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Bauernhof-Kindergarten: 11 Vorteile zur regulären Kita


In den letzten Jahren steigt in Deutschland neben konventionellen Kindergärten die Anzahl alternativer Einrichtungen zur Betreuung von Kindergartenkindern. Während Waldkindergärten mittlerweile schon einen höheren Bekanntheitsgrad haben, ist der Bauernhof Kindergarten vielen Eltern noch unbekannt. Da mein Sohn seit diesem Sommer einen Bauernhof Kindergarten besucht und ich vor einem Jahr selbst noch nichts über dieses spannende Konzept wusste, möchte ich Dir hier alle Fragen rund um das Thema beantworten. Von den pädagogischen Zielen über Vor- und Nachteile bis hin zu den Kosten und dem Tagesablauf in der Alternativeinrichtung Bauernhof Kindergarten erfährst Du in diesem Beitrag alles aus erster Hand.

Ein Bauernhof Kindergarten – was ist das eigentlich?

Was sich zunächst einmal ungewohnt anhören mag, ist grundlegend erst einmal nichts anderes als das Wort bereits beschreibt – ein Kindergarten auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Der größte Unterschied zu regulären Kindertageseinrichtungen besteht wohl darin, dass die Kinder sich nicht in einem Gebäude aufhalten, sondern den Großteil des Tages an der frischen Luft verbringen. Als Unterschlupf dient je nach Einrichtung und örtlichen Gegebenheiten ein Bau- bzw. Wichtelwagen, eine Scheune oder Teile des Bauernhauses.

Wie viele Bauernhof Kindergärten gibt es aktuell?

Aktuell sind Bauernhof Kindergärten in Deutschland noch eher selten zu finden. Es gibt jedoch zunehmend interessierte Eltern, Pädagogen und landwirtschaftliche Betriebe, die sich für ihre Gründung einsetzen. Die Anzahl der Einrichtungen steigt demnach schrittweise und kontinuierlich. Erst diesen August haben etwa über Kita Natura e.V. drei neue Einrichtungen eröffnet. Da die einzelnen Kindergärten von den Gemeinden, dem jeweiligen Kreis oder aber verschiedenen freien Trägern (Genossenschaften, Vereine oder gGmbHs) gegründet werden, liegt eine deutschlandweite Listung aller Kindergärten nicht vor.

Doch wo könnt Ihr als Eltern erste Infos erhalten?

Bauernhof Kindergarten – warum überhaupt? 11 Pädagogischen Ziele und Vorteile

Mittlerweile gibt es verschiedene Konzepte, die die Normen, Werte und Leitbilder der pädagogischen Arbeit in den einzelnen Bauernhof Kindergärten zusammenfassen. Das individuelle Konzept jedes einzelnen Bauernhof Kindergartens ist letztlich abhängig vom Träger.

Die grundlegenden pädagogischen Ziele, das „Warum?“ hinter jeder Gründung lässt sich aber als gemeinsame Basis aller Einrichtungen betrachten.

Welche pädagogischen Ziele und Vorteile stehen also im Fokus eines Bauernhof Kindergartens?

Dein Kind…

  • lernt die Landwirtschaft und die umgebende Natur auf spielerische Weise mit allen Sinnen kennen.
  • entwickelt ein unmittelbares Bewusstsein für ökologische Kreisläufe.
  • lernt soziale und ökologische Verantwortung für sich und sein Umfeld zu übernehmen.
  • erlebt sich als selbstwirksam und erfährt Wertschätzung bei der Teilnahme an Arbeitsprozessen.
  • stärkt ihr eigenes Körpergefühl und Immunsystem.
  • wird dafür sensibilisiert, dass der Mensch in Anhängigkeit zur Natur steht.
  • kann seinem natürlichen Bewegungsdrang in vollem Ausmaß nachkommen und ist zeitgleich an der frischen Luft.
  • baut einen intensiven Kontakt zu Tieren auf.
  • kann ein Verständnis dafür entwickeln, warum ein nachhaltiger Lebensstil heutzutage wichtig ist.
  • wird in seiner Fantasie und Kreativität gefördert, indem die Erzieher für das freie Spiel viele verschiedene Naturmaterialien zum Erforschen bereitstellen.
  • entwickelt durch das Anbauen und Ernten ein besseres Verständnis dafür, wie eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung aussieht.

Die Dokumentation über die Entwicklung der Kinder findet übrigens genau wie in jeder regulären Kita auch statt. Insbesondere an Regentagen gibt es im Bauwagen Förder-, Lern- und Spielmaterial, das den Kindern zur Verfügung steht

Hat das Konzept auch Nachteile?

