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Fluorid für Babys: Zahnpasta oder Tabletten?


Der Kinderarzt rät zu Fluoridtabletten, der Zahnarzt zu fluoridhaltiger Zahnpasta? Bei uns erfährst Du heute, was es mit dem Fluorid für Babys und Kleinkinder überhaupt auf sich hat und wie Du Dein Kind am besten damit versorgst.

Fluorid – was ist das überhaupt?

Fluorid (nicht Fluor!) ist ein Spurenelement. Es ist in der Lage, die Zähne Deines Babys und auch Deine eigenen vor Karies zu schützen. Dies fanden Wissenschaftler bereits vor über 150 Jahren heraus. Bis heute wurde diese Wirkung in zahlreichen Studien belegt.

Natürliches Vorkommen von Fluorid

In verschiedenen Lebensmitteln wie Fisch oder Meerestieren befindet sich Fluorid. Du findest es außerdem in schwarzem Tee, einigen Hülsenfrüchten und Käsesorten. Auch unser Trinkwasser enthält von Natur aus Fluorid in geringen Mengen. In vielen Ländern der Erde wird Fluorid künstlich dem Trinkwasser zugesetzt. In Deutschland ist dies nicht (mehr) der Fall. Bei uns erhältst Du allerdings mit Fluorid angereichertes Speisesalz.

Fluorid ist den meisten Menschen fast ausschließlich aus der Zahnheilkunde bekannt. Neben Zahnpasta beinhalten auch diverse Zahngels Fluorid. Daneben kann der Zahnarzt einen fluoridhaltigen Lack auf die Zähne pinseln, um diese zu schützen.

Wie wirkt Fluorid?

Fluorid wirkt auf verschiedene Arten und kann so die Kariesgefahr reduzieren:

 

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  • Fluoride sorgen dafür, dass der Zahnschmelz schneller wieder aufgebaut wird und unterstützen so die Remineralisierung.
  • Ebenso wie Kalziumphosphat werden Fluoride auch selbst in den Zahnschmelz eingelagert. Wird dieser durch diverse Säuren (Essen, Getränke etc.) angegriffen, so beschleunigt das Fluorid die Remineralisierung. 
  • Fluorid festigt den Zahnschmelz und legt sich wie eine Art Schutzfilm um den Zahn.
  • Die Säureproduktion in der Mundhöhle sinkt durch Fluoride, denn diese sind in der Lage, den Stoffwechsel gefährlicher Bakterien zu zerstören.

Indem Fluorid den Zahnschmelz weniger anfällig und säureresistenter macht, schützt es die Zähne Deines Babys vor Karies.

Fluorid für Kinder: Die Dosis macht das Gift

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt für Kinder folgende Fluoriddosierungen, um die Zähne Deines Kindes vor Karies zu schützen:

  • unter 2 Jahre: 0,25 mg täglich
  • 2 bis 4 Jahre: 0,5 mg täglich
  • 4 bis 6 Jahre: 0,75 mg täglich und
  • ab 6 Jahre: 1 mg pro Tag

Da der Fluoridgehalt von Nahrungsmitteln nicht ausreicht, den Bedarf zu decken, empfiehlt Dir der Kinderarzt in der Regel, Deinem Kind einmal täglich eine Fluoridtablette zu geben. Meist wird Fluorid vom Kinderarzt als Kombi-Präparat mit Vitamin D verschrieben („D-Fluoretten“).

Update: Seit April 2021 gibt es eine gemeinsame einheitliche Handlungsempfehlung von Kinder- und Zahnärzten für die Fluorid-Dosierung. In diesem Beitrag findest Du alle Details sowie einen Fluorid-Fahrplan für verschiedene Altersstufen.

Kann sich mein Kind mit Fluorid vergiften?

Tatsächlich kann man sich mit Fluorid vergiften (=Fluorose). Als toxisch gilt eine Dosis ab 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Diese Dosis ist beim normalen Zähneputzen ausgeschlossen. Dennoch solltest Du darauf achten, dass Du in den ersten Lebensjahren Deines Kindes eine möglichst geringe Menge fluoridhaltige Zahnpasta (ab 2 Jahren ca. erbensgroß, davor reiskorngroß) benutzt. Wenn Dein Kind alt genug ist, sollte es die Zahnpasta nach dem Putzen unbedingt ausspucken. Eine aktute Fluorose droht, wenn Dein Kind viele Fluoridtabletten auf einmal schluckt oder große Mengen Erwachsenenzahnpasta isst.

Neben der akuten Fluoridvergiftung gibt es noch die chronische Fluorose. Eine chronische Fluorose entsteht, wenn über einen längeren Zeitraum zu viel Fluorid aufgenommen wird. Dies kann an den Zähne zu weißen und gelblichen Flecken führen. Zudem werden bei dieser Form der Fluorose irgendwann die Knochen brüchiger und weniger belastbar.

Zahnmedizin versus Kinder- und Jugendmedizin

Die Kinderärzteverbände und die zahnmedizinische Fachgesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sind sich einig, dass Babys und Kinder Fluorid zu sich nehmen sollten. Die Empfehlungen unterscheiden sich allerdings im Detail.

Während die Kinderärzte ausdrücklich Fluoridtabletten empfehlen, sind die Zahnärzte der Ansicht, dass Fluorid direkt auf dem Zahn am effektivsten wirkt. Sie halten die lokale Anwendung mit fluoridhaltiger Zahnpasta ab dem 1. Zahn für ausreichend.

Fluorid: Kinderärzte verordnen Tabletten

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. und die Deutsche Akademie für Kinder und Jugendmedizin e. V. raten dazu, dem Kind so lange Fluoridtabletten zu geben, bis es Zahnpasta eigenständig ausspucken kann. Ab diesem Zeitpunkt – meist im Alter von ca. 4 Jahren – empfehlen Kinderärzte, dem Kind zweimal täglich die Zähne mit einer Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid zu putzen. Babys und Kleinkindern, die das Ausspucken noch nicht beherrschen, sollten die Zähne mit Kinderzahnpasta ohne Fluorid geputzt werden.

Fluorid: Zahnärzte empfehlen Zahnpasta

Anders sehen das die Fachgesellschaften der Zahnheilkunde: Die Zahnärzte sind der Ansicht, dass Babys Zähnchen ab dem Zahndurchbruch (meist zwischen dem 6. Und 12. Lebensmonat) mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid geputzt werden sollten. Ab dem ersten bleibenden Zahn soll auf eine Zahncreme mit 1000 ppm gewechselt werden.

Was ist besser für Dein Baby: Fluorid-Tabletten oder Zahnpasta?

Auf der Suche nach dem richtigen Weg in Sachen Fluorid werden Dir im Internet und vielleicht auch im privaten Bereich viele Schreckensszenarien zum Thema Fluorid unterkommen. Ich rate Dir: Lass Dich von Deinem Umfeld, aber auch von Deinen Ärzten nicht verunsichern.

Wichtig ist, dass Du die Zähne Deines Babys entweder mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta oder Fluoridtabletten schützt. Beides gleichzeitig solltest Du Deinem Baby nicht geben, da sonst eine Überdosierung droht.

➔ Hier kannst Du Dich über die Ergebnisse des Kinderzahnpasta-Tests 2023 von Ökotest informieren.

Weitere Infos zum Thema Fluorid für Kinder

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