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Inkontinenz nach Geburt und Schwangerschaft


Niesen, Husten, Lachen und Hüpfen – nach der Geburt ist das für viele Frauen ein Problem. Sie leiden dann oft still und sprechen nicht darüber. In diesem Artikel beantworte ich Fragen rund um die Blasenschwäche nach der Geburt und erkläre Dir, wie lange man daran leidet, was man dagegen tun kann und wie viele Frauen eigentlich von dieser besonderen Form der Inkontinenz nach Geburt und Schwangerschaft betroffen sind.

Wie lange nach der Geburt leiden Frauen an Inkontinenz?

Etwa ein Drittel der Frauen leidet im ersten Jahr nach der Geburt unter einer Blasenschwäche. Bei den meisten handelt es sich um eine Belastungsinkontinenz. Bei starker Beanspruchung des Beckenbodens, beispielsweise durch Niesen, Lachen oder auch schweres Heben verlieren Frauen ein paar Tröpfchen Urin (oder auch mal etwas mehr). Das ist für viele Mütter ein sehr unangenehmes Thema, aber hier ist Offenheit wichtig.

Eine Blasenschwäche lässt sich schnell behandeln. Das geht aber nur, wenn das Problem angesprochen wird! Wenn Du den Urin nach dem Wochenfluss, also etwa acht Wochen nach der Geburt, nicht kontrolliert halten kannst, sprich das beim Gynäkologen an oder zieh Deine Hebamme ins Vertrauen.

Woher kommt die Blasenschwäche?

Zu einer Inkontinenz führen viele Dinge. Das können eine Schwangerschaft und Geburt sein, aber auch bestimmte Veranlagungen und das Alter. Neben der sogenannten Dranginkontinenz kommt die Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz genannt) am häufigsten vor. Jüngere Frauen haben eher weniger Probleme mit einer schwachen Blase. Frauen, die in die Menopause kommen, leiden dagegen häufiger darunter.

Belastungsinkontinenz nach Schwangerschaft + Geburt

Der Beckenboden wird sowohl durch die Schwangerschaft als auch durch die Geburt (Ausnahme Kaiserschnitt) enorm belastet. Das Gewebe wird überdehnt. Zusätzlich sorgen die Schwangerschaftshormone dafür, dass Deine Sehnen und Bänder weicher werden und leichter nachgeben. Hinzu kommt noch, dass das Baby bei der Geburt durch den engen Geburtskanal muss. Dabei findet eine Dehnung der Muskeln statt. Dadurch lässt die Stützfunktion des Bindegewebes nach und die Blase kann nicht mehr richtig verschlossen werden. Deshalb geht auch unfreiwillig Urin ab.

Was hilft gegen Inkontinenz?

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Training

Wer nichts tut, darf auch keine Wunder erwarten. Beginne am besten schon in der Schwangerschaft damit, Deinen Beckenboden zu trainieren.


Eine einfache Übung, die Du immer und überall machen kannst, geht so:

Training für den Beckenboden: Setze Dich hin und stelle Dir vor, Du würdest auf der Toilette sitzen und versuchen, den Urin zu halten. Halte beim Ausatmen die Muskeln angespannt und lasse beim Einatmen nach. Denke dabei auch daran, Deine Sitzbeinhöcker zueinander zu bewegen. Mache diese Übung zwei Mal am Tag jeweils zehn Mal und Du wirst merken, dass Du Deine Muskeln immer länger anspannen kannst. Diese Übung kannst Du übrigens auch im Stehen machen. Nutze die Zeit in der Warteschlange an der Kasse oder wenn Du in der U-Bahn oder im Auto sitzt.


Nach der Geburt solltest Du Dich unbedingt in einem Rückbildungskurs anmelden, um Deinen Beckenboden richtig zu trainieren. Diesen Kurs bezahlt die Krankenkasse. Solltest Du es nach der Geburt nicht schaffen, kannst Du ihn auch später noch nachholen. Es gilt jedoch: Je früher, umso besser.

Hilfsmittel

Um die Beckenboden-Muskulatur zu trainieren, kannst Du auch Hilfsmittel anwenden. Dafür gibt es zum Beispiel Vaginalkonen. Hierbei handelt es sich um kleine, unterschiedliche Gewichte in Form eines Tampons, die Du einführen kannst. Je besser Du trainiert bist, umso höher darf dann das Gewicht sein. Hierbei kann Dich auch Deine Hebamme beraten.

Physiotherapie

Bei mittlerer bis starker Blasenschwäche besteht auch die Möglichkeit, eine Physiotherapie zu machen. Es gibt Therapeuten, die speziell ausgebildet sind und Elektrostimulation (elektrische Stromimpulse werden aktiviert, wenn Nervenbahnen nach einer schwierigen Geburt geschädigt sind) oder Bio-Feedback (Training mit einem kleinen Gerät, das anzeigt, ob der Muskel richtig angespannt wird) anbieten.

Medikamente und Operation

Bei besonders schweren Fällen von Inkontinenz nach der Geburt und Schwangerschaft, setzen Ärzte Medikamente ein. Diese sollen die Harnröhre mit dem Schließmuskelapparat zusammenziehen. Wenn absolut keine Therapie hilft, ist eine Operation die letzte Möglichkeit. Bei dieser legt der Arzt ein Kunststoffband als Stütze um die Harnröhre. Sie kann sich dann nicht absenken. Diese neue Methode ist sehr erfolgsversprechend, sollte aber nur dann überlegt werden, wenn der Leidensdruck sehr groß ist und keine andere Therapie hilft.

Finde Deinen Beckenboden

Wenn Du Dir unsicher bist, ob Du Deinen Beckenboden tatsächlich „gefunden“ hast oder noch etwas Unterstützung brauchst, kannst Du zum Beispiel Deinen Gynäkologen um Hilfe bitten. Er kann Dir den Beckenboden im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung zeigen. Dabei kannst Du sehen, wo sich dieser befindet und wie es aussieht, wenn Du Deine Muskeln anspannst. Du kannst auch eine Therapeutin oder Deine Nachsorge-Hebamme tasten lassen. Sie überprüft, wie gut Du Deinen Beckenboden anheben kannst.

Auch eine Option: Lasse Dir vom Arzt ein Biofeedback-Gerät verschreiben, wenn Du nur wenig Gefühl für Deinen Beckenboden hast. Das Gerät macht Dich akkustisch darauf aufmerksam, ob Deine Muskeln angespannt sind oder nicht. Wenn Du dann dafür ein Gefühl entwickelt hast, kannst Du ohne dieses Gerät weitertrainieren.

Fazit

So unangenehm das Thema Inkontinenz nach Geburt und Schwangerschaft für uns Frauen ist – so wichtig ist es, das Problem anzusprechen. Je früher Du Hilfe bekommst, umso schneller kannst Du das Problem aktiv beheben. Hier geht es um Deine Lebensqualität! Wäre doch schade, wenn Du nicht mit Deinem Kind ins Trampolin kannst, weil Du nicht über Deine Blasenschwäche sprechen wolltest.

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