Trotz der vielen Vorteile ist ein Bauernhofkindergarten sicher nicht für jede Familie eine Option.

Die wichtigsten Nachteile oder Optionen, die es zu Bedenken gibt, wenn Du mit der Möglichkeit einen Bauernhof Kindergarten für Euer Kind zu wählen liebäugelst, auf einen Blick:

  • eine Anmeldung ist aufgrund der vergleichsweise (noch) geringen Anzahl an Einrichtungen in Deutschland nicht überall möglich.
  • der Anfahrtsweg kann je nach Wohnort deutlich länger sein als bis zum nächsten städtischen Kindergarten.
  • Kinder, die unter stärkeren Allergien leiden, könnten Probleme mit dem Alltag im Kindergarten haben.
  • geplante Ausflüge und Unternehmungen hängen oftmals vom Wetter ab.
  • die finanzielle Investition in qualitativ hochwertige, wetterfeste Kleidung für Draußen ist höher als für reguläre „Matschkleidung“ im städtischen Kindergarten.
  • Kinder, die vom Typ her nicht gerne bei Wind und Wetter draußen in der Natur sind, könnten sich in einem regulären Kindergarten wohler fühlen.
  • morgens werden zuerst die Tiere versorgt, daher findet das Frühstück der Kinder etwas später statt und die Zeit für ein kleines Frühstück vor der Abfahrt Zuhause sollte eingeplant werden, sodass Dein Kind nicht zu lange einen leeren Magen hat.

Wie gestaltet sich der Tagesablauf im Bauernhof Kindergarten?

In einem Bauernhof Kindergarten befinden sich die Kinder den Großteil des Tages in der freien Natur. Demnach lernt Dein Kind die Jahreszeiten in all ihrer Vielfalt spürbar kennen. Auch wenn es sich um ein alternatives Konzept handelt, ist der Tagesablauf wie auch in anderen Kindergärten strukturiert und ritualisiert.

Der Ablauf unterscheidet sich natürlich je nach Einrichtung. Im Groben sieht ein Tag eines Bauernhof-Kindergartenkindes so aus:

  1. Nachdem alle Kinder angekommen und ihre Rucksäcke verstaut haben, findet die Begrüßung im Morgenkreis statt.
  2. Jetzt werden zuerst die Tiere versorgt. Hasen, Ponys, Ziegen füttern und auf die Weide bringen steht auf dem Programm! In einigen Einrichtungen bereitet ein Teil der Kinder währenddessen das Frühstück mit Hof-eigenen Produkten vor, in anderen wird es von den Eltern mitgegeben.
  3. Nach dem gemeinsamen Frühstück finden verschiedene Projekte und Aktivitäten statt, die sich am Wetter, der Jahreszeit und den Gegebenheiten vor Ort orientieren.

Das können sein:

  • Säen von Pflanzen
  • Ernten aus dem eigenen Gemüsebeet
  • Ponyreiten
  • Kinderyoga
  • Ausflüge in den Wald, an den Fluss oder auf den nahegelegenen Naturspielplatz
  • Ausflüge zu den Tieren in den Stall
  • Hühnereier sammeln
  • Spielen in der Spielescheune mit Strohballen, einem Holzpferd und vielen kleinen Traktoren, Schüppen und allem, was das Kinderherz begehrt
  • Bastelprojekte
  • Untersuchen von Naturschätzen
  • freies Spiel
  • und vieles mehr…

4. Anschließend werden einige Kinder zur Mittagszeit bereits abgeholt, andere bleiben über Mittag und helfen ggf. beim Kochen des Mittagessens. Hier lernen sie die Vielfalt der Obst- und Gemüsesorten und deren Saison kennen.

5. Nach einer Ruhepause finden weitere Projekte und Aktivitäten am Nachmittag statt bevor die Kinder abgeholt werden.

Was Eltern beschäftigt – Bedenken und Fragen vor dem Start

Da der Bauernhof Kindergarten sich in einigen Punkten von einem regulären Kindergarten unterscheidet, ist es ratsam, vor der Anmeldung in den Austausch mit der Einrichtung zu gehen und alle offenen Fragen zu klären. Viele Einrichtungen bieten etwa Videokonferenzen an, wenn eine Besichtigung aufgrund der aktuellen Corona-Einschränkungen nicht möglich ist. Hier stellen die Erzieher:innen das Konzept vor und geben Raum zum gegenseitigen Kennenlernen der Eltern und Fragestellen.

