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Missed Abortion: Alle Infos – und was Dir jetzt hilft


Heute möchte ich mich einem sehr sensiblen Thema widmen: Der Missed Abortion. Ich wende mich in diesem Artikel vor allem an Frauen, die bereits eine Missed Abortion hinter sich haben und noch mehr Informationen zu dieser Art der Fehlgeburt suchen – insbesondere, wenn eine neue Schwangerschaft im Raum steht. Denn gerade dann ist die Angst vor einer erneuten Missed Abortion natürlich besonders groß.

Was genau ist eine Missed Abortion?

Von einer Missed Abortion (oder zu deutsch einer „verhaltenen oder ausbleibenden Fehlgeburt“) spricht man, wenn ein Embryo oder Fötus vor Erreichen der Lebensfähigkeit im Mutterleib verstirbt oder erst gar keine Herzaktivität nachzuweisen ist. Anders als bei anderen Formen der Fehlgeburt setzt häufig keine Blutung ein.

Wenn Du generelle Informationen zum Thema Fehlgeburt suchst, findest Du hier weitere Magazinbeiträge.

Die Besonderheit bei der Missed Abortion ist, dass viele Frauen keinerlei Anzeichen für eine Fehlgeburt bemerkt haben. So ist die Diagnose, dass das Baby keinen Herzschlag (mehr) hat, ein großer Schock – weil sie so völlig aus dem Nichts kommt.

Was ist der häufigste Zeitpunkt für eine Missed Abortion?

Gut 80% aller Fehlgeburten ereignen sich in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft. Und jetzt kommt eine vielleicht überraschende Information: Über 50% aller Fehlgeburten sind Missed Abortions, in einem Artikel in der Recherche zu diesem Beitrag habe ich sogar von 90% gelesen. Das heißt, diese Form der Fehlgeburt ist in jedem Fall die häufigste.

Bei den allermeisten Aborten handelt es sich um Frühstaborte vor dem Ende der 6. SSW.

Eine erste große Hürde ist mit dem Nachweis eines Herzschlages genommen. Denn bei vielen Missed Abortions setzt erst gar keine messbare Herzaktivität ein. Wenn Du den Herzschlag Deines Babys bereits per Ultraschall sehen konntest, sinkt das Risiko für eine Fehlgeburt bereits auf unter 10%.

Ab der 15. SSW liegt das Fehlgeburtsrisiko – je nach Alter – zwischen 1-3%.

Welche Symptome sprechen für eine Missed Abortion?

Hier scheiden sich tatsächlich die Geister. Ich persönlich kenne wirklich unheimlich viele Frauen, die von ihrer Missed Abortion rein gar nichts bemerkt haben. Ich habe den Eindruck, dass gerade dieser Umstand eine Missed Abortion auch so schrecklich macht. Dass die Diagnose so völlig ohne Vorwarnung kommt, obwohl doch sogar noch Schwangerschaftssymptome da sind.

Der Grund für Schwangerschaftsanzeichen trotz Missed Abortion ist, dass embryonales und plazentares Gewebe manchmal noch wochenlang Hormone produziert, die Schwangerschaftssymptome auslösen können. Im Nachhinein geben allerdings viele Frauen an, dass die Symptome schwächer geworden sind. Dass Anzeichen wie Brustspannen, Übelkeit usw. schon früh wieder zurückgehen, kann allerdings auch bei einer gesunden Schwangerschaft innerhalb der ersten 12 Wochen der Fall sein.

Generell sind die Symptome meistens nicht eindeutig, da ALLE auch bei einer gesunden, regelrecht entwickelten Schwangerschaft auftreten können.

Verdacht auf Missed Abortion: Wann zum Arzt?

Ärztlichen Rat oder einen Ultraschalltermin solltest Du einholen, wenn:

  • Vorhandene Schwangerschaftssymptome innerhalb der ersten 12 Wochen plötzlich verschwinden oder nachlassen.
  • Du eine bräunliche Schmierblutung/ braunen Ausfluss bemerkst.
  • Du Krämpfe oder Schmerzen ohne eine Blutung hast.

In vielen Foren oder Erfahrungsberichten liest man auch immer wieder von Frauen, die sich plötzlich „nicht mehr schwanger“ gefühlt haben. Oder „sofort wussten, dass etwas nicht stimmt“.

