Präimplantationsdiagnostik

Präimplantationsdiagnostik: Was Du über die PID wissen solltest


Was die Präimplantationsdiagnostik (PID) darf, was sie nicht darf, wohin sie führt und warum es bei der PID um vieles, aber nicht um Kinder aus dem Katalog geht, erfährst Du im folgenden Artikel.

Präimplantationsdiagnostik – Was ist das?

Wahrscheinlich hast Du das Wort „Präimplantationsdiagnostik“ schon einmal gehört oder gelesen. Bei der Präimplantationsdiagnostik handelt es sich um eine Untersuchungsmethode eines Embryos BEVOR (prä) dieser in die Gebärmutter eingesetzt (Implantation) wird. Zum Zeitpunkt dieser Analyse besteht der Embryo aus etwa sechs bis zehn Zellen, von denen eine oder mehrere entnommen und genetisch untersucht werden.

Im Rahmen der PID können Gendefekte festgestellt oder ausgeschlossen werden und zum Beispiel auch das Geschlecht des Kindes bestimmt werden.

Einer solchen Diagnostik muss immer eine künstliche Befruchtung (IVF oder ICSI) vorausgegangen sein.

Wann wird eine Präimplantationsdiagnostik durchgeführt?

Wie Du Dir sicherlich denken kannst, ist die PID ein umstrittenes und stark diskutiertes Thema. Aufgabe der PID nämlich ist es, schlechte Embryonen auszusortieren bzw. lediglich gesunde Embryonen in die Gebärmutter der Frau einzupflanzen. Dies hat natürlich auch zur Folge, dass potentiell lebensfähige befruchtete Eizellen vernichtet werden (müssen), was laut dem geltenden Embryonenschutzgesetz nicht erlaubt ist.

Die Präimplantationsdiagnostik ist in Deutschland grundsätzlich verboten und lediglich in begründeten Ausnahmefällen erlaubt. Sie unterliegt strengen Indikationen und darf – in Deutschland – nur dann durchgeführt werden, wenn eine Tot- oder Fehlgeburt wahrscheinlich ist oder eine schwerwiegende Erbkrankheit beim Kind zu erwarten ist.

Anders als in anderen Ländern ist es bei uns nicht erlaubt, die PID zur Geschlechterauswahl zu nutzen oder allein deshalb, um noch vor dem Embryonentransfer herauszufinden, ob ein Kind vielleicht krank sein wird. Diese Vorgehensweise ist nur bei einer genetischen Veranlagung für schwere Erbkrankheiten gestattet.

Genetische Veränderungen erkennen?

Bei der PID wird der Chromosomensatz des Embryos untersucht. So werden beispielsweise die Trisomien 13 (Pätau-Syndrom), 18 (Edwards-Syndrom) und 21 (Downsyndrom) erkannt. Außerdem ist es möglich, das Marfan-Syndrom oder Chorea Huntington festzustellen.

Auf der Seite des Deutschen Referenzzentrums für Ethik in den Biowissenschaften findest Du eine weitere Reihe von genetisch bedingten schweren Krankheiten, nach denen mittels PID gesucht werden kann.

Warum Präimplantationsdiagnostik ein Fluch ist

Bei der PID spielt, so empfinden es die Gegner dieser Methode, der Mensch Gott: Der Arzt unterstützt das Kinderwunschpaar im Zweifel nicht nur dabei, überhaupt ein Kind zu bekommen und greift in den Befruchtungsprozess ein, sondern entscheidet im Anschluss daran zudem, ob ein Embryo eine Chance auf Leben hat oder nicht. Der Biologe entscheidet über Leben und Tod. Welcher Embryo bekommt eine Chance und darf leben und welcher nicht?

Ein Baby aus dem Katalog: Mithilfe der PID ist es nicht nur möglich, schwerwiegende Krankheiten zu entdecken und betroffene Embryonen auszusortieren. Vielmehr kann zum Beispiel auch eine Auswahl des Geschlechts vorgenommen werden oder ein Embryo auf andere weniger schwere Krankheiten (oder deren Risiko alleine!) untersucht und aussortiert werden. Wo sind die Grenzen? Was darf der Mensch und was darf er nicht?

Warum Präimplantationsdiagnostik ein Segen ist

Auf der anderen Seite kann die PID Kinderwunschpaaren, die mehrere Fehl- oder Totgeburten hinter sich haben, ein gesundes Kind schenken. Mithilfe der Präimplantationsdiagnostik ist es möglich, schwerwiegende Krankheiten bereits vor dem Einsetzen des Embryos in die Gebärmutter festzustellen und nur diejenigen Embryonen in die Gebärmutter einzusetzen, die diese Krankheitszeichen nicht tragen.

So ist es möglich, werdende Eltern vor weiteren dramatischen Erlebnissen wie dem Tod ihres eigenen Kindes bereits im Bauch oder kurz nach der Geburt zu bewahren. Und nicht nur das: Auch dem Embryo, Fötus oder Baby kann ein schmerzhafter Tod, bereits im Mutterleib erspart werden. Und ist es nicht sogar ein wenig absurd, dass Spätabtreibungen in Deutschland in Ausnahmefällen erlaubt sind und die PID bis vor ein paar Jahren komplett verboten war?

Wie würdest Du entscheiden?

Mein Mann und ich befinden uns in der glücklichen Lage, nicht auf die PID angewiesen zu sein. Grundsätzlich befürworte ich die Durchführung dieser Diagnostik in Ausnahmefällen jedoch, weil sie viel Unheil, Leid und Schmerz bei den betroffenen Eltern verhindern kann.

Ich finde gut, dass die PID in Deutschland nicht wahllos vorgenommen werden darf, sondern nur bei speziellen Indikationen und traue unseren Ärzten und den Ethikräten der Länder zu, das Verfahren auch wirklich nur dann zu befürworten, wenn es aus wichtigen und triftigen Gründen vorgenommen werden soll.

Wir dürfen nicht Gott spielen und wahllos über Leben und Tod entscheiden, wir dürfen uns aber – finde ich – unsere Möglichkeiten an den Stellen zunutze machen, an denen verzweifelten Kinderwunschpaaren geholfen werden kann.

Und wie verzweifelt Eltern sind, wenn ihr Baby oder Kind leiden oder gar sterben muss, kann sich jeder von uns, der bereits selbst ein Kind hat, vorstellen – wenngleich zum Glück nur ansatzweise.

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