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Kinder bestrafen: Wie sinnvoll ist das und geht es auch anders?


„Wenn du jetzt nicht Zähne putzt, dann gibt es keine Schokolade mehr!“ oder: „Wenn du noch einmal die Schaufel wirfst, gehen wir sofort nach Hause!“ Wir alle kennen diese “Wenn-Dann”-Sätze und diese Art, unsere Kinder zu strafen. Sie kommen uns manchmal schneller über die Lippen, als uns lieb ist. Aber warum drohen wir Konsequenzen an und wollen unsere Kinder bestrafen? Was passiert dabei in unserem Kind?

Noch bis in die 1970er Jahre hinein, galt körperliche Bestrafung zu den gängigen und zugelassenen Erziehungsmethoden in der westlichen Welt. Seit 2000 sind körperliche Züchtigungen in Deutschland endgültig verboten. Es scheint also soziologisch betrachtet nachvollziehbar, dass viele Familien damit hadern, Alternativen dafür zu finden – zumal viele unserer Eltern oder sogar wir selbst, körperliche Gewalt als Strafe erfahren mussten. Welche Möglichkeiten bieten sich uns Eltern, anstatt zu bestrafen?

Strafe: Das passiert mit Deinem Kind

Die natürliche Konsequenz in diesem Beispiel wäre übrigens, Deinem Kind zu erklären, dass es mit dem geworfenen Sand jemanden verletzen kann, der dann weint oder wütend wird und womöglich nicht mehr mit ihm spielen möchte. Durch diese “Wenn-Dann-Sätze” zeigst Du Deinem Kind auch ganz klar, dass Du ihm nicht zutraust damit aufzuhören und zu kooperieren.

Schauen wir uns zuerst einmal an, was in Deinem Kind passiert, wenn Du es bestrafst. Ganz gleich, welche Situation passiert ist, durch eine Strafe wird es die natürliche Konsequenz seiner Handlung nicht lernen. Es lernt durch Bestrafung eins: Gehorsam. Zum Beispiel: Dein Kind wirft mehrfach im Sandkasten Sand auf ein anderes Kind. Irgendwann sagst du: „Wenn du jetzt nicht aufhörst, gehen wir sofort nach Hause!“ Im schlimmsten Fall wiederholt Dein Kind die Aktion und Du ziehst vom Spielplatz heim. Du möchtest Konsequenzen aufzeigen, damit es jetzt damit aufhört und es nie wieder macht. Dein Kind wird daraus aber nicht lernen, was es falsch gemacht hat und Du wirst nicht verstehen, warum es so gehandelt hat. Es findet keine Begegnung und kein Gespräch auf Augenhöhe statt. Keine Verbindung. Stattdessen setzt Du Deine Macht über Dein Kind ein. Was lernt bzw. erfährt es daraus? Es wird sich selbst schlecht fühlen als Person: Dass es nicht richtig ist, wie es ist und nichts falsch machen darf, weil es dann nicht mehr geliebt wird. Möglicherweise wird es Schuldgefühle haben und sich schämen. Eventuell geht es auch in Konfrontation und ein Kampf um Macht und Kontrolle beginnt.

Warum bestrafen wir unsere Kinder?

Ich möchte hier betonen, dass es nicht nur körperliche Züchtigung und drohende “Wenn-Dann-Sätze” als Strafen gibt. Zu den gängigen Formen der Bestrafung zählen auch nonverbale, wie auslachen, ein schlechtes Gewissen machen, schimpfen, ignorieren, herabsetzen, ironisieren, Vorwürfe machen und ein leidendes Gesicht ziehen.

Und warum strafen wir? Wir strafen, weil wir:

  • uns hilflos fühlen
  • überfordert, müde und gestresst sind
  • uns in der Öffentlichkeit für das Verhalten unseres Kindes schämen und wollen, dass es schnell vorbei ist
  • wollen, dass unser Alltag als Familie funktioniert
  • es so in unserer Kindheit erfahren haben
  • Angst haben, dass das Kind uns sonst (später) „auf der Nase herumtanzt“
  • es aus unserem Umfeld kennen
  • wollen, dass das Kind sofort kooperiert
  • gesagt bekommen haben, dass ein Kind Führung braucht und gehorchen muss
  • Angst haben sonst schlechte Eltern zu sein

Mein Weg als Mama ohne Strafen

In den ersten beiden Lebensjahren habe ich viel Literatur zu dem Thema gelesen. Besonders gut gefiel mir das Buch von Katja Saalfrank „Kindheit ohne Strafen: Neue wertschätzende Wege für Eltern, die es anders machen wollen.“ Als ich es las, schrie alles in mir: „Ja, genau! Ich werde nie strafen!“ Aber so einfach ist das gar nicht.