Ich denke, dass diese Schilderung aber auch nicht selten der Tatsache geschuldet ist, dass diese Frauen zum Zeitpunk ihres Erfahrungsberichtes ja bereits wussten, was passiert ist. Die Angst, dass etwas nicht stimmt, oder vielleicht auch das Gefühl, gar nicht mehr schwanger zu sein, kennt fast jede Frau in der Frühschwangerschaft. Und die allermeisten Frauen bekommen NICHT die Diagnose Missed Abortion. Insofern möchte ich das auf gar keinen Fall abwerten, würde aber allein dieser Empfindung auch nicht allzu große Bedeutung beimessen.

Wann kommt die Blutung nach einer Missed Abortion?

Bei einer Missed Abortion vor der 6. SSW kommt es relativ häufig zu einer zeitnahen Blutung. Man geht davon aus, dass diese ganz frühen Fehlgeburten eine hohe Dunkelziffer haben und von vielen Frauen als verspätete Regelblutung interpretiert werden.

Grundsätzlich kann es bei einer Missed Abortion aber wochen- oder sogar monatelang dauern, bis der Körper mit Hilfe einer Blutung die Gebärmutter selbständig entleert. Das ist der Grund, warum noch immer vielen Frauen nach der Diagnosestellung direkt ein Termin zur Ausschabung (Cürettage) gegeben wird, obwohl das keinesfalls zwangsläufig notwendig ist.

Wie wahrscheinlich ist eine erneute Missed Abortion in der nächsten Schwangerschaft?

Das Fehlgeburtsrisiko nach einer vorausgegangenen Fehlgeburt ist tatsächlich etwas höher als zuvor und liegt nach einer Fehlgeburt bei etwa 15-20% (im Vergleich zu 10-15% ohne Fehlgeburt in der Anamnese). Nach zwei vorausgegangenen Aborten geht man von etwa 28% aus.

Hier hängt diese Wahrscheinlichkeit aber auch von anderen Faktoren wie dem Alter, eventuellen Vorerkrankungen etc. ab.

Gibt es Missed Abortion als Fehldiagnose?

Ja – den Fall, dass ein Gynäkologe keinen Herzschlag nachweisen kann und von einer Missed Abortion ausgeht, die sich im Nachgang als „falsch“ herausstellt, gibt es. Aus diesem Grunde wird vor einer Ausschabung in der Klinik noch einmal nachgeschaut und die Diagnose muss durch einen zweiten Arzt bestätigt werden.

Allerdings muss ich leider sagen: Ich kann zwar keine genaue Statistik dazu geben – aber eine solche Missed Aboirtion-Fehldiagnose ist nach der 8. SSW meiner Erfahrung nach sehr, sehr selten.

Missed Abortion: Fehldiagnose nach künstlicher Befruchtung?

Was ich häufiger von Frauen gehört habe, ist, dass nach einer künstlichen Befruchtung in der 5./6. SSW keine Herzaktion nachgewiesen wurde oder kein Embryo in der Gebärmutter sichtbar war. Und im Raum stand, ob es sich bei der durch einen Bluttest gesicherten Schwangerschaft vielleicht um eine Missed Abortion handelt. Und dass sich dann eine oder zwei Wochen später ein kleiner „Eckhocker“ finden ließ, der im Ultraschall nur einfach vorher nicht zu sehen war.

Stellt ein Arzt jenseits der 8. oder 9.SSW allerdings die Diagnose einer Missed Abortion, ist sie vermutlich in den allermeisten Fällen leider auch richtig.

Gibt es nach Missed Abortion die Möglichkeit eines natürlichen Abgangs?

Ja, die gibt es – und diese Möglichkeit ist in meinen Augen oft auch eine sehr gute. Zumindest sollte ein natürlicher Abgang, das heißt ein Verzicht auf die Ausschabung nach einer Missed Abortion, nicht per se ausgeschlossen werden.

Sehr viele Gründe sprechen dafür, sich nach der Diagnose erst einmal Zeit zu nehmen, um überhaupt eine Entscheidung treffen zu können. Und nur in sehr wenigen Fällen ist eine Ausschabung unumgänglich. Wichtig ist allerdings ein engmaschiger Austausch mit Deinem Gynäkologen und Deiner Hebamme, damit Du weißt, wann Du auf jeden Fall in die Klinik oder zum Arzt gehen musst und damit Du in dieser Situation nicht allein bist.

