Mein Baby wird mobil – Worauf muss ich achten?


Monatelang konnte sich der Bub nicht vom Fleck rühren und war für jeden Orts- ja sogar für jeden Lagewechsel auf unsere Hilfe angewiesen. Dann begann er sich mit 15 Wochen auf einmal zu drehen und seit ein paar Tagen (er ist 22 Wochen jung) robbt der verrückte, kleine Kerl durch das ganze Wohnzimmer.

Immer eine Hand am Kind!

Unser Mädchen war bei Weitem nicht so schnell wie ihr Bruder, aber sie lehrte mich, dass die Entwicklung vom liegenden zum sich bewegenden Baby quasi über Nacht stattfindet. Bei ihr erlebten wir beispielsweise fast eine böse Überraschung, als sie sich plötzlich (für uns völlig unerwartet) auf dem Wickeltisch drehte und beinahe abstürzte, weil ich in diesem Augenblick nach einem Body in der Schublade und nicht nach ihr schaute.

Als ich das unserer Physiotherapeutin erzählte, riet sie mir immer eine Hand am Kind zu lassen, wenn es sich auf dem Wickeltisch befindet. Stürze vom Wickeltisch seien die häufigste Ursache für Unfälle im häuslichen Umfeld bei Kindern unter zwei Jahren, erklärte sie. Oft passiert den Kleinen glücklicherweise nichts, aber wenn Babys ungünstig landen, zum Beispiel auf ihrem weichen Kopf, kann ein Sturz aus dieser Höhe lebensgefährlich sein.

Auf dem Boden wickeln

Den Knaben wickeln wir seit der Geburt auf dem Boden, nicht aus Sicherheitsgründen – das ergab sich eher zufällig, weil er sich in unserer Kuschelecke vor dem Heizgebläse immer am wohlsten fühlte. Vielleicht auch, weil er an dieser Stelle das Licht der Welt erblickte (siehe „Hausgeburt mit Hindernissen“). Das ist zwar nicht gerade eine rückenschonende Variante, aber das Wickeln und Spielen zu ebener Erde, hat den großen Vorteil, dass er sich völlig frei bewegen kann.

Erweiterter Bewegungsradius

Die entspannten Zeiten, in denen ich den Raum kurz verlassen konnte und den Bub bei der Rückkehr exakt dort wiederfand, wo ich ihn zuletzt hingelegt hatte, sind jetzt jedenfalls vorbei. Seitdem er sich unermüdlich vorwärts schiebt, ist nichts mehr vor ihm sicher. Sein Bewegungsradius wird zunehmend größer – von Tag zu Tag erreicht er mehr Bereiche im Wohnzimmer (dort halten wir uns meistens auf) und bald sicherlich immer mehr Orte in unserer Wohnung.

Das heißt für mich, dass ich mich neu auf den Knaben einstellen und meine Gewohnheiten ändern muss. Vor kurzem lag der Kleine, wenn er satt und zufrieden war, bisweilen 10 Minuten und länger unter seinem Spielebogen und beschäftigte sich so mit sich selbst, während ich in der Küche das Mittagessen zubereitete. Ihn so „lange“ unbeaufsichtigt zu lassen ist nun nicht mehr möglich. Jedenfalls fühle ich mich nicht gut dabei.

Babysichere Wohnung

Damit ihm auf seinen Erkundungstouren nichts passiert, schaue ich lieber regelmäßig nach ihm und ich räume vorsorglich alles aus dem Weg, womit er sich verletzen könnte. Spitze Stöcke und kleine Steine beispielsweise, die meine Große mit Vorliebe draußen sammelt und anschließend überall in der Wohnung verteilt. Denn er möchte alles Erreichbare berühren und in den Mund nehmen; er möchte alles ausgiebig mit Fingern, Zunge und Lippen untersuchen. Das darf er auch gerne, solange es keine für ihn gefährlichen Gegenstände sind.

Gefahren lauern für die kleinen neugierigen Entdecker leider überall. Babys können sich an Steckdosen und Haushaltsgeräten verletzen oder an Zimmerpflanzen und Reinigungsmitteln vergiften, wenn sie sich diese in den Mund stecken. In einer Wohnung gibt es viele Gegenstände, die nicht in Kinderhände gehören.

Eine empfohlene Maßnahme besteht darin, alles außer Reichweite zu bringen, was das Kind schädigen könnte. Das bedeutet bewegbare Gegenstände mindestens 1 Meter über dem Boden zu platzieren und gefährliche Zonen wie Schränke mit Reinigungsutensilien oder Treppenaufgänge so zu sichern, dass das Kind nicht heran kommt.

Laufgitter?

Ob das Kind in ein Laufgitter soll oder nicht, ist eine pädagogische Streitfrage. Unser Mädchen wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen. Sie wollte lieber die Küche auf den Kopf stellen und mit Töpfen spielen statt mit ihrem Spielzeug in dem Käfig zu sitzen. Unser Laufgitter zog deswegen nach wenigen Wochen wieder aus und das Mädchen in eine Tragehilfe. Beim Kochen und Putzen konnte sie mir so zuschauen, ohne sich in Gefahr zu bringen – für uns beide ein guter Kompromiss.

Fühlt sich ein Baby jedoch im Laufgitter wohl, spricht nichts dagegen seinen Aktionsradius auf diese Weise einzuschränken, falls man ihm mal nicht die volle Aufmerksamkeit schenken kann. Allerdings sollte das Baby nicht dauerhaft darin geparkt werden, sondern auch ausreichend Freiheit außerhalb des Gitters genießen dürfen. Denn Babys wollen und müssen sich bewegen.

Geeigneter Untergrund & wenig Kleidung

So richtig in Fahrt kommt unser Bub übrigens, wenn er nackt oder halbnackt (im Body) über unsere Teppiche kriechen darf. Liegt er dagegen auf den Dielen, rutscht er immer wieder aus und bewegt sich so kaum von der Stelle.

Babys fällt es schwer sich auf glatten Untergründen und mit vielen Bekleidungsschichten fortzubewegen. Wer Dielen-, Parkett- oder Fliesenfußböden hat, sollte deswegen in eine gute Krabbelunterlage investieren und die Kleinen bei entsprechender Zimmertemperatur regelmäßig ohne bzw. mit wenig Bekleidung turnen lassen.

Mobile Babys sind anstrengend

Uns steht jetzt eine wilde Phase bevor, in der wir den Knaben am besten immer im Auge behalten. Er wird nun jeden Zipfel unserer Wohnung auskundschaften und seiner Schwester demonstrieren, dass er kein Baby mehr ist, sondern ein ernstzunehmender Mitstreiter, der es auf ihr Spielzeug abgesehen hat. Bis er sich so sicher wie sie und ohne unsere Aufmerksamkeit bewegen kann, benötigt es viele Monate. Eine aufregende, aber auch sehr anstrengende  Zeit, die mit dem größeren Geschwister sicherlich für den einen oder anderen Konflikt sorgen wird. Mir schwant nichts Gutes ;)

 

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