Ein Jahr später habe ich es mit einem Kleinkind zu tun, dass sich immer wieder sehr willensstark zeigt. Wutanfälle und ein bestimmender Ton kommen von ihrer Seite öfter vor als mir lieb ist. „Mama, du musst aber! Mama, ich will aber jetzt…!“ Wenn Du Mama eines Kleinkindes bist, weißt Du wahrscheinlich, wovon ich rede. Und auch wenn wir durch unser freies Nomadenleben keine wirklichen Termine und damit kein Zeitdruck von außen haben, kracht es doch öfter mal. Denn auch in unserem freien Alltag gehen unsere Bedürfnisse manchmal komplett aneinander vorbei. In den meisten Fällen werde ich bei einer Sache, die mir gerade wichtig ist, unterbrochen und soll sofort bei ihr sein und ihr Bedürfnis nach XY erfüllen, was mich zusammen mit Schlafmangel dann auch echt empfindlich werden lässt. Kurz gesagt: Ich werde zum Wolf. Ich beobachte dann auch in letzter Zeit bei mir, dass sich diese Wenn-Dann-Sätze einschleichen. Ich nehme es sofort wahr. Meistens schaffe ich es, mich zu bremsen und bekomme nochmal die Kurve. In der Vergangenheit kam es aber auch schon vor, dass ich sagte: „Wenn XY jetzt nicht klappt, dann hole ich dir nachher kein Eis.“ Meine Tochter weinte dann ganz doll und ich verstand sofort, dass das was ich gerade sagte, so gar keinen Sinn macht und eine Strafe darstellt. Ich widerrief meine Aussage sofort und erklärte ihr auf Augenhöhe, dass ich gerade sehr überlastet bin und mir die Nerven durchgehen. Dass es mir leid tut. Ich nahm sie in den Arm und tröstete sie. Noch 2 Tage lang war sie verunsichert und erzählte mir, dass ich ihr ein Eis verbieten wollte. Da wurde mir das Ausmaß von Strafen und was das mit meinem Kind macht, richtig bewusst. Ich habe mich erneut ganz klar dagegen entschieden.

Alternativen für Strafen

Was kannst Du tun, wenn Dir die Nerven durchgehen und Dir eine Strafe in den Sinn kommt? Hier stelle ich dir 5 Alternativen vor:

Durchatmen!

Wenn Du merkst, dass Du wütend wirst und Dein Kind am Liebsten anschreien oder bestrafen würdest, nimm Dir eine kurze Atempause. Teile ihm mit, dass Du für einen Moment die Situation verlassen und Dich erst beruhigen musst. In der Wut lassen sich keine Konflikte lösen. Und außerdem erfordern die wenigsten Konfliktsituationen im Familienalltag ein sofortiges Einschreiten.

  • Hol Dir ein Glas Wasser.
  • Mache Dir vielleicht einen Kaffee oder Tee.
  • Setze Dich kurz hin.
  • Zähle bis 10.
  • Atme tief durch.

Deinem Kind wird eine Pause wahrscheinlich auch guttun. Zusammen könnt Ihr anschließend über den Konflikt sprechen und versuchen eine angemessene Lösung zu finden.

Finde Alternativen für das Verhalten Deines Kindes

Anstatt Deinem Kind immer zu sagen, was es nicht tun soll, erkläre ihm, was es stattdessen machen kann. Wenn es also die Wand anmalen will, biete ihm Papier an. Will es am Tisch das Wasserglas umschütten, frag es, ob es in der Badewanne planschen möchte usw. Bedenke: Unsere Kinder wollen uns nicht ärgern, sie wollen die Welt entdecken.

Hinterfrage Deine Erwartungen

Könnte es sein, dass Du von Deinem Kind zu viel verlangst? Ist es vielleicht in manchen Situationen einfach noch nicht so weit, anders zu handeln? Oft erwarten wir zu viel von unseren Kindern. Hinterfrage Dich in Euren Konfliktsituationen.

Checke Eure Familienregeln

Eine Familie ist eine Gemeinschaft und zum Zusammenleben gehören Regeln dazu, das ist soweit klar. Je mehr Regeln es hier gibt, umso mehr musst Du darauf achten, dass sie auch eingehalten werden. Regeln dienen dazu, dass die Bedürfnisse aller Personen Beachtung finden können. Jedoch können sich Kinder, je nach Alter, nur eine gewisse Anzahl an Regeln einprägen. Außerdem wissen sie oft nicht, welche Regeln wirklich von Bedeutung für uns Eltern sind und welche nicht. Ein Tipp: Überprüfe eure Regeln! Gibt es welche, die eigentlich doch nicht so wichtig sind? An welchen willst du wirklich festhalten? Dann kommuniziere das mit Deinem Kind.

Verändere etwas

Stößt du im Alltag immer wieder auf den gleichen Konflikt mit Deinem Kind, überlege Dir, ob es möglich ist, die Strategie zu verändern. Plane zum Beispiel mehr Zeit zum Kuscheln ein am Morgen oder für die Diskussion über die heutige Kleidung.

Fazit zu Strafen bei Kindern

Leicht rutschen uns Eltern in stressigen Situationen Wenn-Dann-Sätze über die Lippen. Je öfter wir versuchen in diesen belastenden Momenten gewaltfreie Handlungsalternativen zu finden, umso leichter wird uns eine Beziehung auf Augenhöhe mit unserem Kind fallen. Wir lernen hinter das Verhalten unseres Kindes zu schauen und gemeinsam eine friedvolle Lösung zu finden. Wir werden in den Genuss der Kooperation unseres Kindes kommen. Letztendlich haben unsere Sprösslinge nur eine Kindheit und die sollte doch voller Liebe und nicht durch Gehorsam geprägt sein. 

Wie sind Eure Erfahrung zum Thema “Kinder bestrafen”? Habt Ihr noch weitere Alternativen für Strafen? Wir freuen uns über Deinen Kommentar und hoffen, Dir hat dieser Beitrag von uns gefallen.

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