Baby 6 Wochen: Tragen, stillen, tragen, stillen…


Die meiste Zeit des Tages verbringt unser Bub auf oder an mir beziehungsweise auf oder an Thomas. Der kleine Mann ist nach wie vor ein Vielschläfer und sein Schläfchen hält er tagsüber vorzugsweise auf Thomas’ oder meinem Arm oder im Tragetuch. Die Nächte verbringt er an meiner Seite – eng an mich gekuschelt oder saugend an der Brust.

Ich versuche ihn am Tage immer wieder nach dem Einschlafen abzulegen und ich warte auch extra solange bis er wirklich tief schläft. Aber es gibt nur wenige Situationen, in denen das klappt. Gestern Vormittag beispielsweise legte ich ihn nach dem Stillen ins Wohnzimmer auf unsere Kuschelmatratze, wo Thomas und unser Mädchen einen Märchenfilm schauten. Er wachte sofort wieder auf und brabbelte zufrieden vor sich hin, bis er schließlich wieder einschlief. Einfach so.

Doch diese (für uns sehr „leichten“) Einschlafsituationen sind leider rar gesät. In der Regel wohnt er auf meinem Arm oder im Tragetuch (Schnuller verschmäht er mit angewidertem Gesichtsausdruck), was vollen Körpereinsatz von mir und von Thomas fordert.

Glücklicherweise akzeptiert unser Bub das Getragen werden von Papa und glücklicherweise gibt es Papa! Thomas nimmt den Kleinen ins Tuch, wenn ich arbeiten oder einen Arzttermin wahrnehmen möchte und wenn ich unser Mädchen abends ins Bett bringe oder mich ein paar ungestörte Minuten mit ihr alleine beschäftige. Bei Papa an der Brust pennt der Racker gut 2-3 Stunden. Ein Zeitfenster, das mich sehr entlastet.

Kein Überleben ohne Nähe und Geborgenheit

Klar wäre es super, wenn der Bub immer friedlich und alleine einschliefe und wir unseren gewohnten Rhythmus aus der Zeit vor der Geburt einfach fortsetzen könnten. Doch unser Mädchen lehrte uns bereits, dass beständige Nähe ein Grundbedürfnis von Babys ist und sie viel Körperkontakt für ihre eigene Sicherheit und Ruhe einfordern.

„Kleine Kinder, die furchtlos und gerne alleine schlafen, hätten unter evolutionären Bedingungen nicht lange gelebt. Kinder können nicht ahnen, dass ihnen heutzutage kaum noch ernsthafte Gefahr droht – dass sie sich in sicheren Räumen fernab von wilden Tieren befinden – doch sie schlafen weiterhin am besten, wenn die vertrauten Bezugspersonen ganz in ihrer Nähe sind“ (siehe „Warum Babys nicht durchschlafen“).

Keine Angst vor dem Verwöhnen

Ein Baby liebevoll und wenn es sein muss stundenlang in den Schlaf zu begleiten, es im Familienbett nächtigen zu lassen und ihm soviel  Zuneigung und Körpernähe zu geben, wie es für sein Wohlbefinden benötigt, sorgt für Ängste unter Müttern und Angehörigen. Wer sich an den Bedürfnissen seines Babys orientiert und darauf eingeht, bekommt oft Sätze wie „Verwöhn Dein Kind nicht so!“ oder „Der Kleine hat Dich ja schon gut im Griff!“ zu hören. Die eigene Unsicherheit einen Tyrannen zu züchten steigt.

Bei unserem Mädchen nagten noch Zweifel an mir, ob meine Liebe und Fürsorge ihr vielleicht schaden könnten. Mittlerweile bin ich sicher, dass man Babys mit Tragen, Stillen und Aufmerksamkeit nicht verwöhnen kann. Im Gegenteil, werden die elementaren Bedürfnisse der Kinder zuverlässig gestillt, bekommen sie genau das, was sie von Natur aus für eine gesunde Entwicklung benötigen:

„Früher Hautkontakt hilft den Babys bei der Anpassung ihres Stoffwechsels nach der Geburt. Eine Unterzuckerung etwa kommt am Körper der Mutter weitaus seltener vor. Atmung, Kreislauf und Körpertemperatur sind bei Körperkontakt stabiler, und auch das Stillen klappt bei möglichst viel direktem Hautkontakt besser. Von Frühgeborenen ist bekannt, dass sie bei „Känguru-Pflege“ (bei der das Baby statt im Inkubator zeitweise am Körper der Mutter liegt) schneller wachsen und ein stärkeres Immunsystem entwickeln.

Die Nähe scheint aber nicht nur dem Körper gut zu tun, sondern auch der Seele. Babys, die verlässlich getröstet werden, schreien später eben nicht mehr, sondern weniger als solche, die “warten” mussten. Säuglinge, die regelmäßig am Körper getragen werden, sind ausgeglichener. Sie weinen insgesamt weniger und fühlen sich, wie Tests von Entwicklungspsychologen zeigen, in ihrer Beziehung zu den Eltern sicherer. Und Mütter, die ihre Neugeborenen häufig bei sich haben, leiden seltener an den gefürchteten Wochenbett-Depressionen“ (siehe „Wie verwöhnt man Kinder“).

Tragen, stillen, tragen, stillen

Und so geben wir unserem kleinen, zufriedenen Säugling und Tragling genau das, was er seit mittlerweile 6 Wochen kontinuierlich von uns einfordert: Eine Dauerschleife an der Brust und im Tragetuch :)

Es ist alles andere als leicht, aber ich versuche diese Zeit zu genießen, weil sie so kostbar und kurz ist. Beim ersten Kind fühlte ich mich noch veräppelt, wenn ich völlig übermüdet und am Rande meiner Kräfte diese Aussage hörte. Heute schaue ich meine große Tochter und den kleinen Wurm an und ich weiß, dass es stimmt. Es sind nur wenige Monate meines Lebens, die ich so sehr gebraucht werde. Das hilft mir, mich an dem warmen, glucksendem Bündelchen auf meinem Bauch zu erfreuen statt genervt zu hoffen, dass er endlich ohne mich auskommt!

 

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