ICSI

Was Du unbedingt über künstliche Befruchtung und Reproduktionsmedizin wissen musst


In einem meiner letzten Artikel im Magazin habe ich erklärt, was bei einer Insemination passiert. Heute möchte ich die Unterschiede zwischen einer IUI und der „echten“ künstlichen Befruchtung beleuchten. Was passiert bei einer intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) bzw. einer In-vitro-Fertilisation (IVF) und worin unterscheiden sich diese Verfahren von einer intrauterinen Insemination (IUI)? Bei einer intrauterinen Insemination wird der Samen des Mannes mit einem kleinen Schlauch in die Gebärmutter gebracht. Dieses Verfahren ist, wie Ihr lesen konntet, gar nicht so künstlich wie Ihr Euch eine IUI vielleicht vorgestellt hattet. Im Gegensatz dazu findet die Befruchtung bei einer ICSI oder IVF nicht im Körper der Frau statt, doch ich nehme es bereits vorweg: Auch ICSI und IVF sind gar nicht so künstlich wie Ihr eventuell glaubtet.

Künstliche Befruchtung = Octo Mom?

Die meisten von Euch kennen künstliche Befruchtungen wahrscheinlich nur aus dem Fernsehen oder von Fällen wie Natalie Suleman, der Frau, die traurige Berühmtheit damit erlangte, nach einer künstlichen Befruchtung mit Achtlingen schwanger zu sein.

Die meisten Paare, deren Kinderwunsch nicht so schnell oder einfach in Erfüllung geht, reden leider nicht darüber. Statistisch ist es aber gar nicht unwahrscheinlich, dass auch Du Freunde oder Bekannte hast, die eine künstliche Befruchtung hinter sich haben oder aktuell in einer Kinderwunschpraxis in Behandlung sind.

Für wen ist eine künstliche Befruchtung sinnvoll?

Vielleicht gehörst auch Du zu den Frauen oder Männern, die auf ICSI oder IVF angewiesen sind. Dann weißt Du auch, dass es bis dahin oft ein langer, beschwerlicher Weg mit allerhand Diagnostik im Vorfeld ist. Kein Arzt wird innerhalb eines kurzen Gesprächs zu einer künstlichen Befruchtung raten, ohne die genauen Ursachen für die ungewollte Kinderlosigkeit zu kennen.

Voraussetzung für eine künstliche Befruchtung ist, dass es unwahrscheinlich ist, dass eine Insemination oder eine andere Behandlung, zum Beispiel mit Medikamenten, zu einer Schwangerschaft führt. Oftmals haben Paare zu diesem Zeitpunkt auch schon einige erfolglose IUI-Versuche hinter sich.

Du bist besorgt oder willst Dich zunächst einmal informieren, wie eine künstliche Befruchtung abläuft? Ich erkläre im Folgenden, was bei IVF und ICSI passiert.

Ablauf von IVF und ICSI

Der Einfachheit halber stelle ich beide Varianten der künstlichen Befruchtung gemeinsam vor, da sich ICSI und IVF lediglich darin unterscheiden, wie Spermien und Eizellen zusammengebracht werden.

Die Stimulation der Eizellen

Bei einer künstlichen Befruchtung werden in der Regel die Eierstöcke stimuliert, um mehrere befruchtungsfähige Eizellen zu gewinnen, da so die Befruchtungs- und Schwangerschaftsrate steigt. Seltener findet eine IVF im sogenannten Spontanzyklus statt, bei der in der Regel nur 1-2 Follikel gebildet werden.

Um die Eierstöcke zur Produktion zu bewegen, muss sich die Frau ein Medikament spritzen, das die Eizellreifung unterstützt. Parallel dazu werden weitere Spritzen verabreicht, um den (vorzeitigen) Eisprung zu unterdrücken.

