liebe Grüße
      Katja

  2. Jetzt weiss ich, dass ich nicht die Einzige bin, die sich so fühlt. Es ist schön, dass sich jemand getraut hat, seine Gedanken öffentlich darzustellen. Für solche Menschen wie ich. Ich habe es gelesen und weiss jetzt, ich bin nicht allein auf der Welt. Sehr oft dachte ich, es liegt an mir, dass ich einsam bin. Ich hätte was falsch gemacht, denn jetzt fühle ich mich so einsam und ich kann es nicht so gut verstecken. Ich habe das Gefühl, die anderen Mütter lachen mich aus. Es ist tatsächlich so, dass die ständig erzählen wie besser ihr Kind ist und offff, das ist so anstrengend. Ich werde noch viel an mir arbeiten müssen um alles zu ändern. Danke für deinen Beitrag.

  3. Danke für diesen tollen Beitrag. Gerade jetzt saß ich wieder weinend mit dem Baby an der Brust und fühle mich einsam. Habe auch niemanden mit dem ich mich austauschen kann. Meine Mutter lebt leider nicht mehr, mit meiner Schwiegermutter ist es schwierig und Freundinnen habe ich nur die selbst keine Mütter sind. Die wenn überhaupt nur nach Feierabend kurz Zeit haben.

  4. Das tut gut, zu lesen, dass man nicht alleine ist mit dem Gefühl! Mein Sohn ist mittlerweile 3 und wir sind in eine andere Stadt gezogen, in eine Eigentumswohnung, 30 km von unserem vorherigen Wohnort entfernt, und ich fühle mich hier manchmal einsam. Wir haben zwar schon mehr Kontakte zu Nachbarn geknüpft als in der großen Stadt, aber die haben alle entweder ältere Kinder oder sind selber älter ohne Kinder. Nebenan wohnt eine Familie mit 2 kleinen Kindern die zwar sehr nett sind, aber mit denen ich noch nicht so eng bin. Ich sehe nur wie die Familie ständig Besuch von anderen Müttern mit Kindern im Garten hat und das tut mir weh, weil mir das vor Augen führt, wie es laufen könnte. Meine Freunde haben auch alle aus den unterschiedlichsten Gründen keine Kinder obwohl sie alle zwischen 30 und 45 Jahre alt sind, arbeiten natürlich tagsüber und haben nur abends Zeit. Und die ganzen BabyKurse sind auch nicht so mein Ding. Jetzt bin ich schwanger mit dem 2. und arbeite nicht mehr und sitze noch mehr Zuhause mit meinem Sohn und weiß nichts mit meiner Zeit anzufangen… dabei sollte man sich ja eigentlich freuen und glücklich sein dass die Kinder gesund sind und es einem gut geht und man überhaupt eigene Kinder bekommen kann, da in meinem Freundeskreis welche dabei sind, bei denen es nicht klappt, aber das fällt mir manchmal schwer!

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