Mögliche Fragen, die Dich beschäftigen könnten:

  • Wie sind die Öffnungszeiten und Ferienzeiten?
  • Wo halten sich die Kinder den Tag über auf? Gibt es eine Scheune, einen Wichtelwagen oder einen Teil des Bauernhauses als Unterschlupf?
  • Verpflegung der Kinder: Werden die Mahlzeiten vor Ort zubereitet oder mitgebracht?
  • Was braucht Dein Kind für den Kindergarten genau?
  • Welche Kleidung bewährt sich erfahrungsgemäß? Wie hältst Du Dein Kind bei Wind und Wetter möglichst warm und trocken?

Mein Tipp: Es gibt wunderbare Facebookgruppen unter dem Stichwort „Waldkindergarten”, in denen Eltern und Pädagogen sich gegenseitig mit den besten Kleidungstipps unterstützen.

  • Wie findet die Eingewöhnung statt? Nach welchem Modell wird vorgegangen und wie lange wird dem Kind Zeit gegeben?
  • Wie ist der Betreuungsschlüssel?

Unsere Erfahrungen nach rund vier Wochen Bauernhof Kindergarten

Für uns sind nun gut vier Wochen Bauernhof Kindergarten vergangen und mein Sohn bleibt mittlerweile den Vormittag über ohne mich dort. Mein Fazit? Es hätte uns nicht besser treffen können! Durch die Arbeitseinsätze auf dem Außengelände, zu denen die Eltern mit ihren Kindern den Sommer über eingeladen wurden, kannten die Kinder die Umgebung schon gut und haben sich von Beginn an wohlgefühlt.

Die Zeit der Eingewöhnung über war es so schön für mich zu beobachten wie die Kinder integriert werden und wie sehr sie die Zeit in der Natur mit all den spannenden Erlebnissen genießen. Mein Sohn begrüßt mich regelmäßig nach dem Kindergarten mit dem Satz „Mama, wir haben ganz viele tolle Sachen erlebt.“ Das freut mein Mamaherz natürlich sehr! Mit einem besonders bewegungsfreudigen und aktiven Kind ist es für mich ein großer Pluspunkt zu wissen, dass er am Vormittag schon viel Bewegung bekommt. Über Mittag können wir dann erst einmal eine Ruhepause machen bevor es nachmittags wieder rausgeht. Ob Ponyreiten, Hühnereier sammeln, Spielen auf dem Matschspielplatz oder kleine Projekte des Alltags – er hat jeden Tag so viel zu erzählen und ich spüre ganz stark, dass diese Einrichtung für mein Draußenkind genau die richtige Entscheidung war.

Last but not least: Betreuungspersonal, Träger und Kosten

In einem Bauernhof Kindergarten arbeiten ausgebildete Erzieher und Sozialpädagogen wie in einer regulären Kita. Diese werden hier und da von landwirtschaftlichem Personal unterstützt, welchem die alleinige Betreuung der Kinder jedoch nicht gestattet ist. In unserem Fall ist eine der Sozialpädagoginnen gleichzeitig Landwirtin und auf dem Hof aufgewachsen.

Viele Bauernhof Kindergärten unterliegen einem freien Träger oder werden von der Gemeinde oder dem Kreis betrieben. Oft handelt es sich um Vereine oder Genossenschaften, sodass eine enge Kooperation zwischen den Eltern und Erziehern ermöglicht wird.  

Und die Kosten? In der Regel verläuft die Bezahlung wie in einer normalen Kita über die Satzung der jeweiligen Stadt und ist somit städtisch gefördert. Es kommen also im Vergleich zum Regelkindergarten keine zusätzlichen monatlichen Kosten auf die Eltern zu. Sollte der Bauernhof Kindergarten einem freien Träger angehören, ist es möglich, dass eine Aufnahmegebühr anfällt, die den Eltern Geschäftsanteile zuspricht. Geht das Kind im Anschluss an den Kindergarten in die Schule, können diese einfach auf ein Folgekind übertragen werden.  

Fazit – der Bauernhof Kindergarten ist ein tolles Konzept

Jedes Kind und jede Familie sind ganz individuell und nicht für alle muss das Konzept Bauernhof Kindergarten passen. Letztlich kommt es darauf an, dass der Kindergarten Euch den Alltag erleichtert und Euer Kind sich wohlfühlt. Dazu können auch kurze Fahrtwege beitragen. Ist Euer Kind aber gerne draußen und liebt Bewegung und Kontakt mit der Natur? Dann könnte der Bauernhof Kindergarten genau das Richtige für Euch sein und mit etwas Glück habt Ihr eine Einrichtung in Eurer Nähe, die Ihr Euch genauer anschauen könnt.

Hat Dir mein Artikel geholfen? Wenn Du weiterhin noch Fragen zum Bauernhof Kindergarten hast, kommentiere sehr gerne unter dem Beitrag und lasse uns daran teilhaben!

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