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Corona, das Baby und ich: ein Papa erzählt


Samstag, 05:32 Uhr

„Ach, das erste Jahr könnt Ihr noch voll genießen, da schlafen die Babys eh nur“, das sagte mir Anfang letzten Jahres ein enger (optimistischer) Freund von mir, der schon länger Vater war… Ach ja? Ist das so? Vielleicht liegt es an mir, aber es fällt mir aktuell recht schwer meinen Samstagmorgen nach einer Nicht-Nacht um 05:32 Uhr „zu genießen“.

Tja, und jetzt sitzen wir also hier… meine Tochter Clara und ich. Samstagmorgen, halb sechs, auf der Wohnzimmer-Couch. Sie sitzt da in ihrem Sitzsack und schaut mich an, als ob sie vor zehn Minuten ihren letzten Wodka Energy auf ‘ner Goa-Party hatte. „Papa ich will was erleben! Auch Samstag um 05:32 Uhr.“ Die Zeiten, in denen ich um 05.32 Uhr auch noch was erleben wollte, liegen ungefähr ein Leben zurück.

Wenn Koliken auf den 1. Zahn und Schub treffen

Mama darf heute ausnahmsweise ausschlafen. Das hat sie sich nach den letzten Tagen wirklich redlich verdient. Auch wenn wir eigentlich alle wissen, dass das „Ausschlafen“ völlig sinnbefreit ist, wenn man nachts alle zwei Stunden die Milchbar öffnen musste. Das war schon nicht ohne die letzten Tage. Wenn Koliken auf den ersten Zahn und Schub treffen, dann ist das Baby-Armageddon perfekt. Also trage ich Clara in der Morgenröte meinen persönlichen Kalauer „Der Pupsbär geht rum, der Pupsbär geht rum“ innbrünstig und gestenstark vor. Es entertaint meine vier Monate alte Tochter ca. 28 Sekunden. Danach übernehmen die Pupsis und Zahnschmerzen wieder das Zepter. Die Unterlippe wackelt. Wenn sie jetzt sprechen könnte, hieße es wohl „Papa, Arm.“ 

Also nimmt Papa seine Lieblingshantelstange aus dem Sitzsack und spaziert durch die Wohnung. So wie alle letzten Wochenenden. Normalerweise habe ich Samstagmorgen immer gerne genutzt, um Versäumnisse der Woche nachzuholen. Aktuell bleiben Versäumnisse allerdings Versäumnisse. Auf unbestimmte Zeit. So lange das Baby-Armageddon für verbrannte Erde sorgt, ist jegliche Form von Struktur sowieso Utopie. Also streiche ich auch die umfangreichen Tagesprojekte „Email-Postfach auf Handy einrichten“ und „Paket versenden“ von meinem gedanklichen Notizzettel. Jedes To-do ist ein To-do zu viel. Das konnte ich schon lernen in vier Monaten Papasein.

Mit Baby in der Corona-Krise

Aber eine Sache hat uns beim neuen ungeordneten Baby-Life bis dato immer Halt gegeben: Unsere gemeinsamen Ausflüge ins Hamburger Umland. Sie waren unsere zum Teil dringend benötigten Mini-Auszeiten. Ob Lüneburg, Stade oder Schwerin – Wir haben es geliebt, Clari in die Trage zu verfrachten, wo sie ad hoc schläft wie ein Stein und wir am Kleinstadtleben teilnehmen konnten.

Tja, und jetzt ist da diese Corona-Geschichte… Schon irgendwie verrückt, dass Clara in die Welt kommt und den allgemeinen Ausnahmezustand vorerst als ihr „Normal“ kennenlernt. Für uns als Familie heißt das natürlich: Unsere dringend benötigten Mini-Auszeiten sind erstmal passe. Besonders im Januar haben wir es sehr genossen, unsere Winterspaziergänge zu dritt zu machen und auf dem Rückweg einzukaufen oder bestenfalls sogar ins Restaurant zu gehen. Das ist jetzt etwas komplizierter… Alles ist jetzt etwas komplizierter. Oma und Opa sieht klein Clari jetzt nur noch bei Skype. Mamas und Papas Freunde sieht sie höchstens donnerstags im Videochat, wenn sie gemeinsam Bier trinken…

Und trotz all dieser Einschränkungen muss ich echt sagen… ich finde die aktuelle Situation im Hinblick auf meine kleine Familie fast schon angenehm! Normalerweise eile ich in der Woche um 07:25 Uhr aus dem Haus und breche mit dem Rad um die 17 Verkehrsregeln pro Kilometer, um halbwegs pünktlich im Büro zu sein.

Wie sieht ein normaler Tag während der Corona-Ausnahmesituation aus?

Und wie sieht so ein Wochentag jetzt aus? Ich übergebe Zwergnase um 07:59 Uhr an Mama, nachdem wir gut zwei Stunden geblödelt haben und für mich geht’s ins Corona-Office zuhause. Danach ist es zwar zugegeben hart, wenn ich die Auswüchse des Clarageddons beiläufig mithöre… aber da ist dann eben die Mama gefragt, die aktuell zum Glück noch in Elternzeit ist. Sobald der Stift dann um 17:00 Uhr fällt, bin ich ad hoc wieder bei meiner Tochter. Ich muss nicht mehr von Meetings am Allerwertesten Hamburgs erst zurückkehren oder irgendwelche unsinnigen Nachbereitungen machen. Ich bin einfach da. Sofort.

Seit das Coronavirus unser Leben bestimmt, beschleicht mich das Gefühl, viel mehr Anteil an Claras Leben zu haben. Das liegt nicht unwesentlich auch daran, dass ich allgemein viel ausgeglichener bin. Nach Zehn-Stunden-Bürotagen kommt man schlichtweg häufig sehr abgelutscht nach Hause. Auch das Baby-Stimmungsbarometer tendiert in den Abendstunden meist in Richtung Endzeitstimmung. Entsprechend unerfüllend ist dann teilweise auch der Papa-Kind-Austausch am Abend. Wenn wir aktuell um 17:00 Uhr gemeinsam auf dem Balkon die Abendsonne genießen können, ist das schlichtweg ein ganz anderer Schnack. Auch gesellschaftlich kommt es mir sukzessive so vor, als ob Dinge, die vor zwei Monaten noch furchtbar wichtig waren, von Mutter Natur mal eine ordentliche Gardinenpredigt erhalten haben.

Und unsere Mini-Auszeiten? Da wir große Wälder unmittelbar vor der Tür haben, wurden unsere kleinen Ausflüge nun in die Natur verlegt. Auch das könnte schlimmer sein. Wenn es jetzt nicht die völlig Falschen wären, zu deren Ungunsten sich Corona durch unsere Wirtschaft und Gesellschaft wühlt, dann wäre ich fast dankbar, dass uns und mich Corona so ausgebremst hat.

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