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Lasst eure Kinder spielen

Seit es draußen warm ist, sind der Kleine und ich ziemlich viel auf Spielplätzen unterwegs. Er hat einen ziemlich großen Bewegungsdrang und einen unerschütterlichen Forscher- und Entdeckerdrang. Eine Sache fällt mir auf Spielplätzen immer wieder auf: während ich meinen Sohn möglichst viel und unbeeinflusst spielen lasse, verhalten sich viele Eltern etwas anders.

Was stimmt nicht?

Auf dem Spielplatz sind sieben Kinder. Zwei davon spielen miteinander. Alle anderen spielen mit Erwachsenen. Sie Schaukeln auf dem Schoß ihrer Väter, Wippen mit ihren Müttern, drücken die Sandbauten ihrer Eltern platt. Mir drängt sich folgende Frage auf: “Warum spielen die Kinder nicht miteinander? Was stimmt nicht mit den Kindern? Entspricht es tatsächlich dem Naturell von Kindern, gesittet und wie gedacht mit den Spielgeräten zu spielen? Warum versucht keines von ihnen, die Rutsche hochzuklettern, schüttet sie mit Sand hoch oder balanciert auf der Wippe?”

Schließlich dämmert es mir: es sind die Eltern, mit denen “etwas nicht stimmt”. Sie lassen ihre Kinder keinen Moment alleine. Zu groß ist die Angst, dass die Sprößlinge entweder eine Schramme davontragen oder aber sich nicht artig genug benehmen. Während ich ersteren Beweggrund nur zu gut verstehen kann, finde ich nicht, dass Kinder sich gut benehmen müssen. Was ist so schlimm daran, wenn mein Kind auf dem Spielplatz mit der Schaufel eines anderen Kindes spielt, das diese gerade ohnehin nicht beachtet? Wie soll mein Einjähriger den Unterschied kennen zwischen Dingen, die dort zum Spielen für alle gedacht sind und solchen, die jemandem gehören? Und wenn es dem anderen Kind oder den Eltern nicht recht ist, können sie es sagen – ich muss nicht präventiv über ihm kreisen, um sicherzugehen, dass sich ja niemand angegriffen fühlt.

Warum alleine spielen so wichtig ist

Und auch wenn es natürlich wichtig ist, dafür zu sorgen, dass sich das Kind nicht schwer verletzt, so finde ich es doch auch sehr wichtig, dass mein Kind selbständig spielen kann und lernt, seine Fähigkeiten einzuschätzen. Ohne meine Intervention. Ohne meine Vorgaben, Anregungen, Einschränkungen. Kinder spielen nicht einfach zum Vergnügen – sie spielen, um zu lernen. Jeder Schritt, den sie tun, verbessert ihre Fähigkeiten, füllt ihren Erfahrungsschatz, hilft ihnen, die Welt zu verstehen.

Denn unsere Aufgabe als Eltern ist es nicht, unseren Kindern den Weg vorzugeben. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sie ihn unbeschadet und behütet selbst gehen können. Das heißt, wir müssen da sein, um unsere Kinder vor Schaden zu bewahren und ihnen das Umfeld zu geben, das sie zum Wachsen brauchen. Den Rest können unsere Kleinen selbst – denn das ist es, was Kinder tun – lernen, erkunden, ausprobieren, wachsen. Wenn sie “spielen”, erkunden Sie in Wahrheit auf ihre Weise diese Welt. Sie probieren sich aus, lernen aus Fehlern, probieren es wieder und wieder. Wenn wir als Eltern ständig über ihnen kreisen, verhindern wir, dass die Kinder sich zu selbständigen, kreativen Erwachsenen entwickeln können. Denn dazu brauchen Sie Freiraum und ein eigenes Tempo – nicht das der Eltern.

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3 Kommentare

Antworten

  1. Hallo, ich bin Mama von zwei Kinder und ich finde es schön mit meinen Kindern zu spielen. Ich gebe ihnen nichts vor nur weil ich mit ihnen spiele sondern gebe Ihnen Sicherheit und freue mich sofort über das gefunde (oh ein Blatt) oder richtig geschaffte (die Stufen hochgeklettert). Ich finde das gerade befremdlich auf dem Spielplatz zu sehen, dass einige Eltern lustlos auf der Bank sitzen, ab und zu mal gucken ob das Kind noch da ist um dann wieder auf dem Handy rumzuspielen. Gerade kleine Kinder (1-2 Jahre) spielen noch nicht mit anderen Kindern. Sie spielen für sich alleine oder aber lieben die Aufmerksamkeit ihrer Bezugsperson. Erst ab dem 2 Jahr stellt es sich langsam ein das die Kinder andere Kinder als Individuen und Spielkameraden ansehen. Also Eltern spielt ruhig öfter mit euren Kindern, dass heißt aber nicht gleich das man dem Kind alles vorgibt.

    • Danke, liebe Di, für diesen durchaus berechtigten Einwand. Ich spiele auch mit meinem 1-jährigen, schon alleine, weil ich ohnehin auf ihn aufpassen muss. Allerdings spielt er sehr wohl und sehr gerne mit anderen Kindern. Mein Ziel ist es daher, mich möglichst zurückzuhalten, ihm Hilfestellung zu geben, wenn nötig und da zu sein, wenn er etwas Gefährliches tun will.
      Und die Eltern mit den Handys sind wahrscheinlich einfach froh, mal eine Minute für sich zu haben 😉

  2. Ein toller Beitrag! Besonders das “lass die Schaufel, die gehört dem Kind da” finde ich ganz schrecklich…

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