In Deutschland hast Du auch bei einer ganz frühen Fehlgeburt Anspruch auf Hebammenhilfe – auch während einer solchen kleinen Geburt. Online findest Du Adressen von Ansprechpartnerinnen, die sich mit dieser besonderen Situation gut auskennen und diese Form der Betreuung anbieten.

In jedem Fall kann ich Dir den Youtube-Kanal Gynäko.logisch ans Herz legen, der total einfühlsam und informativ auf viele Fragen und Probleme rund um Schwangerschaft und Geburt eingeht. Frauenarzt Dr. Konstantin Wagner hat zum Thema Missed Abortion ein Video mit vielen wertvollen Informationen rund um diese Diagnose gemacht:

Wann ist eine erneute Schwangerschaft nach einer Missed Abortion möglich?

Nach einem natürlichen Abgang kannst Du rein körperlich betrachtet im nächsten Zyklus wieder schwanger werden. Allerdings finde ich es in dem Fall auch immer wichtig, nicht nur die rein körperliche Seite zu sehen, sondern auch Deiner psychischen Verfassung Raum und Zeit zu geben.

Nach einer Cürettage kann es manchmal eh ein bisschen dauern, bis wieder ein normaler Zyklus einsetzt. Manche Frauenärzte gehen auch in diesem Fall davon aus, dass keine besondere „Schonfrist“ eingehalten werden muss. In einigen Ratgebern wird dennoch empfohlen, eine Pause von 3 Monaten nach einer Ausschabung einzuhalten.

Missed Abortion: Meine persönlichen Tipps als Hebamme

Wenn Du die Diagnose „Missed Abortion“ erhalten hast, ist mein allerwichtigster Tipp:

1. Überstürze nichts

Auch wenn es vielleicht anders bei Dir ankam: Es gibt keinen Grund, SOFORT etwas zu unternehmen.

Geh erstmal nach Hause, rede mit Deinem Partner, trauert um Euer Baby und entscheidet dann gemeinsam, wie es weitergehen soll.

2. Hol Dir eine Zweitmeinung

Wenn Du zweifelst, ob die Diagnose wirklich stimmt, aber auch, wenn Du mit dem empfohlenen Vorgehen zum Beenden der Schwangerschaft nicht einverstanden bist: Sprich mit einem Arzt in der Klinik, ruf eine Hebamme an und hol Dir an unterschiedlichen Stellen Informationen.

3. Gib Dir nicht die Schuld

Die Tatsache, dass Du nicht gemerkt hast, dass etwas nicht stimmt, hat nichts mit Deiner Eignung als Mama zu tun – oder damit, dass Du „nicht einmal merkst, wenn Dein Kind tot ist“. Du KANNST es in den meisten Fällen einfach nicht bemerkt haben. Und Du hast nichts falsch gemacht.

4. Sprich darüber

Mit Deinem Partner, Freunden, einer Hebamme, in einem Internetforum für Betroffene, mit Deiner Mama – ganz egal. Aber sprich darüber. Es hilft Dir und es hilft auch allen anderen betroffenen Frauen, zu sehen: Ihr seid nicht alleine.

Eine Fehlgeburt ist manchmal traumatisch, oftmals schmerzhaft und immer traurig. Aber es ist nichts, weswegen Du Dich schämen musst. Es ist weder Deine Schuld, noch macht es Dich als Frau oder potentielle Mama irgendwie schlechter.

Oftmals ist eine Fehlgeburt einfach eine Entscheidung der Natur, die Du nicht beeinflussen kannst. Und sich das immer wieder klar zu machen ist in meinen Augen unendlich wichtig.

Und wenn Du bereit bist und es die Möglichkeit gibt – dann gibt es keinen Grund, den Schritt, es noch einmal zu versuchen, nicht zu wagen.

Zum Weiterlesen:

Quellen

Diedrich, K.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Springer, 2006.

Philipp, T.: Fehlgeburten – Definitionen, Häufigkeit, Klinik, Morphologie, Literatur. URL: https://www.dr-philipp.at/popups/fehlgeburten.html (aufgerufen am 05.07.2022).

Pschyrembel W.: Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch, 262., neubearb. Auflage, Gruyter, 2011.

Unsere Texte zu Gesundheitsthemen ersetzen keinesfalls den Arztbesuch.
Mehr Infos dazu findest Du hier.

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