In der 1. Zyklushälfte finden zudem regelmäßige Ultraschalluntersuchungen statt. Dies ist wichtig, damit der Frauenarzt sehen kann, was im Unterleib geschieht und gegebenenfalls die Dosis anpassen. Beim Schall überwacht der Gynäkologe unter anderem, wie viele Eizellen heranreifen, wie groß sie sind und wie die Gebärmutterschleimhaut beschaffen ist.

Die Punktion = Entnahme der Eizellen

Sind die Eizellen groß genug, werden sie entnommen. Dies passiert in der Regel in einer (Kurz)narkose. Der Arzt führt dabei eine Nadel in die Scheide ein, mit der er die Follikel entnimmt. Wichtig ist dabei, dass sich die Frau noch vor dem Eisprungzeitpunkt befindet.

Dieser Eingriff ist meistens nicht besonders schmerzhaft. Natürlich bringt er – ebenso wie jede andere Operation mit Narkose – Risiken mit sich. Hierüber wird Euch der Arzt aufklären.

Die Spermiengewinnung

Wie auch bei der Insemination muss der Mann auch bei einer künstlichen Befruchtung eine Spermaprobe produzieren. Das passiert quasi zeitgleich mit der Eizellpunktion. Das Ejakulat wird im Anschluss im Labor aufbereitet.

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Die Befruchtung

Wie schon oben erwähnt, unterscheiden sich IVF und ICSI in der Art der Befruchtung.

Die Befruchtung bei der IVF

Bei guter Qualität der Spermien kann eine IVF durchgeführt werden. Dabei werden Spermien und Eizellen in einem Glas mit Nährflüssigkeit zusammengebracht und bebrütet. Die Spermien befruchten nun im besten Fall die Eizellen selbständig.

Die Befruchtung bei der ICSI

Sind nicht so viele oder nur wenige gute Spermien vorhanden, findet eine ICSI statt. Dabei werden einzelne Spermien mit einer Hohlnadel direkt in die Eizellen eingespritzt.

Bei beiden Varianten ist die Befruchtung selbst tatsächlich nicht richtig künstlich. Das Verschmelzen der Zellkerne übernimmt auch hier die Natur.

Der Transfer der Embryonen

Etwa 2 bis 5 Tage nach der Eizellpunktion findet der Transfer der Embryonen statt – vorausgesetzt es wurden Eizellen befruchtet. Leider ist dies selbst unter Laborbedingungen nicht immer der Fall. Dieser Vorgang läuft ab wie eine Insemination: Die befruchteten Eizellen werden mit einem dünnen Schlauch in die Gebärmutter der Frau eingesetzt. Zudem wird der Eisprung bei einer künstlichen Befruchtung in der Regel durch Medikamente ausgelöst, um ihn bestmöglich timen zu können.

In Deutschland ist es relativ üblich, zwei Embryonen zu übertragen, wobei mehr und mehr Ärzte einen sogenannten Single-Embryo-Transfer empfehlen, um das Risiko von Mehrlingen zu verringern.

Nach dem Transfer

Die Zeit nach dem Embryonentransfer ist die spannendste und oft auch die schlimmste Zeit für ein Paar. Jetzt müsst Ihr Euch ca. 10-14 Tage gedulden. Erst dann kann der Arzt durch einen Bluttest oder könnt Ihr selbst durch einen Schwangerschaftstest herausfinden, ob die künstliche Befruchtung geglückt ist.

Wie wahrscheinlich ist es, schwanger zu werden?  

Ungefähr jede dritte künstliche Befruchtung endet in einer Schwangerschaft. Die Schwangerschaftsrate liegt je nach Alter der Frau, Ursache der Kinderlosigkeit und Verlauf der künstlichen Befruchtung zwischen 20 und 35 %.

Übrigens:
Eine Frau, die durch eine IVF oder eine ICSI schwanger wird, wird später normal in einer Frauenarztpraxis betreut. Die Schwangerschaft ist in aller Regel nicht risikobehafteter als eine natürlich eingetretene.

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